*+* Detlef Bluhm: „Katzenspuren“ *+*

Seit vor fast acht Jahren zwei Katzen unsere Familie ergänzten, bin ich zunehmend ein Freund dieser zauberhaften Samtpfoten geworden.
Als ich dieses Buch entdeckte, das einen interessanten, umfangreichen und abwechslungsreichen Inhalt versprach, beschloss ich, es zu lesen. Vielleicht hat auch der rote Kater, der einer jüngeren Ausgabe unseres Stubentigers gleicht, den entscheidenden Ausschlag gegeben 😉

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Das Buch beginnt mit der „historischen Katze“. Hier bekommt der Leser umfassende Hintergrundinformationen zur Entwicklung des Tiers im Orient und Okzident. Nicht überall war die Katze zu jeder Zeit willkommen. Sie wurde verehrt und vergöttert, geliebt, gehasst und sogar verflucht – jedoch sind diese Zeiten zum Glück längst vorbei. Die Chronologie auf dem Weg der Katze von früher zur Katze von heute ist dem Autor gut gelungen.

Danach scheint er jedoch die rosarote Samtpfoten-Brille aufgesetzt zu haben, denn die anderen Inhalte des Buches sind deutlich anders fokussiert als ich vermutet hatte. Sehr ausführlich werden beispielsweise Katzen in Literatur, Malerei, Musik, in der Philosophie und vielem mehr behandelt, auch die Rolle, die sie als autorenbegleitende Inspirationsquelle häufig gespielt hat und es auch noch tut. Das ist ja ganz nett und hätte in kurzen Einwürfen für eine schöne Auflockerung gesorgt. Jedoch wirken die Inhalte in diesem Ausmaß etwas zu viel des Guten, zudem geben sie dem Buch dadurch einen antiquirierten und verstaubten Touch. Für die heutige Situation des Tieres sind sie eher belanglos. Auch das sich seitenlange Auslassen in Zitaten und Sprichworten rund um die Katze bringen nicht das versprochene spannende Lesevergnügen.

Der Autor trägt auch bei den anderen Themen (Die inspirierende, erstaunliche, wundersame, autonome, überlegene, reisende, berufstätige, vergängliche Katze) einiges an Wissen zusammen, überzeugt dabei aber nicht immer. Zudem stellt er viele theoretische Überlegungen und Mutmaßungen an, die oft der Empirie entbehren. Jedenfalls lassen sich unsere Katzen in vielen Punkten nicht in das Erklärschema des Autors pressen.

Detlef Bluhm verbindet Wissenstheorie mit modernen Erkenntnissen und der Erfahrung, die er mit eigenen Tieren gemacht hat. Dabei wird aus den „Katzenspuren“ mehr ein ausschweifendes, romanesques Buch, das von Thema zu Thema springt als ein fundiertes Sachbuch. Die Infodichte schwankt von sehr dicht bis sehr dünn, der Schreibstil von informierend bis hin zu unterhaltsam, wenn der Autor recht ausholend und ausschweifend wird, was häufig geschieht. Sehr irritiert hat mich die Verwendung der alten Rechtschreibung, was den Roman für mein Empfinden zusätzlich in eine altmodische Ecke drängt.

„Katzenspuren“ ist ein bunter Mix vieler interessanter Themen rund um die Samtpfoten, der mich in seiner Umsetzung leider häufig nicht überzeugen konnte – aber die Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.

Inhalt
Ein Siegeszug auf Samtpfoten: Katzen erobern unser Herz – und das schon seit über 4000 Jahren. Mit Augenzwinkern und viel Humor führt uns Katzenexperte Detlef Bluhm durch die Geschichte der Katze und sammelt, was man über unser Lieblingshaustier wissen muss: Vergnügliches, Spannendes und Verblüffendes.
So hat er möglicherweise nicht alle, aber einige der Rätsel rund um die Katze gelöst, denn er hat in dieser umfangreichen Katzen-Kulturgeschichte das gesammelte Wissen der heutigen Zeit zusammengetragen. Mit Spannung folgen wir den Sprüngen der Katze durch die Weltgeschichte, erfahren von ihrer besonderen Nähe zu Kunst und Literatur und begleiten sie unter anderem auch bei ihren beruflichen Tätigkeiten. Wie ein roter Faden zieht sich die besondere Verbindung zwischen Katzen und Schriftstellern und anderen Künstlern durch dieses Buch. Aber auch zu ernsten Themen wie dem Umgang mit dem Tod des schnurrhaarigen Gefährten gibt Detlef Bluhms großartiges Katzenbuch wertvollen Rat.
Man kann mit diesem Buch alles Mögliche anfangen – es durchlesen, etwas nachschlagen, klug werden, es verschenken. Sich langweilen allerdings nicht.

Autor
Detlef Bluhm (1954 in Berlin geboren) arbeitete schon während des Studiums im Buchhandel. Nach einer zehnjährigen Tätigkeit als Buchhändler war Bluhm freier Handelsvertreter sowie Mitbegründer und -inhaber eines kleinen Verlages. Neben der Publikation zahlreicher Bücher war Bluhm lange Jahre Geschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Berlin-Brandenburg. Seit 1975 lebt der Autor mit Katzen zusammen, über die er elf Bücher veröffentlicht hat, welche in mehrere Sprachen übersetzt
Quelle: Thiele Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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