*+* Ben Aaronovitch: „Der Galgen von Tyburn“ *+*

Meistens klappt bei mir der Seiteneinstieg bei Buchreihen richtig gut – meistens, nicht immer.
Schon lange bin ich immer wieder um die Bücher von Ben Aaronovitch herumgeschlichen. Die Rückentexte, aber vor allem die Cover sprachen mich sehr an. Als ich diesen sechsten Teil in der Vorschau gesehen habe, wusste ich, dass es jetzt endlich Zeit für ein Buch des Autors war.

Die Wahl der Reihe war nicht verkehrt, die des Bandes schon. Worum es ging, war mir klar, denn der rote Faden schlängelte sich einem Fluss gleich erkennbar durch den gesamten Roman. An seinen ruhigen Phasen konnte ich mich auch gut in das Geschehen hineinfinden und es stellte sich ein temporärer Lesegenuss ein. An den Stromschnellen, die der Fluss passierte, verlor ich jedoch immer wieder ganz schnell die Kontrolle über mein Leseboot und kenterte ganz fürchterlich. Wer die vorherigen Bücher der Reihe nicht gelesen hat und keinerlei Vorkenntnisse über die skurrile Welt, in der Peter Grant ermittelt, hat, fragt sich vermutlich so wie ich häufig nach dem Sinn und der Bedeutung einiger Passagen, respektive der verwendeten Begriffe, und versteht so möglicherweise weder die Zusammenhänge noch sind die Folgen des Gelesenen abschätzbar, was den Lesespaß ziemlich trübt. Da der Autor während seines Romans nicht wie viele seiner Kollegen immer wieder erklärende Spots im Hinblick auf die Hintergründe einwirft oder in vorherigen Bänden bereits Geschehenes geschickt in die Geschichte einbaut, wäre eine kleine „Legende“ zu Beginn der Romane sehr begrüßenswert – eine Übersicht des Stamm-Ensembles, eine Erklärung der (magischen) Begrifflichkeiten, eine allgemeine Erläuterung zur ganz speziellen Welt mitsamt seiner Fluss-Magie. Dann könnten Seiteneinsteiger gleich in viel sichereren Gefilden navigieren.

Davon abgesehen, dass sich bei mir in vielen Szenen mehr Fragen aufbauten als beantwortet wurden, und ich somit definitiv nicht in den vollen Lesegenuss kommen konnte, gefiel mir die Grundidee des Buchs ganz gut.
Die Hauptperson ist Peter Grant, ein verschroben wirkender Police Constable. Der Leser nimmt nicht nur an seinen Ermittlungen, sondern auch an seinen umfassenden Gedankengängen zu allem und jedem teil, was mich manchmal schmunzeln ließ. Stellenweise wirkte er fast wie eine Persiflage auf einen Top-Ermittler, was aber gut zur skurillen, abgefahrenen Grundstimmung der Erzählwelt passt.

Peter schuldet Lady Ty noch einen Gefallen – und der hat es in sich! Logisch, dass die Realisierung nicht vonstatten gehen kann, ohne dass Peter ein paar Federn lassen muss. Tys Tochter ist in einen verrückten Fall involviert und der wird mit der Zeit immer verworrener. Ging es zunächst um eine Drogentote bei einer illegalen, heimlichen Party in den High-Society-Räumlichkeiten der Gegend, rückt der Fokus plötzlich auf ein heiß begehrtes Buch, das vor langer Zeit verschwunden war. Die Bedeutung der Lektüre wird im Verlauf des Romans deutlich, zudem gibt es mehr als einen Interessenten dafür, was zu einigen turbulenten Pasagen führt.
Alle Aspekte zusammen genommen habe ich diesen Fall als ziemlich verworren, aber dennoch verfolgbar, empfunden. Es tauchen immer wieder neue Figuren, Verbindungen, Querbeziehungen auf, deren gesamte Bedeutung mir aber leider zum größten Teil verborgen blieben, da ich wie schon erwähnt das Geflecht an Hintergründen nicht kenne.

