*+* Irve fragt…. Ivo Pala *+*

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Lieber Ivo,

vor zwei Jahren hatte ich schonmal das Vergnügen, dich interviewen zu dürfen. Umso mehr freut es mich, dass du dich erneut meinen Fragen für die Rubrik „Irve fragt…“ stellen möchtest! Wer unser erstes Interview noch nicht kennt, oder noch einmal hineinlesen mag, sehr gerne (Link)!

War es schon immer dein Traum, Autor zu werden? Dein beruflicher Werdegang begann ja recht unliterarisch, wenn man das mal so ausdrücken darf. Du hast im Hotelgewerbe eine Ausbildung absolviert, später VWL studiert und warst im Vertrieb und Marketing verschiedener Unternehmen tätig. Wann – und durch welche Umstände – kam der Sprung zum Schreiben?
Von außen betrachtet mag es tatsächlich so wirken, dass mein beruflicher Werdegang unliterarisch begann; Das liegt ziemlich sicher daran, dass meine ersten Kurzgeschichten im zarten Alter von achtzehn Jahren allesamt unter geschlossenen Pseudonymen veröffentlicht wurden. Auch schon damals trug ich mich mit dem Gedanken, einen Roman zu schreiben und habe zwei Jahre lang fleißig daran gearbeitet. Das Projekt hatte den Arbeitstitel „Kinder des Feuers“. Darin ging es um eine Gruppe Unsterblicher, die unerkannt unter uns leben und einen heimlichen Krieg gegeneinander führten. Dann kam der Film „Highlander“ in die Kinos. Der war meiner eigenen Idee so ähnlich, dass ich die Arbeit daran aufgegeben und einen ganzen Umzugskarton Skizzen und Notizen in einer recht dramatischen (aus heutiger Sicht sicherlich viel zu dramatischen und überhasteten) Aktion dem Feuer anvertraut habe – und mit den Notizen zusammen auch meinen Traum, Schriftsteller zu werden. Ich war damals einfach davon überzeugt, dass das Risiko, so viel Zeit in ein Projekt zu investieren, ohne jemals sicher sein zu können, dass einem nicht doch jemand zuvor kommt, zu groß ist, um aus dem Schreiben einen echten Beruf zu machen, von dem man auch leben kann. Aus Gründen der finanziellen Sicherheit heraus habe ich mich daher zunächst für einen anderen Karriereweg entschieden.
Aber es ist nun mal die Natur eines Lebenstraums, dass er einen nicht loslässt, und als ich dann viele Jahre später in Berlin, Hamburg, Köln und München über meinen Beruf mit der deutschen Film und TV-Industrie in Kontakt kam, war Drehbuchautor zu werden fast schon ein ganz natürlicher Vorgang.

Wann ist der Wunsch in dir aufgekommen, dich ganz und ausschließlich auf das Autorendasein zu konzentrieren?
Hast du es je bereut?
Wie in der Frage zuvor bereits gesagt, ist das mehr oder weniger einfach so passiert, und ich würde es jederzeit wieder so machen.

