*+* Tania Carver: „Du sollst nicht leben“ *+*

Der neue Fall für Phil Brennan hat es in sich. Eine Mutter – an einen Stuhl gefesselt, ihre Tochter auf dem Schoß – wurde brutal getötet. Ebenfalls am Tatort befindet sich ihr Lebensgefährte und Vater des Kindes. Warum lebt er? Warum ist seine Familie tot?
Ermittlungen in der Nachbarschaft und die Befragung des Überlebenden nach der Überwindung seines Schocks weisen den Weg zur Vorgehensweise des Täters. Sein Motiv scheint etwas mit ausgleichender Gerechtigkeit zu tun zu haben. Was genau das zu bedeuten hat, welche schlimmen Folgen es für die weiteren seiner Auserwählten haben wird und vor allem, welche Ursachen die kranke Weltanschauung des Serienmörders hat, das alles erfährt der Leser im Laufe der Geschehnisse und ist dabei der Polizei meistens einen Schritt voraus.

Während Brennan und sein Team dem Täter hinterherjagen, hat seine Frau Marina Esposito es mit einem ganz anderen Fall zu tun. Eine Verrückte gibt sich für eine Frau aus, die eigentlich tot ist. Aber diese Doppelgängerin ist nicht nur verrückt, sie ist auch sehr schlau, narzisstisch, gefährlich, effektiv und zielorientiert. Sie zur Strecke zu bringen, liegt nicht nur im Interesse der Allgemeinheit, sondern ist auch für Marina selbst sehr wichtig – denn das Ziel, dass die Unbekannte verfolgt, ist eng mit den persönlichen Belangen von Phil und Marina verwoben.

Von Anfang an fragte ich mich, was diese beiden völlig verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu tun haben könnten, schienen doch ihre Wirkungskreise keinerlei Berührungspunkte zu haben. Und tatsächlich wird zwar Brennans Fall innerhalb dieses Bandes der Carver-Reihe abgeschlossen, die Geschehnisse um Marina und die Doppelgängerin aber nicht. Ganz im Gegenteil, deren vorerst offenes Ende markiert einen Cliffhanger der übelsten Sorte und auch, wenn mich „Du sollst nicht leben“ bei weitem nicht so begeistert und gefesselt hat wie der Vorgänger „Morgen früh, wenn du willst“, bin ich trotzdem sehr gespannt, wie Marina und Phil ihr inzwischen sehr persönliches Problem werden lösen können.

Die Ermittlungen des Birminghamer Teams rund um Brennan verlaufen zunächst sehr erfolglos. Das ist vor allem deshalb sehr unbefriedigend und frustrierend, weil der Täter immer wieder telefonischen Kontakt zum Ermittler aufnimmt und mit ihm zu spielen scheint. Durch eine turbulente Verknüpfung der Ereignisse kann die Falle aber schlussendlich doch noch zuschnappen. Trotz aller Finessen, eingeflochtener Nebenschauplätze, der Markierung einiger persönlicher Schicksale, vieler brutaler Szenen und sich fast schon überschlagender Ereignisse zum Schluss konnte mich der Thriller nicht wirklich für sich einnehmen – oder vielleicht gerade deshalb. Spannung wird nicht unbedingt durch eine bunte Mischung an Klischees erzeugt, so wie meines Erachtens hier geschehen. Viele Nebenstränge waren in diesem Umfang zudem weder für die Haupthandlung notwendig, noch in ihrer Brutalität, Härte und in ihren Folgen der Aufklärung der Serientaten zuträglich. Ein bisschen mehr Raffinesse und vor allem Logik sowie ein durchweg nachvollziehbares Handeln vor allem der Gesetzeshüter hätten mich wesentlich mehr begeistern können als diese Umsetzung á la Massenware.
Was jedoch sehr bei mir punkten konnte, war der Birminghamer Lokalkolorit, der immer wieder aufblitzte. Ebenfalls gefielen mir sehr gut die regelmäßigen Schwenks in die kranke Täterseele, die die Motivation und Beweggründe des armen und leider auch brandgefährlichen Irren ausführlich und gut nachvollziehbar darlegten.

Die Protagonisten sind eine Mischung aus altbekannten Figuren und Charakteren, die diesen Fall markieren. Sie sind je nach Relevanz des Autors unterschiedlich ausgearbeitet, besonders gut hat mir die Zeichnung des Täters gefallen. Nicht nur was den Fall betrifft, gibt es facettenreiche Entwicklungen. Auch in Brennans Privatbereich und Freundeskreis gibt es mehrere dramatische Wenden, von denen eine den bereits erwähnten Cliffhanger markiert.

Inhalt
Detective Phil Brennan wird zu einem grausigen Tatort gerufen. Eine Mutter und ihr Baby wurden vor den Augen des Kindsvaters mit einer Armbrust erschossen. Dieser hatte die Wahl: entweder mit seinem eigenen Leben oder dem seiner Familie den Unfalltod zweier Menschen zu büßen. Er wählte seine Familie. Ausgerechnet diesmal ist Phil Brennan auf sich allein gestellt. Denn seine Ehefrau, Polizeiprofilerin Marina Esposito, muss sich den Dämonen ihrer Vergangenheit stellen.

Autoren
Tania Carver ist der Autorenname von Martyn und Linda Waites. Der preisgekrönte Krimiautor Martyn und die renommierte Kostümbildnerin Linda erfüllen sich mit dem gemeinsamen Schreiben einen Traum. Ihr Debüt „Entrissen“ mit der Profilerin Marina Esposito war wochenlang in der Sunday Times Top 10 und auf der Spiegel-Bestsellerliste. Danach begann der weltweite Erfolg der Thrillerserie.
Quelle: Ullstein Buchverlage

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+* Tania Carver: „Du sollst nicht leben“ *+*

  1. Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

    Mit „Morgen früh, wenn du willst“ liebäugle ich immer mal wieder. Schön wenn dich der 2. Band ebenfalls einnehmen konnte, wenn auch nicht so stark wie der erste. Fiese Cliffhanger sind gemein, da will man direkt und SOFORT weiterlesen!

    Liebe Grüße
    Janna

    • irveliest schreibt:

      Naja, so stark fand ich ihn ja nicht und es war auch schon der 6. Thriller der Reihe, glaube ich. Ich kann das immer gut mit dem zunächst unwissenden Quereinsteigen ;-) …aber bei den Büchern von Tania Carver kann man gut zwischendrin anfangen, man kommt trotzdem gut mit!
      Liebe Sonntagsgrüße, Heike

      • Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

        Hach jee, dann hab ich verschroben gelesen? Dachte es wäre der Zweite, ups :D Ich bleibe aber erstmal beim liebäugeln. Hab einen feinen Wochenstart!

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