Generell gefällt mir die Vermischung aus „Magie und normal“ sehr gut, was immer wieder für kurzweilige Überraschungsaktionen sorgte und keine Leselangeweile aufkommen ließ. Der Fall mit allen seinen Ausläufern steht zwar im Mittelpunkt, wird aber von vielen ausführlichen Seitenwegen ergänzt, die immer wieder auf die Besonderheiten des magischen Londons Bezug nehmen. Bei Kennern der Reihe kann dieser Band sein volles Potential ausschöpfen. Lesern, die Peter Grant noch nicht kennen, empfehle ich, diese Reihe chronologisch zu lesen, um in den vollen Lesegenuss zu kommen.

Inhalt
In seinem sechsten Fall muss der fabelhafte Peter Grant
– ein verschollenes altes Buch wiederfinden
– einen verdächtigen Todesfall auf einer Party der Reichen und Schönen Londons aufklären
– versuchen, es sich dabei nicht völlig mit Lady Ty zu verderben
– vermeiden, vom Gesichtslosen ins Jenseits befördert zu werden
– sich mit einem ganzen Haufen rauflustiger Amerikaner herumschlagen, die definitiv zu viel ›24‹ gesehen haben.
Kurz: Peter bekommt die einzigartige Gelegenheit, es sich mit alten Freunden zu verderben und sich dabei jede Menge neue Feinde zu machen. Mal vorausgesetzt, er überlebt die kommende Woche.

Autor
Ben Aaronovitch wurde in London geboren und lebt auch heute noch dort. Wenn er gerade keine Romane oder Fernsehdrehbücher schreibt (er hat u. a. Drehbücher zu der englischen TV-Kultserie ‚Doctor Who‘ verfasst), arbeitet er als Buchhändler. Seine Fantasy-Reihe um den Londoner Polizisten Peter Grant mit übersinnlichen Kräften eroberte die internationalen Bestsellerlisten im Sturm.
Quelle: dtv

 

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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8 Antworten zu *+* Ben Aaronovitch: „Der Galgen von Tyburn“ *+*

  1. fraggle schreibt:

    Ich habe zwar mit „Die Flüsse von London“ den ersten Teil gelesen, aber auch da habe ich mich nach dem Sinn und der Bedeutung einzelner Passagen gefragt. ;-)

    Irgendwie stand die gesamte Lektüre unter der letztlich unbeantwortet gebliebenen Frage: „Was will mir der Autor eigentlich damit sagen?“ Daher war die Reihe für mich nach Teil 1 auch schon wieder beendet.

    • irveliest schreibt:

      Phasenweise fand ich das Buch schon sehr einnehmend, aber zu oft hing ich in der Luft – und hätte eigentlich damit gerechnet, dass es vor allem im ersten Teil nicht so ist. ;-)
      Liebe Grüße….

  2. Janna | KeJas-BlogBuch schreibt:

    Ich liebäugle auch immer wieder mit dieser Reihe, meine Ma ist ein riesen Fan der Hörbücher! Ich steige auch ab und wann quer in Reihen ein – finde es aber eig. grundlegend gut (wenn man diese von Beginn an liest) wenn nicht immer wieder alles nochmals benannt wird. Aber du hast recht: eine Legende wäre eine optimale Lösung.
    Mal sehen ob Band irgendwann mal zwischen meinen fingern sein wird…

    Hab noch einen feinen Abend!

    • irveliest schreibt:

      Man kennt das ja….immer diese Bücher – und zack schmuggeln sie sich wirklich in die Hand! Falls du es wirklich liest, wäre es interessant zu wissen, wie dir das Buch gefällt. Ich habe jetzt so einiges an Reaktionen auf meine Rezi bekommen. Es gibt die beiden Fraktionen „Total begeistert“ und „Was ist das denn??“ ;-)
      Danke, den feinen Abend wünsche ich dir auch :-)
      Liebe Grüße, Heike

  3. tatjana.k schreibt:

    Ich habe die Peter Grant-Reihe von Anfang an gelesen und warte sehnsuechtig auf den naechsten Band. Man muss diese Reihe tatsaechlich in der richtigen Reihenfolge lesen. Ein Quereinstieg ist schwer. Wenn man die alten Gebaeude in London und Umgebung kennt, kann man sich einige Teile der Geschichten schon gut vorstellen. Alte Gebaeude und lange Fluesse haben halt Geschichten… :)

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