*+* Sebastian Fitzek: „Flugangst 7A“ *+*

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Mats Krüger war vor einigen Jahren nach dem Tod seiner Frau nach Argentinien ausgewandert. Er war mit dem Schiff dorthin gereist, weil er unter gravierender Flugangst leidet. Seine in Berlin gebliebene Tochter hat nun nach langer Zeit wieder Kontakt zum Vater aufgenommen, denn sie ist hochschwanger und hat niemanden, der ihr zur Seite steht. Flugpanik hin oder her – Mats würde natürlich alles für seine Tochter tun und besteigt für sie das Langstreckenflugzeug zurück in die alte Heimat….

Mats Krüger ist überzeugend gelungen. Seine große Flugangst und die unzähligen Methoden, diese zu besiegen oder zumindest genügend zu unterdrücken, um der inneren Panik Herr zu werden, hat der Autor gut skizziert. Da wird sich sicher der eine oder andere Leser wiederfinden…. Zum Glück hätte unsereins an Bord jedoch nur mit der Angst vor dem Flug zu kämpfen. Mats Krüger hatte noch einige Aufgaben mehr zu bewältigen. Denn als er endlich wohlbehalten in der Maschine sitzt, erwacht ein ganz anderer Alptraum zum Leben. Seine Tochter wurde auf dem Weg zur Klinik entführt. Es gibt keine Lösegeldforderung, um ihr Leben und das des ungeborenen Kindes zu retten, sondern eine schier unlösbar scheinende Aufgabe: Mats soll das Flugzeug zum Absturz bringen. Das Werkzeug ist bereits an Bord – eine frühere, erfolgreich therapierte Patientin des erfahrenen Psychiaters. Mats soll die Wunden wieder aufreißen, um ihre Labilität zu wecken.
Das Leben von Tochter und Enkel gegen das der rund sechshundert Passagiere….

„Jeder Mensch trägt die Fähigkeit des Tötens in sich. Jeder hat einen Punkt, an dem er zerbricht. Zum Glück gibt es nur wenige, die die Skrupellosigkeit besitzen, diesen psychischen Nullpunkt bei anderen zu finden.“

Rein rechnerisch ist die Lösung klar, aber wir befinden uns nicht in einem theoretischen Flugsimulator, sondern in einem echten Flieger in der Wirklichkeit. Natürlich hat die Tochter bei Mats die höhere Priorität, wenngleich ihm eine todesfreie Lösung am allerliebsten wäre.
Eins muss man seiner neuen, schwierigen Lage lassen. Sie ist so gewichtig, dass der Flugangst-Patient seine Panik aus den Augen verliert.

So kämpft Mats nun an mehreren Fronten. Natürlich versucht er, die ehemalige Patientin zu provozieren, um sie für eine Gewalttat bereit zu machen. Gleichzeitig nimmt er Kontakt zu einer alten Bekannten in Berlin auf, die sich auf die unauffällige Suche nach der entführten Tochter begeben soll. Denn wird diese rechtzeitig gefunden, hat der Erpresser sein Druckmittel verloren. Wer hinter all dem steckt, das möchte der verzweifelte Mann natürlich auch herauszufinden. Wer ist der Drahtzieher, was sind seine Motive, wie sind die Verstrickungen, die es aufzulösen gilt?

Die Geschehnisse im Flugzeug werden durch die Schilderungen in Berlin unterbrochen. Auch hier ist der Leser ganz nah dabei, verfolgt die höchstspannende Suche nach der Tochter, erlebt aber auch Szenen mit dieser und ihrem Entführer.

Zwischen diesen Handlungssträngen springt Sebastian Fitzek hin und her und ich folgte ihm begeistert. Denn mich interessierte brennend, wie diese ausweglos scheinenden Situationen zu einem glücklichen Ende gebracht werden konnten. Ich unterstellte dem Autor einfach, dass er es – auch nicht auf dem Papier – über das Herz bringen würde, Hunderte von Passagieren abstürzen zu lassen. Die Auflösung ist wirklich gut gelungen. Zufälle, Absichten und viele anfangs nicht sichtbare Beziehungsgeflechte bilden letztendlich eine überzeugende Kulisse für das Schauspiel im Flugzeug und erklären so manche Tatsache, Handlungsweise und Entwicklung.