Du schreibst recht vielfältig. Bist im historischen Genre ebenso zuhause wie in Thrillern mit brandheißen Themen, verzauberst aber auch beispielsweise mit dem Kinderbuch „Der Drache hinter dem Spiegel“, entführst deine Leser in diverse Fantasywelten, hast aber auch kürzlich den ersten Teil von „Fuchs und Haas“ veröffentlicht, einer Ostsee-Krimireihe. Brauchst du diese Abwechslung, um beispielsweise nach einem Thriller mit Hilfe einer Fantasy-Geschichte wieder von den intensiven Inhalten runterzukommen? Wer „H2O“ und „Gift“ gelesen hat, weiß, wie umfangreich du in nicht immer angenehmen Bereichen dafür recherchieren und es in Buchform übertragen musst. Oder ist es möglicherweise zu eintönig, immer nur im selben Genre zu schreiben?
Die Vielfältigkeit hat mehrere Gründe: Zum einen schreibe ich gerne in den Genres, die ich auch selbst gerne lese. Hätte ich mehr Zeit, würde ich zweifelsfrei auch Horror, viel mehr Historie, Science-Fiction und Abenteuerromane schreiben. Außerdem würde ich zu den meisten meiner bestehenden Romane die Drehbücher schreiben. Ich schreibe einfach für mein Leben gern. Den zweiten Grund hast du bereits angesprochen: ich habe eine ganze Weile lang Fantasy und Jugend- und Kinderbücher im Wechsel mit meinen realen Thrillern geschrieben, um mich mit ihnen von der teilweise doch recht erschreckenden Recherche abzulenken. Dann kam die „Dark World Saga“, deren ersten beiden Teile „Schwarzer Horizont“ und „Schwarzer Sturm“ bei Knaur Fantasy erschienen sind. Die waren jetzt wiederum so düster und in der historischen Recherche so verstörend, dass ich eine Pause von ihnen brauchte – was letztendlich zu der Küstenkrimi-Komödie „Fuchs & Haas“ geführt hat. Unter anderem aus dem gleichen Grund arbeite ich auch gerade parallel zu meinem dritten Titel bei Knaur Fantasy an einer Jugendbuch-Reihe, deren erster Teil im Herbst 2018 erscheinen wird.
Außerdem hast du ganz sicher recht, dass es mir viel zu eintönig wäre, immer nur im selben Genre zu schreiben. Dann würde mir das Schreiben bald nur noch Arbeiten zum Lebensunterhalt sein, und dann hätte ich auch in meinem alten Beruf bleiben können.

Du hast unheimlich viele Ideen im Kopf und man spürt beim Lesen deiner Romane auch immer wieder diese Lust am Schreiben, diesen Spaß, den du beim Verfassen deiner Bücher gehabt haben musst. Ist dieser „Spaßfaktor“, dieser Unterhaltungswert, dein Hauptanliegen beim Schreiben, oder möchtest du deinen Lesern mehr vermitteln als nur gute Unterhaltung?
Wie oben schon angedeutet: Ohne diesen „Spaßfaktor“ wäre das Schreiben reine Einkommensquelle – und da wäre ich in meinem alten Beruf als Marketingleiter in der Telekommunikation, trotz des Erfolgs meiner Bücher, finanziell doch um einiges besser aufgehoben.
Außerdem ist es mir tatsächlich ein großes Anliegen, Informationen zu vermitteln, Dinge aufzudecken, Denkanstöße zu geben und meine LeserInnen zum Philosophieren anzuregen.

Wie sehr dir deine Geschichten am Herzen liegen, sieht man daran, dass du nicht nur intensive Recherchen in Archiven betreibst, sondern dich auch räumlich den Schauplätzen deiner Bücher näherst. So bist du von Berlin an die Ostseeküste gezogen, um ganz nah an der See zu sein, bevor du mit deinem Schreiben deiner „Dark World Saga“ begonnen hast. Konntest du aus diesem Ortswechsel tatsächlich mehr Authentizität für diese Geschichte ziehen als aus deiner Kreativität allein?
Absolut! Als Schriftsteller kann man natürlich viel der eigenen Fantasie entnehmen, aber am Meer zu sein, wenn man über das Meer schreibt, ist eine unbezahlbare Quelle der Inspiration.

Inspiriert von deiner neuen Wahlheimat ist dann auch die neue Serie „Fuchs und Haas“ entstanden. Auch für deren Charaktere hast du akribisch recherchiert. Dieses Mal nicht in Büchern, sondern live vor Ort. Wie genau hast du das gemacht? Deine Figuren wirken sehr lebendig und innerhalb deiner Erzählwelt sehr authentisch. Haben dich bestimmte Menschen von der Küste für die Charaktere in deinem Krimi inspiriert, entspringen sie deiner Fantasie, oder sind sie eher eine Mischung aus beidem?
Als ich an die Küste gezogen bin, habe ich zunächst an der „DARK WORLD SAGA“ gearbeitet – und parallel dazu habe ich hier oben natürlich viele Menschen kennengelernt und gesprochen. Meine Frau und sie haben mich eigentlich erst auf die Idee gebracht, auch heutzeitige Bücher über die Region zu schreiben. Sie haben mir äußerst großzügig ihre Geschichten und Anekdoten erzählt und mir mit viel Liebe zum Detail bei Ton und Stimmung geholfen. Insofern gibt es schon einige signifikante Inspirationen aus der Realität.

