*+* Daniel Cole: „Ragdoll“ *+*

Als Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, zu einem Tatort gerufen wird, ahnt er nicht, dass seine Vergangenheit ihn bald einholen wird. Nach seiner Suspendierung ist er wieder im Dienst und wird gleich zu Beginn seiner wieder begonnenen Dienstzeit mit einem ganz besonderen Fall konfrontiert. Es wird zwar nur EINE Ragdoll gefunden, aber diese besteht aus SECHS Teilen verschiedener Opfer. Etwas makaber in Hinblick auf den Detective mutet es an, dass die grausige Puppe in großer Nähe zu seiner Wohnung gefunden wurde und Wolf durch einen bestimmten Fingerzeig in den Fall involviert wird. Sehr beängstigend ist auch die Liste, die die Namen sechs weiterer potentieller Opfer und ihr Todesdatum ausweist….

Wer mich kennt, kann sich denken, dass mir schon jetzt zahleiche Fragen auf den Nägeln brennen. Wieso konstruiert der Täter eine Ragdoll aus ausgerechnet sechs Opfern? Brauchte er die Körperteile bestimmter Menschen? Warum wählte er sie? Und wieso entscheidet er sich für das Mittel einer Lumpenpuppe, um auf was auch immer aufmerksam zu machen? Er hätte die Menschen doch ohne spektakuläre Drapierung töten und die Polizei finden lassen können. Was geschieht mit den Opfern der zweiten Liste? Wird er sie ebenfalls zu einer Ragdoll zusammenflicken?
Nicht zuletzt fragte ich mich, was diese explizite Einbindung Wolfs mit der Angelegenheit zu tun hat.

Ein Hinweis findet sich möglicherweise im interessanten und spannenden Prolog, in dem der länger zurückliegende Vorfall geschildert wird, der zur Suspendierung des Detectives führte.
Einen anderen Hinweis könnten die in die chronologisch erzählte Geschichte eingebauten Rückblicke in Wolfs Zeit in der Psychiatrie bergen. Bis zur Auflösung der Täterschaft muss sich der Leser jedoch bis kurz vor Schluss gedulden und kann sich bis dahin lediglich vagen Mutmaßungen hingeben.

Nachdem die Ragdoll und die Liste gefunden wurden, beginnt das Ermittlerteam mit Hochdruck nach Hinweisen zu suchen. Wer sind die Toten, wer die potentiellen neuen Opfer und vor allem, was oder wer ist der Schlüssel zu allem? Da beim gruseligen Fund Wolf subtil in den Fokus gerückt wurde, könnte er es sein – aber das hält wohl niemand wirklich für möglich, und schon bald schält sich eine andere Person als Bindeglied heraus, woraufhin die Ermittlungen gezielter ausgerichtet werden können.

Neben der Polizeiarbeit spielt auch das Beziehungsgeflecht der Teammitglieder untereinander eine nicht unerhebliche Rolle. Auch das Private erhält hin und wieder Raum. Vor allem Wolfs Exfrau, eine übereifrige Journalistin, die über Leichen geht – im wahrsten Sinne des Wortes – und anschließenden von ihrem schlechten Gewissen gequält wird, spielt eine Rolle.

Die Charaktere sind klischeereich, unsympathsich und eher grob gezeichnet. Man erfährt zwar, wie sie ticken, erhält diese Informationen aber eher auf der Handlungs- als auf der emotionalen Ebene. Einblicke in die Gedanken der Beteiligten bekommt man selten, was ich sehr schade finde. Leider wird auch der Täter nicht intensiv beleuchtet. Ich hätte es sehr interessant gefunden, wenn der Autor ihm größere Passagen gewidmet hätte, einfach um ihn besser kennenzulernen und nachvollziehen zu können, was ihn zu seinem Tun treibt und warum er exakt diese Umsetzung wählt. Das alles hielt mich ziemlich auf Distanz zum Gelesenen und ließ bei mir keine wirkliche Spannung aufkommen. Eine kontraproduktive Wirkung hatte auch die häufig unfähig wirkende Art und Weise einiger Ermittler, ihren Job zu tun.

Wer einen eher rauen Erzählton und einen rasanten Plot, ein action- und temporeiches Gechehen mit teils groben Wenden und Überraschungen mag und über die ein oder andere logische Schwäche hinwegsieht, wird hier ganz gut bedient. Wer aber alles bis ins kleinste Detail aufgelöst mag und alles nachvollziehbar und plausibel erklärt braucht, erlebt möglicherweise die gleiche Enttäuschung wie ich. Die Grundidee hat mir sehr gut gefallen, aber bei mir sind zu viele Fragen unbeantwortet und die Beteiligten teilweise zu blass und oberflächlich geblieben. Zudem fußten die Tötungserfolge des Täters auf zu vielen Zufällen – Dinge, die mir zu konstruiert und gewollt passend gemacht wurden. Dinge, die im Grunde genommen häufig der Logik entbehrten, und bei denen es keinerlei Erklärung gab, warum die Umsetzung trotzdem so komplikationslos gelang.

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Buchstapelweise
Die Tipperin
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Inhalt
Der umstrittene Detective William Oliver Layton-Fawkes, genannt Wolf, ist nach seiner Suspendierung wieder in den Dienst bei der Londoner Polizei zurückgekehrt. Wolf ist einer der besten Mordermittler weit und breit. Er dachte eigentlich, er hätte schon alles gesehen. Bis er zu einem grausigen Fund gerufen wird. Sechs Körperteile von sechs Opfern sind zusammengenäht zu einer Art Lumpenpuppe, einer »Ragdoll«. Gleichzeitig erhält Wolfs Exfrau eine Liste, auf der sechs weitere Morde mit genauem Todeszeitpunkt angekündigt werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, doch der Ragdoll-Mörder ist der Polizei immer einen Schritt voraus. Und der letzte Name auf der Liste lautet: Detective William Oliver Layton-Fawkes …

Autor
Daniel Cole wurde 1983 geboren. Er hat bisher als Sanitäter, Tierschützer und für die britische Seenotrettung gearbeitet. Sein Drang, Menschen zu retten, entspringt möglicherweise dem schlechten Gewissen wegen der großen Zahl der Figuren, die er beim Schreiben umbringt. Er lebt im sonnigen Bournemouth in Südengland und ist meist am Strand anzutreffen, obwohl er eigentlich an seinem nächsten Buch schreiben sollte. Sein Debüt »Ragdoll« erscheint in 34 Ländern, die Verfilmung ist in Vorbereitung.
Quelle: Ullstein Buchverlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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4 Antworten zu *+* Daniel Cole: „Ragdoll“ *+*

  1. nilibine70 schreibt:

    Wir hatten ja schon festgestellt, dass wir da ganz anderer Meinung sind 🙂 Aber wäre ja auch wirklich langweilig, wenn alle immer das gleiche sagen 🙂

  2. Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

    Hach wie schade, ich fand das Buch wirklich super und habe es sehr gern gelesen! Ich finde zwar nicht das es einen Folgeband braucht, bin aber dennoch gespannt und werde diesen lesen 😉

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