*+* Akram El-Bahay: „Bücherstadt – Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ *+*

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Sam ist ein Dieb und hat dieses Leben so satt. Sein größter Wunsch ist es, dem Weißen König als Palastwächter dienen zu dürfen. Jedoch ist die List, die er dafür anwendet, nicht groß genug. Er wird nicht in diese begehrten Reihen aufgenommen, bekommt aber eine andere verantwortungsvolle Aufgabe als Wächter, die ihm jedoch mehr als langweilig erscheint. Sam beschützt nicht im oberirdischen Mythia, dem größten Stadtstaat der Welt, den König, sondern im unterirdischen Bücherstadt Paramythia ein schäbiges, altes Tor, das zum inneren Teil dieser unfassbar großen Bibliothek führt. Der neue Wächter kann nicht begreifen, was an alten, verstaubten Büchern so wichtig ist, sie derart zu sichern, bis sich schon ziemlich zu Beginn seines neuen Postens die Dinge überschlagen.
Geschieht dies alles wirklich, oder haben Müdigkeit und Langeweile Sams Sinnen einen Streich gespielt? Viel Zeit sich zu wundern hat er nicht, denn es passieren weiterhin unglaubliche Dinge um ihn herum…..

„Er sah in eine riesige Halle, deren Gewölbedecke von so dicken Säulen getragen wurden, dass fünf Männer sie nicht gemeinsam hätten umfassen können. Der Schein der Fackel mischte sich in das warme Licht zahlloser Öllampen, die an den Säulen hingen. Die Halle war mehrere Stockwerke hoch. Mit offenem Mund sah Sam sich um. Und erkannte im ersten Moment nichts als Bücher. Nie hatte er in seinem Leben mehr davon gesehen.“

Akram El-Bahay hat mit seiner Buchidee wunderschön die Grenzen von Realität und Literatur, Wahrheit und Fiktion verwoben. Der Jugendroman ist in Stil und Umsetzung gut auf die Zielgruppe zugeschnitten. Der einsträngige Erzählstil macht es leicht, die Geschichte gut zu verfolgen. Die Charaktere werden nach und nach eingeführt, sind relativ überschaubar und einfach gehalten, dennoch schälen sich mit der Zeit ihre Beziehungen zueinander heraus und es offenbart sich hin und wieder ein Geheimnis, das eine schöne Verbindung zwischen verschiedenen Kulturkreisen knüpft. Der Autor ist unter dem Einfluss zweier Kulturkreise aufgewachsen, aus dem er schöpft, und damit einen schönen Hintergrund für seine Geschichte zaubert.

Die Geschichte, die eher handlungs- als charakterorientiert ist, dürfte der jugendlichen Zielgruppe in die Hände spielen, ebenfalls die seltsamen, interessanten Geschöpfe, die zunehmend Sams Weg kreuzen und für eine gute geheimnisvolle Portion des Unbekannten im Geschehen sorgen. Auch die verhältnismäßig vielen, aber in einem annehmbaren Umfang gehaltenen Kampfhandlungen dienen sicher als Leseanreiz. Durchbrochen wird die manchmal leider vorhersehbare Handlung hin und wieder durch mystische Elemente und Einschübe kurzer orientalischer Märchen, die für fernöstlichen Flair in dieser fantastischen Welt sorgen und Assoziationen zu den Geschichten aus „1001 Nacht“ heraufbeschwören.

Mir selbst hat die Grundidee des Buches sehr gut gefallen. Die Wahl der Zutaten ist prinzipiell gut gelungen, jedoch fehlt mir das gewisse Etwas. Vielleicht liegt es daran, dass der Stil eher beschreibend als erzählend ist. Einige Stellen hätten gerne ausschweifender behandelt werden können. So wirkte die Geschichte auf mich an einigen Stellen etwas hölzern und der Zauber der prächtig bestückten Bücherstadt mit ihren ungewöhnlichen Fabelwesen und Geheimnissen konnte sich nicht immer voll entfalten. An einigen Stellen ist es durch die beeindruckenden Impressionen sehr gut gelungen in die Welt Paramythias und ihrer Geschöpfe einzutauchen, an vielen anderen Stellen aber flacht dieser begeisternde Stil leider ab. Auch wurde die Handlung an einigen Stellen recht schnell vorangetrieben und es wäre schön gewesen, mehr als nur knappe Hintergundinformationen zu bekommen, um das Flair besser auskosten zu können.
Insgesamt hat mir der Auftakt der „Bücherstadt“-Trilogie aber gut gefallen und wer weiß, vielleicht werden die vermeintlichen Lücken in den Folgebänden gefüllt!

