*+* Björn Bicker: „Was glaubt ihr denn“ *+*

München ist bunt, es finden sich dort fast alle Farben dieser Welt.
Wie diese Farben harmonieren, welche Muster sie bilden, ob sie im Einklang miteinander sind oder ein nicht so harmonisches Bild erzeugen – davon berichtet Björn Bicker in diesem vielschichtigen Buch. Der Text entstand im Rahmen des Theaterprojekts „Urban Prayers“ und widmet sich dem Phänomen der „religiösen Megacity“, denn hier wie in vielen anderen Ballungsgebieten Deutschlands findet man fast alle Glaubensgemeinschaften.

Nicht nur zum Thema Glauben hat der Autor das Stimmungsbild der bunten Bevölkerung in lebendigen Farben gemalt.
Die verschiedenen Gruppen äußern sich ebenfalls über ihr soziales und politisches Umfeld, alles, was mittelbar und unmittelbar mit ihrem Leben zu tun hat. Über alles, was sie beschäftigt, bewegt und sie sich wundern lässt.

Björn Bicker fasst die verschiedenen Aussagen, Stimmungen, Überzeugungen und Wünsche nicht in einem Fließtext zusammen, sondern setzt die Themenvielfalt viel lebendiger und näher um. Er wählt die Erzählform des Chors. So entsteht ein Lesegefühl wie mittendrin, man hat das Gefühl, die verschiedenen Stimmen zu hören – tönt es doch aus jeder Ecke anders. Ich war hin und wieder geneigt, den Kopf zu drehen, zu schauen, von wem die verschiedenen Einwürfe denn kämen, und wurde automatisch in die Konflikte verwickelt.

„Mein Weg ist der richtige.
Ich habe kein Problem damit, wenn dein Weg auch der richtige ist.“

Der Autor widmet sich in seinem Werk dem Multi-Kulti der heutigen Zeit, dem Miteinander, dem Gegeneinander, den gleichen Wünschen und unterschiedlichen Wegen zum Ziel, dem erhofften Leben in Frieden und relativem Wohlstand.
Björn Bicker hat intensive Studien der Münchener Religionsvielfalt und säkularen Mehrheitsgesellschaft betrieben. Aus Gesprächen und Verhaltensstudien erschuf Björn Bicker seine literarische, bunte Collage, deren Worte authentisch und tiefsinnig wirken.
Eindringlich und intensiv konfrontieren sie ihre Leserschaft mit den anderen, die eigentlich doch ebenso gleich sind wie wir. Ob sie ein Kreuz um den Hals tragen, ein Kopftuch, Turban, einen Punkt auf der Stirn – oder kein äußeres erkennbares Religionsmerkmal haben.
Ob sie in der Kirche beten, im Tempel, in der Moschee, in einem abgelegenen, leerstehenden Supermarkt – oder nirgendwo.
Sie alle möchten Freiheit und Frieden. Dumm nur, dass nicht nur zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen, sondern auch innerhalb der Gemeinschaften nicht immer Einigkeit herrscht…
Was ist die Lösung? Wie können wir miteinander statt gegeneinander umgehen?

„Warum gibt es eigentlich so viele Traditionen.
Warum gibt es eigentlich so viele Widersprüche.
Wir wollen doch alle das Gleiche.“

Christen, Moslems, Hindus, Sikhs, Budhisten, und viele Gruppen mehr bilden den erzählten Glaubensteppich. Das Muster, das sie mit ihren Meinungen, Diskussionen, Einwürfen und Widersprüchen bilden, folgt keinem Gesetz und keiner Regel. Man ist sich halt in so vielen Dingen uneins, obwohl man eigentlich ja doch das Gleiche möchte.
Ob es eine gemeinschaftliche Lösung für unsere Multi-Kulti-Gesellschaft geben wird, lässt der Autor offen. Aber eins ist klar. Nur, wenn wir miteinander statt übereinander reden, können wir zum friedlichen Ziel kommen.

„Wir müssen reden. Reden. Das ist das Einzige, was hilft. Aber dazu müssen wir uns zuhören.“

Zwischen die einzelnen Hauptthemen der einzelnen Kapitel hat der Autor fünf kleine Fortsetzungsgeschichten eingeflochten, die einige der mittelbar und unmittelbar Involvierten etwas intensiver zu Wort kommen lassen. Zudem ergänzen zahlreiche Schwarz-Weiß-Bilder von Andrea Huber die Kapitelwechsel.

Nachdem der Chor der Gläubigen und Ungläubigen nach einem vielfältigen Gedanken- und Meinungsaustausch verstummt, kommt der Autor zu Wort. Im Epilog erzählt er von der Entstehungsgeschichte des Buches und legt zudem dar, welche positive Funktion das Theater mit seiner Art der Darstellung haben kann.

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Inhalt
Es spricht der Chor der gläubigen Bürger. Doch kaum fängt einer an zu reden, da fällt ihm der andere schon ins Wort. Der Chor findet keine gemeinsame Sprache und doch ist es ein Chor, der ein Gegenüber kennt: die Ungläubigen. Globalisierung, Migration und der gleichzeitige Verlust religiöser Bindungen haben aus unseren Städten Orte der Vielfalt gemacht, religiöse Megacities. Aber was glauben die Menschen? Glauben sie, dass ihr Glaube Privatsache ist? Glauben die Menschen, dass ihr Glaube politisch ist? Glauben sie an die Freiheit der Andersdenkenden, an eine bessere Welt? Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt? Welche Erwartungen haben die Gläubigen an Demokratie und Rechtsstaat?
Es erzählen die gläubigen und ungläubigen Bürger der Städte – der Bruder, der Sozialarbeiter, der DHL-Bote, die Lehrerin, die Journalistin. Sie erzählen Leilas Geschichte. Doch kaum endet die Erzählung des einen, beginnt die der anderen. Das soziale Leben findet eine gemeinsame Sprache – es geht um renitente Jugendliche, um soziales Engagement, um Einwanderung, um Heimat, um falsche und echte Bilder und den Traum vom wahren Leben. Was glauben die Menschen politisch? Lassen sie den anderen ihre Freiheit? Arbeiten sie für eine bessere Welt? Wie beeinflussen sie das soziale und politische Leben der Stadt?
Aus einer langen Recherche im religiösen Leben unserer Städte ist ein Text entstanden, der für die vielen Stimmen der Wirklichkeit einen analytischen wie poetischen Resonanzraum schafft.

Autor
Björn Bicker wurde 1972 geboren und studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Allgemeine Rhetorik in Tübingen und Wien. Danach arbeitete er am Wiener Burgtheater. Von 2001 bis 2009 war er als Dramaturg an den Münchner Kammerspielen engagiert. Seit 2009 arbeitet er als freier Autor, Künstler und Kurator. Er schreibt Prosa, Theaterstücke, Hörspiele und Essays und hat viel beachtete theatrale Stadtprojekte auf der Grenze zwischen künstlerischer und politischer Praxis entwickelt, die sich mit Gegenwart und Zukunft der europäischen Einwanderungsgesellschaft beschäftigen. Im Verlag Antje Kunstmann erschien 2009 sein Buch ILLEGAL. Wir sind viele, wir sind da und 2013 sein Roman WAS WIR ERBEN. Er lebt in München.
Quelle: Verlag Antje Kunstmann

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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