Für diejenigen Leser, die „Fuchs und Haas“ noch nicht kennen, darf ich nicht ins Detail gehen. Also versuche ich, etwas allgemeiner zu bleiben. Dein Kommissar ist ein eher unorthodoxer Mensch mit sehr vielen Ecken und Kanten, was bei seinen Ansichten, aber auch bei seinen Entscheidungen und Handlungen zum Tragen kommt. Ich lese viele Krimis und Thriller, aber jemand wie er ist mir noch nicht untergekommen. Wie kam es dazu, ihn so markant auszuarbeiten? Wolltest du mal etwas ganz anderes schaffen und deinen Ermittler von der Masse absetzen – ich lese viele Krimis und Thriller und habe oft das Gefühl, dass viele der entsprechenden Protagonisten nach demselben Muster gestrickt sind – oder hat sich dieser Charakter beim Schreiben (ungeplant) in diese Richtung entwickelt?
Ja, besonders Bodo Fuchs ist doch ein recht unkonventioneller Charakter. Zumindest im literarischen Sinne – dabei ist er sehr viel realistischer und authentischer als viele der „Kommissar-Schablonen“, die man so kennt. Das war mir ein Anliegen; Auch wenn mir durchaus bewusst war, dass es LeserInnen geben mag, die das vielleicht nicht so gut finden. Ich konnte und wollte einfach nicht anders, als ihn so zu zeichnen wie ich ihn gezeichnet habe. Ich habe mich dabei auch eher als Chronist gefühlt, weniger als Erfinder. Der Charakter war plötzlich da und hat mir vorgegeben, wie ich ihn präsentiere. Einiges an ihm und auch an seinem Handeln innerhalb des Buchs ist unbequem und für einen Teil der Leserschaft schwer verdaulich. Aber abgesehen davon, dass ich als Kunsthandwerker auch gar keine andere Wahl hatte, ihn so darzustellen, wie er sich mir präsentiert hat – unter anderem auch, weil „Weichspülen“ einfach nicht in mein Glaubens-Konzept passt -, ist mit ihm eine Figur gelungen, die einem gerade wegen ihrer authentischen Markanz lange in Erinnerung bleibt.
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Welches Verhältnis hast du zu den Figuren in deinen Büchern?
Hassliebe beschreibt es in den meisten Fällen wohl am besten. Würden sie ihre Geschichten selbst schreiben, wäre es wohl ausschließlich Liebe; Da aber ich derjenige bin, der das, was sie tun und sagen zu Papier und damit in Form zu bringen hat, bringen Sie mich, wenn ich sie ernst nehme – und anderes kann ich nicht – gern das ein oder andere Mal an den Rand der Verzweiflung.

Schreibst du deinen Plot eher sehr engmaschig und füllst ihn anschließend ein bisschen aus, oder hast du einen eher groberen Plan, der dir während des Schreibens viel Raum für spontane Entwicklungen gibt?
Das ist von Buch zu Buch völlig verschieden, liebe Heike. Und macht auch beides auf seine jeweils ganz eigene Art und Weise Spaß. Aber selbst wenn ich vorab sehr engmaschig konzipiert habe, behalte ich mir immer Raum für spontane Entwicklungen. In denen liegt einfach der größte Spaß!

Sind deine Charaktere nach dem Beenden deines Werks immer so geraten, wie du sie ursprünglich geplant hattest?
Die meisten, ja. Zumindest in der groben Ausrichtung. Die Details jedoch, die erst beim Schreiben entstehen, bringen zusätzliche Farbe ins Spiel. Am meisten Spaß aber habe ich mit Charakteren, die in der Skizze der Haupthandlung zunächst nur einen winzigen Platz eingenommen haben und sich dann mehr und mehr in den Vordergrund drängen. Die bringen richtig Speck zu den Stories. Beispiele dafür wären Maggie in „Die Lazarus-Formel“, Yrr in der „Elbenthal-Saga“, Ellie Falkenstein und die Otto in „Ihr unschuldiges Herz“ und „Bluthatz“, Lambes in der „Dark World Saga“ und natürlich das Klärchen in „Fuchs & Haas“. Letztere hat sogar einen Teil der Geschichte komplett auf den Kopf gestellt, in dem Sinne, dass eine reine Krimi-Handlung sehr viel mehr zu einer Erzählung über den Ermittler Bodo Fuchs wurde.

