*+* Juli Zeh: „Leere Herzen“ *+*

Wir leben in einer Demokratie und – schaut man sich die Entwicklung der Wahlbeteiligung an – wissen das immer weniger zu schätzen. In welches Horror-Szenario diese politische Verdrossenheit, diese Lethargie, diese Nicht-Bereitschaft, über den Tellerrand zu blicken, führen kann, führt uns Juli Zeh eindrucksvoll mit ihrem Buch „Leere Herzen“, vor Augen.

Der fiktive Roman, der sich zwischendurch wie ein Thriller liest, und auch klare dystopische Züge trägt, spielt in der Zukunft und erzählt vom Zustand Deutschlands, nachdem Merkel von der „Besorgten Bürger Bewegung“ abgelöst wurde. Vieles ist anders. Die gefühlte Mehrheit fühlt sich wohl im „gefühllosen“ Land, aber einige Nostalgiker glauben noch an die alten Werte und sehnen die alten Zeiten zurück. Verkörpert wird dieser Schwarz-Weiß-Effekt von dem Umfeld Brittas, die aus den neuen Zeiten aus ihrem Unternehmen eine Melkkuh gemacht hat, und dem ihrer Freundin, die nicht nur ihr eigenes Glück, sondern auch das Gemeinwohl im Blick hat.

Britta hat sich mit ihrem Geschäftsmodell in eine Grauzone gewagt. Für ihren persönlichen Reichtum und Erfolg hat sie jegliche Moral zurückgelassen. Nach den jüngsten Ereignissen begreift sie, dass nichts für die Ewigkeit ist. Jemand versucht ihr Konkurrenz zu machen und geht dafür – wie Britta selbst auch – über Leichen. Das kann und will sie so nicht hinnehmen. Sie bewegt sich von der Oberfläche immer mehr in die Tiefe und muss dafür Stück für Stück ihre Ignoranz und Arroganz den anderen gegenüber aufgeben. Während sie versucht, den Geschehnissen und dessen Hintergründen auf die Spur zu kommen, tut sich auch etwas in ihrem tiefsten Inneren. Brittas eindimensionalen Ideale, Überzeugungen und Ziele werden auf die Probe gestellt, was nicht spurlos an der Frau vorbeigeht. So wartet der Roman mit einem Ende auf, den ich über lange Zeit nicht für möglich gehalten hätte, und der mich durch seine recht knappe Abhandlung etwas unbefriedigt zurückgelassen hat. Aber vielleicht waren diese Nicht- Eindeutigkeit, diese Offenheit, diese Unklarheit genau das, was die Autorin beabsichtigt hat? Genug Saat zum Nachdenken und Philosophieren hat sie definitiv in die Leeren Herzen hineingelegt.

Mal wieder hat es Juli Zeh geschafft, mich mit ihrem zugleich schrägen und mahnenden Szenario zu fesseln. Sie hält dem Leser erneut gekonnt einen visionären Spiegel vor, der phasenweise sehr nachdenklich stimmt. Dennoch kommt „Leere Herzen“ für meinen Geschmack nicht an „Unterleuten“ heran, was an der erwähnten Umsetzung des Schlussteils liegt.
Eine Leseempfehlung möchte ich dennoch aussprechen!

Inhalt
Sie sind desillusioniert und pragmatisch, und wohl gerade deshalb haben sie sich ‎erfolgreich in der Gesellschaft eingerichtet: Britta Söldner und ihr Geschäftspartner Babak Hamwi. Sie haben sich damit abgefunden, wie die Welt beschaffen ist, und wollen nicht länger verantwortlich sein für das, was schief läuft. Stattdessen haben sie gemeinsam eine kleine Firma aufgezogen, „Die Brücke“, die sie beide reich gemacht hat. Was genau hinter der „Brücke“ steckt, weiß glücklicherweise niemand so genau. Denn hinter der Fassade ihrer unscheinbaren Büroräume betreiben Britta und Babak ein lukratives Geschäft mit dem Tod.
Als die „Brücke “ unliebsame Konkurrenz zu bekommen droht, setzt Britta alles daran, die unbekannten Trittbrettfahrer auszuschalten. Doch sie hat ihre Gegner unterschätzt. Bald sind nicht nur Brittas und Babaks Firma, sondern auch beider Leben in Gefahr…
„Leere Herzen“ ist ein provokanter, packender und brandaktueller Politthriller aus einem Deutschland der nahen Zukunft. Es ist ein Lehrstück über die Grundlagen und die Gefährdungen der Demokratie. Und es ist zugleich ein verstörender‎ Psychothriller über eine Generation, die im Herzen leer und ohne Glauben und Überzeugungen ist.

Autorin
Juli Zeh, 1974 in Bonn geboren, studierte Jura in Passau und Leipzig. Schon ihr Debütroman „Adler und Engel“ (2001) wurde zu einem Welterfolg, inzwischen sind ihre Romane in 35 Sprachen übersetzt. Ihr Gesellschaftsroman „Unterleuten“ (2016) stand über ein Jahr auf der SPIEGEL-Bestsellerliste. Juli Zeh wurde für ihr Werk vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Rauriser Literaturpreis (2002), dem Hölderlin-Förderpreis (2003), dem Ernst-Toller-Preis (2003), dem Carl-Amery-Literaturpreis (2009), dem Thomas-Mann-Preis (2013), dem Hildegard-von-Bingen-Preis (2015) sowie dem Literaturpreis der Stahlstiftung Eisenhüttenstadt (2017).
Quelle: Luchterland/ Random House

 

 

 

 

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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