*+* Veit Etzold: „Tränenbringer“ *+*

Tränenbringer“, so lautet der Titel des fünften Falles für Clara Vidalis, und dieser Name ist Programm. Eltern erfahren hier viel Leid, denn wenn sie eines der makabren Pakete bekommen, die von dubiosen Gestalten überbracht werden, verwandelt sich alles Schöne ihrer Welt in Angst und Grauen.

„Er öffnete das Paket und sah, was unter der Folie war. Die Farbe. Die Schnittränder. Das Blut. Es war menschlich. Die Nasenflügel. Und das Piercing. Es war die Nase seiner Tochter.“

Schon der Prolog beginnt dramatisch und grauenvoll. Obwohl in diesem Moment nicht wirklich etwas passiert, hebt sich mit Grauen der Vorhang für den ersten Akt. Mein Kopfkino hat hingegen schon diverse Möglichkeiten durchgespielt und mich dennoch nicht ausreichend auf das, was da noch kommen sollte, vorbereitet.

Dieser Fall für Clara Vidalis ist nervenaufreibender als jeder andere zuvor. Denn sie wird immer wieder an das Schicksal ihrer kleinen Schwester erinnert, die einem ähnlich agierenden Wahnsinnigen zum Opfer gefallen war. Zudem kreuzt der Täter den Weg der Hauptkommissarin nicht nur durch diese Erinnerungen, die sich ihr zwangsläufig immer wieder aufdrängen – er greift auch aktiv auf Clara Vidalis´ Schicksal ein. Und das zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn sie bräuchte eigentlich im Moment etwas Ruhe für ihr Privatleben, da sie und ihr Partner „McDeath“ sich gerade hinsichtlich ihrer Zukunft sortieren müssen. Aber auf solche Befindlichkeiten nimmt das Schicksal natürlich keine Rücksicht.

Schlag auf Schlag geht es zu, die Zahl der Toten wächst. Aber das macht die Ermittlungen entgegen aller sonstigen Regeln nicht einfacher, denn die Leichen folgen keinem Beute- bzw. Opferschema, besser gesagt: Sie folgen nicht einem, sondern zwei Schemata… Das Team des LKA ist lange Zeit ratlos, bis ein Wink des Schicksals sie auf die richtige Spur führt…

Der Leser wähnt sich indes etwas schlauer als die Ermittler. Veit Etzold nähert sich Clara Vidalis´ Fall aus zwei Richtungen. Er berichtet über die aktuellen Vorkommnisse und deren Ermittlungen, Untersuchungsergebnisse und folgenden Spekulationen, baut aber einen zweiten Strang in die Vorkommnisse ein, mithilfe dessen das Leben des Täters chronologisch von der Kindheit bis zum Jetzt eingeflochten wird. So kann man sich als Leser ein gutes Bild vom Täter machen. Was ihm widerfahren ist, war schlimm, erklärt vieles, entschuldigt aber selbsterständlich nicht einen einzigen seiner früheren oder jetzigen Fehltritte.

Tränenbringer“ ist durch seine kurzen Kapitel, eingebauten kleinen Cliffhanger und dem sehr flüssigen Erzählstil ein Thriller, bei dem die Seiten fliegen. An einigen Stellen gibt es kleine Längen, vor allem, wenn es in den privaten Berich der Ermittler ging – diese Entspannungsphasen tun jedoch Not, denn der Autor geht häufig über die Grenzen des Erträglichen hinaus und für mich hätte es dieses „too much“ an vielen Stellen nicht gebraucht. Einen Gang runter in Konstruktion, Beschreibungen der Handlungen und auch teilweise deren Folgen hätte mir besser gefallen, diese Übertreibungen an vielen Stellen wirken sich nicht bei jedem spannungs- und faszinationssteigernd aus, sondern haben manchmal eher einen kontraproduktiven Effekt.

„Um die Monster zu verstehen, muss man eine Weile in ihren blutigen Schuhen mitlaufen.“

Gut gefallen hat mir, dass man auch als Seiteneinsteiger in dieser Reihe Fuß fassen kann. Die Charaktere werden treffend gezeichnet, zudem gibt es immer wieder kleine Rückblicke auf die vorherigen Fälle, die zum einen das Profil des Teams schärfen, zum anderen aber auch definitiv das Interesse an den vier früheren Fällen wecken.
Ebenfalls sehr gut gelungen ist die tolle Recherche im Großen und Kleinen – vor allem wieder im medizinischen Bereich und zum Thema „Serientäter“, die immer wieder gut in die Geschehnisse eingebaut wird. Auch der Lokalkolorit Berlins blitzt immer wieder auf.

Der fünfte Fall der Thriller-Serie um Clara Vidalis hat mir einige spannende Stunden guter und informativer Unterhaltung geschenkt. Eine klare Empfehlung für nicht zu zart besaitete Leser!

Inhalt
Band fünf der Bestseller-Serie von Veit Etzold: Top-Autor Veit Etzold ist mit seiner Hauptkommissarin Clara Vidalis, Expertin für Pathopsychologie am LKA Berlin, regelmäßig auf der Spiegel-Bestsellerliste. Kaum ein deutscher Thriller-Autor beherrscht die Klaviatur harter, realistischer Spannung so wie er. Ihr fünfter Fall bringt Clara auch persönlich an ihre Grenzen: Ein Serienkiller entführt 18-jährige Mädchen und lässt den Eltern Leichenteile zukommen. Die Ermittler schickt er ein ums andere Mal auf eine falsche Spur. Und vor Jahren fiel Claras kleine Schwester einem ganz ähnlich agierenden Wahnsinnigen zum Opfer, der nie gefasst werden konnte … Harte Fälle, schnelle Action – deutsches Setting!

Autor
Dr. Veit Etzold ist Autor von sechs Spiegel-Bestseller-Thrillern, die in sieben Sprachen übersetzt wurden. Er studierte internationales Management an der IESE Business School mit Stationen in Barcelona, New York, San Francisco / Silicon Valley und Shanghai. Er arbeitete für die internationale Strategieberatung Boston Consulting Group in Europa, Asien und den USA, Booz & Company, die Allianz Gruppe und als Berater für die globale Bergbaufirma Gaia Mineral Resources und die Investmentholding African Development Corporation in Ruanda, Hong Kong und Peking. Er ist Berater des Auswärtigen Amtes, Mitglied in unterschiedlichen Expertengruppen der Atlantikbrücke und Dozent für Geopolitik an der IESE Business School und an der Singapore Management University. http://www.veit-etzold.de/
Quelle: Droemer Knaur Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+* Veit Etzold: „Tränenbringer“ *+*

  1. nilibine70 schreibt:

    Das wird eins der nächsten, so Gott will 😉

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