*+* Catherine Shepherd: „Engelsschlaf“ *+*

Ist es nicht ein gruseliger Gedanke, bei lebendigem Leib begraben zu werden?
Hier wäre es fast passiert. Nach einer etwas übereilten Ausstellung des Totenscheins werden bei der forensischen Untersuchung jedoch schwache Vitalfunktionen bei einer leblos wirkenden Frau festgestellt, die nach einem merkwürdigen Notruf in einem Park aufgefunden wurde – fast schon liebevoll auf eine Bank gebettet. Nicht nur die Gedanken der ermittelnden Polizisten gehen zentrifugale Wege, auch meine eigenen.

Warum wird eine Frau in diesem Zustand derart drapiert, warum ein Notruf abgesetzt? Wenn der Täter nicht will, dass sie stirbt, warum bringt er sie dann erst in diese Lage? Welchen Sinn hat die starke Sedierung, sodass die Gefahr besteht, das Opfer fälschlicherweise für tot zu erklären, sodass es tatsächlich stirbt? Nicht nur an dieser Stelle rieselte es mir immer wieder kalt den Rücken herunter. Denn die Frau sollte längst nicht das einzige Opfer bleiben.

Laura Kern und ihre Mannschaft – allen voran ihr Teampartner Max sowie ihr Freund Taylor – ermitteln auf Hochtouren.
Da es kurz hintereinander mehrere Opfer nach dem selben Schema gibt, ist es schnell möglich, Parallelen und Schnittpunkte, die die aufgefundenen Frauen betrifft, zu suchen. Mit jedem neuen Fall kommen neue Verdächtige ins Spiel. Nicht jede Spur erweist sich als belastbar. Und nicht jede belastbare Spur führt zum Ziel. Die Dinge spitzen sich zu, denn der Täter macht einen Fehler, den Laura Kern in ihrer Extremsituation – der Chef sitzt ihr im Nacken und will schnellstmöglich die Fälle ad acta legen – nicht richtig zu deuten weiß. Sie ist sich so sicher, auf der richtigen Fährte zu sein, bis sie ihren Irrtum erkennt und es ihr plötzlich wie Schuppen von den Augen fällt.

Auch als Leser findet man langsam aber sicher aus dem inneren undurchsichtigen Labyrinth heraus.
Denn in die beiden Handlungsstränge der Gegenwart – wir springen zwischen dem Täter und den polizeilichen Ermittlungen hin und her – hat Catherine Shepherd einen dritten Erzählfaden eingeflochten, der sich, vor sechsundzwanzig Jahren beginnend, chronologisch in die aktuellen Geschehnisse hineinwebt. Er las sich wirklich interessant, jedoch sah ich sehr lange Zeit beim besten Willen keinen Zusammenhang zu den aktuellen Verbrechen – bis das Schicksal einmal zu oft zugeschlagen hat. Von da an fallen die Puzzleteile zunehmend an ihren Platz, und dennoch konnte ich nicht glauben, was ich da las. Makaber, surreal und dennoch plausibel erschienen jedoch im Nachhinein die Taten. Und nicht nur das, auch die seltsame Drapierung und das liebevoll anmutende Betten der betroffenen Frauen sowie die Tatsache, dass sie zwar stark sediert, aber dennoch lebend und wohlauf aufgefunden werden konnten, wird glaubhaft dargelegt.

Neben der interessanten Gestaltung des Plots und seiner ausgewogenen inhaltlichen Füllung, der Mischung aus dienstlich und privat, aus Vergangenheit und Gegenwart, sowie dem Wechselspiel zwischen Spannung und Entspannung, gefiel mir die Ausarbeitung der Charaktere und ihre Beziehungen untereinander sehr gut.
Die ungeduldige, Alleingängen nicht abgeneigte Laura Kern mit ihrem mir nahegehenden Erlebnis in der Kindheit, ihr Teampartner Max und seine Probleme als frischgebackener Zweifachvater sowie Taylor, Lauras Freund mit zwielichtigem Ruf, haben neben dem Täter den größten Raum bekommen. Diesen hat die Autorin in seiner Entwicklung authentisch gezeichnet. Das ist ihr so gut gelungen, dass ich am Ende des Thrillers mit viel Mitgefühl und Kümmernis auf ihn geblickt habe, was aber keinesfalls die Schwere seiner Taten mindert!
Auch den Opfern, deren Dunstkreisen sowie der Vielzahl an Verdächtigen wird sich ausreichend gewidmet, sodass „Engelsschlaf“ duchweg sehr lebendig wirkt. Der Spannungsbogen ist klug aufgebaut, zudem enthält die Geschichte einige falsche Fährten, denen nicht nur die Polizei gerne gefolgt ist….

Der zweite Fall aus der Reihe um Laura Kern konnte mich ebenso begeistern wie der Auftakt-Thriller „Krähenmutter“. Der flüssige Stil mit seinen abwechslungsreichen Sprüngen zwischen den Ermittlungen, dem Täter sowie dessen Entwicklung, den gut ausgearbeiteten Charakteren, einem Motiv, das lange nicht zu greifen war, sowie die saubere Auflösung dieses Gordischen Knotens haben mir kurzweilige und spannende Lesestunden beschert.

Inhalt
Die Nacht ist kalt in Berlin. Auf einer Parkbank liegt eine junge Frau, liebevoll auf ein Kissen gebettet. Sie atmet nicht mehr. Doch gerade als Polizei und Ärzte den Totenschein ausstellen wollen, erwacht sie plötzlich zum Leben. Alle sind erleichtert, aber Ermittlerin Laura Kern ahnt: Der Entführer wird erneut zuschlagen. Und sie hat Recht. Ein Opfer kann nur noch tot geborgen werden. Die Lage spitzt sich zu, denn eine weitere Frau wird vermisst. Erst viel zu spät erkennt Laura, dass sie ein winziges Detail übersehen hat – und dass sie sich einem Täter gegenübersieht, der glaubt, den Tod besiegen zu können.

Autorin
Catherine Shepherd, geboren 1972, stammt ursprünglich aus Berlin und lebt heute mit ihrer Familie in Zons am Rhein. Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend bei einer großen Bank. Doch ihre Leidenschaft für Kreativität und Phantasie trat immer stärker hervor, bis sie eines Tages zum Stift griff und ihren ersten Thriller schrieb. Seitdem hat sie schon eine Million Leser mit ihren Büchern begeistert. atherine Shepherd, geboren 1972, stammt ursprünglich aus Berlin und lebt heute mit ihrer Familie in Zons am Rhein. Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften und arbeitete anschließend bei einer großen Bank. Doch ihre Leidenschaft für Kreativität und Phantasie trat immer stärker hervor, bis sie eines Tages zum Stift griff und ihren ersten Thriller schrieb. Seitdem hat sie schon eine Million Leser mit ihren Büchern begeistert.
Quelle: Lovelybooks

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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