*+* Sebastian Fitzek: „AchtNacht“ *+*

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Es ist der 08.08. und die Uhr zeigt exakt 8 Uhr und 8 Minuten an.
Stell dir vor, just in diesem Moment siehst du dein Konterfei auf einer riesigen Leinwand….
Von der AchtNacht hast du schon mal etwas gehört, so ganz nebenbei, und hast es gar nicht wirklich in dein Bewusstsein dringen lassen, denn was du da gehört hast, erscheint dir so absurd, dass es gar nicht wahr sein kann. Wie sehr du dich getäuscht hast, wird dir in genau dieser Sekunde klar. Du bist bei dieser Menschen-Jagd dabei – und du bist das Opfer!

Jeder, dem du begegnest, könnte dich töten – ohne irgendeine Strafe befürchten zu müssen, sagen die Regeln des makabren Spiels. Aber kann das stimmen? Du bist dir nicht sicher, weißt es nicht, weißt plötzlich gar nichts mehr. Du begegnest anderen Menschen, aber sie töten dich nicht. Noch etwas, das du nicht begreifst. Vor allem verstehst du nicht, wie du auf diese Liste des Abschaums kommen konntest, kannst dir beim besten Willen nicht vorstellen, wer dich so sehr hasst, dass er dich tot sehen will und dich deshalb für die Todes-Lotterie als AchtNacht-Kandidaten vorgeschlagen hat.

Aber eigentlich ist dies nicht dein größtes Problem, zumindest nicht dein einziges. Denn dein Privatleben hat gerade erst einen riesigen Sprung bekommen und du willst alles tun, dass nicht alles auseinanderreißt. Guter Rat ist teuer. Welchem Problem räumst du die höhere Priorität ein?

Sebastian Fitzek nimmt seine Leser mit auf eine Reise in die dunkelsten Ecken der menschlichen Psyche. Er schickt seine Protagonisten in ein Abenteuer, das in seinen Grundzügen an „Die Welle“ erinnert. Der Herdentrieb, der Machtdrang und die Schwarmdummheit sind dieselben geblieben, jedoch ist AchtNacht perfekt an die Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts angepasst. Dank der dunklen Seite des Internets lässt sich schnell eine Meute an geldgierigen potentiellen Schändern zusammenrotten, die aus Sensationslust auch über Leichen gehen würden. Ein Kollateralschaden ist doch nicht so schlimm, wenn man genau weiß, dass man dafür nicht belangt wird….

Aber wer hat diese Regeln eigentlich gemacht? Wer sich diese mörderische Menschenjagd ausgedacht? Wer kommt auf eine solche Idee – und warum? Diese Fragen werden im Lauf des Thrillers beantwortet. Dabei erlebt der Leser eine rasante Fahrt durch Berlin, lernt die verschiedenen Schauplätze und Charaktere kennen. Dabei habe ich mich oft verfranzt, denn der Autor hat viele raffinierte Wenden und Überraschungen in seine Geschichte eingebaut, die mich immer erfolgreich in die Irre geführt haben. Natürlich wollte ich wissen, wo die Wurzeln der AchtNacht liegen, natürlich wollte ich, dass der oder vielleicht gar die Urheber aufgespürt würden und eine gerechte Strafe bekommen – vielleicht hätte man sie dafür selbst als Freiwild aussetzen können… – und vor allem wollte ich, dass das tatsächliche Freiwild die gesamte Spielzeit unbeschadet übersteht. Für Spannung war also von der ersten bis zur letzten Seite gesorgt! Es fiel mir äußerst schwer, das Buch aus der Hand zu legen.

Die Charaktere sind großartig undurchsichtig gestaltet. Fast immer, wenn ich glaubte, ich hätte jemanden durchschaut, drehte mir Sebastian Fitzek eine lange Nase und jagte mich weiter durch die Story. Ich traute bald keinem mehr, jeder erschien mir irgendwie verdächtig. Und tatsächlich hatten wirklich mehr Figuren als gedacht schwarze Flecken auf ihrer weißen Weste oder zumindest dunkle Geheimnisse in petto. Trotz aller Verwirrung kann ich aber sagen, dass alles klar, lückenlos, logisch und überzeugend aufgelöst wird, es bleiben keine Fragen offen. Dafür gibt es einen Knaller zum Schluss…

„Die kaputten Menschen wären oft nicht so kaputt, wenn die Gesellschaft achtsam miteinander umginge.“

Aber zumindest in diesem Thriller tut sie das nicht. Im Gegenteil, sie zeigt sich von ihrer schlechteren Seite. Anstatt Herz und Verstand einzuschalten und eine abscheuliche Jagd auch als solche zu erkennen und zu boykottieren, wird sich hier aufgestachtelt und gehetzt. Ab wann werden Individuen zum gesichtslosen Mob? Wann tritt der „unstoppable point“ ein? Ab wann läuft alles unkontrollierbar aus dem Ruder?

Mit seinem aktuellen Thriller hat Sebastian Fitzek einen gar nicht so abwegigen Grundgedanken in einer rasanten Geschichte ganz nah am Puls der Zeit umgesetzt. Äußerst spannend, äußerst vielschichtig, sehr empfehlenswert – wenn man Bücher mit Anspruch und einer guten Portion Gesellschaftskritik zu schätzen weiß.

Inhalt
Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?
Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.
Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Autor
Sebastian Fitzek, geboren 1971, ist Deutschlands erfolgreichster Autor von Psychothrillern. Seit seinem Debüt „Die Therapie“(2006) ist er mit allen Romanen ganz oben auf den Bestsellerlisten zu finden. Mittlerweile werden seine Bücher in vierundzwanzig Sprachen übersetzt und sind Vorlage für internationale Kinoverfilmungen und Theateradaptionen. Als erster deutscher Autor wurde Sebastian Fitzek mit dem Europäischen Preis für Kriminalliteratur ausgezeichnet. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.
Quelle: Droemer Knaur Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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