Nicht nur die Figur des Mats Krüger ist gut gelungen, auch die anderen Figuren sind sehr angemessen und stringent konstruiert. Viele von ihnen bleiben anfangs etwas nebulös, sind unspektakulär, bis sich Stück für Stück die Teile des Puzzles zeigen und am Schluss die Vielschichtigkeit und Komplexizität der Einzelteile klar wird. Alles wird sauber aufgelöst, es blieben – zumindest bei mir – keine Fragen offen.

Wieder einmal bin ich begeistert von einem „Fitzek“. „Flugangst 7A“ hat mich mit der Umsetzung des Themas im Allgemeinen überzeugt, aber auch mit der fein gesponnenen Geschichte und ihren Einzelkomponenten im Besonderen. Ich erlebte hinter den Kulissen einen Flug des Grauens, bekam interessante Einblicke in die Psyche des Menschen und freute mich über den gut konstruierten Plot. Bei dem Thriller flogen die Seiten, die Kombination der drei Handlungsstränge sorgte für Spannung und Abwechslung. Viele kleine Cliffhanger, die mich mit dem klassischen „Nur noch ein Kapitel“ das Buch in Windeseile lesen ließen, rissen mich zusätzlich mit.
Gute und fesselnde Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Seite, was will man mehr?

Inhalt
Es gibt eine tödliche Waffe, die durch jede Kontrolle kommt.
Jeder kann sie ungehindert an Bord eines Flugzeugs bringen.

Ein Nachtflug Buenos Aires-Berlin.
Ein labiler Passagier, der unter Gewaltphantasien leidet.
Und ein Psychiater, der diesen Patienten manipulieren soll, um an Bord eine Katastrophe herbeizuführen.
Sonst verliert er etwas sehr viel Wichtigeres als sein Leben …

Autor
Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
Quelle: Droemer Knaur Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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6 Antworten zu *+* Sebastian Fitzek: „Flugangst 7A“ *+*

  1. dystopia13 schreibt:

    Mir gefällt auch, dass Fitzek es immer gelingt, einen neugierig auf das nächste Kapitel zu machen. Mir geht es da wie dir. Nur noch ein Kapitel… Bin mit diesem Buch auch schon halb durch, weil es so süchtig macht, auch wenn es schon bessere Bücher von ihm gab.

  2. Liebe Heike,
    eine tolle Rezension, ich bin ganz deiner Meinung! Ich hätte das Buch am liebsten in einem Rutsch durchgelesen, weil die erwähnten Cliffhanger einfach zu gut waren. So kommt mir das „Nur noch ein Kapitel“ sehr bekannt vor. ;)
    Liebe Grüße
    Nicole

  3. Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

    Das Buch liegt bereits bei mir und war ein reiner Cover-Kauf :D Aber nach Fitzeks Lesung bin ich wirklich neugierig auf den Inhalt geworden, allein eine erfolgreiche Therapie rückgängig zu machen! Einige seiner neueren Bücher liegen bei mir, jedoch noch ungelesen. Seine alten Geschichten gefallen mir sehr gut & ich hoffe ich teile deine Meinung nach dem lesen, denn man bekommt ja vermehrt die Kritik an seinen neuen Werken mit…

  4. monerl schreibt:

    Liebe Heike,
    du weißt ja, dass Fitzek und ich nicht ganz so gute Freunde sind. ;-) Aber mit diesem Buch könnte ich es mal wieder versuchen. Gerade, was du zum Ende schreibst, könnte ich mich vorstellen, dass mir dieses Buch doch noch gefallen könnte. Ich werde berichten. hihi
    GlG vom monerl

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