Inhalt
Sam ist ein Dieb – aber mit einer List gelingt es ihm trotzdem, in die Palastwache von Mythia aufgenommen zu werden. Er träumt von einem neuen Leben, von großen Aufgaben. Vielleicht wird er gar als Wache des Weißen Königs eingesetzt? Doch statt des Königs soll er nur alte, staubige Bücher bewachen, in der riesigen Bibliothek unterhalb der Stadt. Wie langweilig! Sam kann nicht mal lesen. Bald jedoch erfährt er am eigenen Leib, dass die hallenden Bücherschluchten ebenso gefährliche wie fantastische Geheimnisse bergen …

Autor
Akram El-Bahay hat seine Leidenschaft, das Schreiben, zum Beruf gemacht: Er arbeitet als Journalist und Autor. Als Kind eines ägyptischen Vaters und einer deutschen Mutter ist er mit Einflüssen aus zwei Kulturkreisen aufgewachsen. Dies spiegelt sich auch in seinen Romanen wider: klassische Fantasy-Geschichten um Drachen und Magie, die ebenso sehr an den „Herrn der Ringe“ wie an orientalische Märchen erinnern. Mit seinem ersten Roman „Flammenwüste“ war er für mehrere Preise nominiert, er gewann den Seraph Literaturpreis als bestes Fantasy-Debüt des Jahres. Er schreibt zurzeit an einer Fortsetzung der Geschichte.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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7 Antworten zu *+* Akram El-Bahay: „Bücherstadt – Die Bibliothek der flüsternden Schatten“ *+*

  1. lesenundmehr schreibt:

    Ich muss ja gestehen, dass ich kein Fan von Mehrteilern mehr bin. Aber manchmal ist doch etwas dabei, was mich reizt. ‚Bücherstadt‘ war so ein Trio, aber mom. habe ich ohnehin so wenig Zeit zum lesen, dass erstmal auf die ‚Merkliste‘ kam.
    Liebe Grüße

  2. Hallo, ich durfte Die Bücherstadt in Rahmen einer Lesejury mit Autorenbegleitung lesen. Da ich grundsätzlich kein Fan von Fantasy bin, muss ich sagen, dass mir die Bücherstadt sehr gut gefallen hat. 😀 Vom Autor ist beabsichtigt, die Entwicklung der Charaktere und Verflechtungen, offen stehende Fragen, immer sukzessive mit den Bänden aufzuklären.

    Sehr schöne Rezi. 😀

    Liebe Grüße
    Romy

    • irveliest schreibt:

      Hallo Romy,
      lieben Dank für dein Lob! Für die LR hätte ich mich auch fast beworben, aber ich kann nicht imemer in festgelegten Zeiträumen lesen, also habe ich es bei diesem Buch mit der Leserunde gelassen.
      Ja, ich denke, dass es noch einige Geheimnisse und Hintergründe in den Folgebänden zu beleuchten gibt!
      Liebe Grüße Heike

  3. monerl schreibt:

    Hallo Heike,
    wenn du nun auch schon „Die Flammenwüste“-Trilogie gelesen hättest, könnte ich jetzt besser einschätzen, ob das Buch nun diesen hier entspricht oder etwas schwächer umgesetzt wurde. Denn die fand ich total super und gelungen! Weiß jetzt auch nicht, ob „Die Bücherstadt“-Trilogie mehr für jüngere Leser ist, da der Schreibstil für kindliches Lesen angepasst ist. Ich warte mit dem Buch jetzt erst mal ab. Ist ja nicht so, als hätte ich nichts zu lesen, gell! haha
    GlG vom monerl

    • irveliest schreibt:

      Liebes Monerl,
      diese Trilogie kenne ich leider nicht, aber die Bücherstadt wird lt Verlag für Leser ab 16 Jahren empfohlen, ich würde sie aber durchaus auch jüngeren Jugendlichen zutrauen. Klar gibt es Gewaltszenen, aber mit was man bei Nachrichten und Co konfrontiert wird, ist da auch nicht milder.

      Liebe Grüße, Heike

  4. Liebe Heike,
    mir hat der Auftakt bis auf winzige Kleinigkeiten auch sehr gut gefallen. Wie du schon sagst: Die Grundidee ist wirklich gut und auch die Impressionen sind sehr beeindruckend. Ich bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung! 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

    P.S. Ich hoffe, es ist in Ordnung für dich, dass ich deine Rezension in meiner verlinkt habe. 🙂

    • irveliest schreibt:

      Liebe Nicole,
      ja klar, das kannst du sehr gerne machen. Das Verlinken anderer Rezensionen in meiner sollte ich auch mal wieder aufgreifen.
      Mals ehen, wie es in der Trilogie weitergeht. Leder wird es etwas dauern, bis wir das wissen 🙂
      Liebe Grüße, Heike

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