Du hast bereits zwei Teile der schon erwähnten Dark World Saga veröffentlicht, schreibst jetzt am finalen Band. Im Frühling ist der erste Teil der angesprochenen Reihe „Fuchs und Haas“ erschienen. Kommt man da nicht schnell durcheinander? Zumal dies vermutlich nicht die einzigen Bücher sind, mit denen du derzeit beschäftigt bist. Wie hältst du diese verschiedenen Projekte auseinander?
Nein, die Stoffe sind so unterschiedlich, dass ich sie leicht auseinander halten kann. Vielleicht sind sie sogar so unterschiedlich, damit ich sie auseinander halten kann und sie abwechslungsreich bleiben. Ich denke, ich halte sie ähnlich auseinander wie ein Modeschöpfer seine Designs auseinanderhält oder ein Parfumeur seine Düfte, ein Winzer seine Weine, etc.

Apropos Projekte: Woran arbeitest du derzeit? Worauf können sich deine Leser demnächst freuen? Wirst du auch mal wieder etwas im Kinder- und Jugendbereich veröffentlichen? Oder einen neuen Thriller? Falls du uns etwas verraten darfst, sehr gerne!
Zurzeit arbeite ich an meinem dritten Fantasy-Titel für Knaur und an einer Jugendbuch-Reihe, von der ich aber jetzt noch nichts verraten kann und will. Der erste Teil davon erscheint im Oktober 2018 zur Frankfurter Buchmesse.

Wer jetzt neugierig geworden ist, findet noch mehr Infos zu Ivo Pala bei seinem Eintrag auf Wikipedia.
Auf dem Laufenden hält er euch dann über Facebook!

Das Copyright für die verwendeten Fotos liegt übrigens beim Autor.

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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6 Antworten zu *+* Irve fragt…. Ivo Pala *+*

  1. Liebe Heike,
    ein sehr schönes Interview! Ich finde es mir spannend und toll, wenn ein Autor in mehreren Genres unterwegs ist. Von Ivo Pala habe ich bisher leider noch nichts gelesen, aber es sprechen mich viele Bücher von ihm an, vor allem „H20“ und „Schwarzer Horizont“ möchte ich demnächst mal lesen.

    Liebe Grüße und noch einen schönen Sonntag! 🙂
    Nicole

    • irveliest schreibt:

      Liebe Nicole,
      Die Thriller sind super und ich hoffe sehr, dass bald mal wieder einer erscheint 😉
      Auch auf den finalen Teil der Dark World Saga freue ich mich…
      Liebe Lesegrüße, Heike

  2. monerl schreibt:

    Liebe Heike,
    mit großem Interesse habe ich dieses Interview gelesen! Ivo Pala ist mir natürlich schon lange ein Begriff, aber ich habe es bis heute nicht geschafft, ein Buch von ihm zu lesen, stelle ich mal wieder fest. Da ich nicht so der Jugendbuchliebhaber bin, lächelt mich gerade der Krimi „Fuchs&Haas“ an. Ich glaube, das wäre genau das Richtige für mich. Werde gleich mal recherchieren. Ich befinde mich derzeit mit „Strandfliederblüten“ von Gabriella Engelmann sowieso im Norden. Und ein Wechsel von der Nord- in die Ostssee ist kein großer Akt! 😉
    GlG vom monerl

    • irveliest schreibt:

      Liebes Monerl,
      na dann wünsche ich dir viel Spaß an Nord- und Ostsee….und ich bin sehr gespannt, wie dir „Fuchs und Haas“ gefällt, falls du es wirklich liest!
      Liebe Grüße, Heike

  3. nilibine70 schreibt:

    So ein tolles Interview wieder 🙂 Von einem ganz ganz netten Autor 🙂

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