*+* Davide Morosinotto: „Die Mississippi-Bande“ *+*

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Eddi, Te Trois, Joju und ihr Bruder Tit sind unzertrennliche Freunde.
Wann immer es möglich ist, treffen sich die vier am Fluss. Einerseits wollen sie ihren Elternhäusern entfliehen, andererseits sind sie kleine Abenteurer, die jede Chance nutzen, um etwas Spannendes zu erleben. Sie haben sich gerade erst einen Einbaum selbst geschnitzt, auf dessen Jungfernfahrt sie eine alte Blechbüchse mit drei Dollar angeln.
Drei Dollar waren damals viel Geld – die Geschichte spielt im frühen 20. Jahrhundert – und den Kindern hat es einen Heidenspaß bereitet, über die Verwendung ihres Schatzes zu beraten.
Sie sind sich einig, dass sie etwas aus einem damals allseits bekannten und sehr beliebten Versandhauskatalog erwerben wollen. Geplant, getan, jedoch geht mit der Bestellung etwas schief. Und das hat Folgen….

Ehe sie sich versehen, befinden sich unsere Helden mitten im größten Abenteuer ihres Lebens und sie brauchen viel Mut, Ausdauer und Cleverness, um an ihr Ziel zu kommen. Dass sie all das haben, beweist unser Quartett ein ums anderes Mal. Dabei ergänzen sich die Kinder ganz wunderbar. Jeder hat andere Eigenschaften, kann andere Dinge besonders gut, oder besonders schlecht – und braucht dann Unterstützung, die es ganz selbstverständlich bekommt. Eddi, Te Trois, Joju und Tit halten zusammen wie Pech und Schwefel und geben nicht auf, durchleiden so manche Durststrecke, behalten ihr Ziel aber stets vor Augen. Zum guten Schluss, am Ende des Buches, schließt sich der Kreis dieser tollen Geschichte auf ganz wunderbare Weise, und hat mich sehr berührt.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, sowohl die vier Hauptpersonen, aber auch die Nebenfiguren, die trotz ihrer oft kleinen Rollen und kurzen Auftritte immer wieder richtungsweisend für den weiteren Verlauf der Erzählung sind. Grandios gelungen ist die Atmosphäre, die das gesamte Buch ummantelt. Immer wieder dachte ich, jetzt müsse jeden Moment Tom Sawyer um die Ecke gucken, so sehr hat mich meine persönliche Lesestimmung an dessen Abenteuer erinnert.
Das Buch ist in vier größere Abschnitte gegliedert, von denen je eins von einem der vier Abenteurer erzählt wird. Die verschiedenen Perspektiven bescheren dem Abenteuer weitere Facetten, denn jeder hat andere Schwerpunkte, die er bei dieser großen Sache setzt, und eine andere Empfindsamkeit bei verschiedenen Dingen.

Der Autor schafft es, die Geschichte in bewegten und bewegenden Worten zu erzählen. Worte, die die Umgebung vor dem inneren Auge malen. Worte, die die Stimmungen der Kinder spüren lassen. Worte, die sich bei manchen Begebenheiten tief in den Leser bohren und ihn zum Nachdenken anregen. Liest man das Buch gemeinsam mit seinen Kindern, gibt es viele Ansatzpunkte für Gespräche. Denn die Freizeitgestaltung der heutigen Kindergeneration ist zumeist komplett anders und es ist für sie sicher interessant zu sehen, wie kind früher seine Freizeit ohne Handy und Co. verbracht hat, aber auch, wie es um die gesellschaftlichen Strukturen und den technischen Stand bestellt war.

„Die Mississippi-Bande“ wird für ein Lesealter ab 10 Jahren empfohlen, dem ich generell zustimme. Denn der Autor hat für die jüngeren Leser einen gutes Maß an Spannung, Abenteuer und Gewalt, die es leider damals auch gab, gefunden. Ich würde das Buch aber keineswegs als reines Kinderbuch einstufen. Für mich ist es ein wunderbarer All-Ager, an dem auch Erwachsene durchaus Freude haben können. Mir hat das Buch jedenfalls spannende, gute und zum Teil auch emotionale Unterhaltung beschert.
Auch für das Auge hat das Buch einiges zu bieten. Das Cover ist ein Traum und lädt ein, in die Geschichte hineinzublättern. Jedes Kapitel wird zudem mit einem passenden Zeitungsausschnitt eingeläutet, der zusätzliches Flair in das Buch hineinzaubert.

Inhalt
Alles begann mit dem Mord an Mr. Darsley. Oder vielleicht auch nicht. Wenn ich es mir recht überlege, begann es eigentlich ein paar Wochen zuvor. An dem Nachmittag, als wir durch die Sümpfe des Bayou paddelten, um ein paar Fische zu fangen. Was wir stattdessen fingen, war eine verbeulte Blechdose, in der drei Dollar lagen. Drei Dollar! Dafür würden wir uns etwas im Katalog bestellen. Noch ahnten wir nicht, dass wir mit dieser Bestellung das größte Abenteuer unseres Lebens auslösen würden …

Autor
Davide Morosinotto wurde 1980 in Norditalien geboren. Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte, die auf der Auswahlliste des renommierten italienischen Literaturpreises „Premio Campiello“ stand. Seitdem hat er über 30 Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, für die er zahlreiche Preise erhalten hat. Davide Morosinotto lebt als Autor, Journalist und Übersetzer in Bologna.
Quelle: Thienemann Verlag

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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5 Antworten zu *+* Davide Morosinotto: „Die Mississippi-Bande“ *+*

  1. Das klingt ganz toll. Mal sehen, ob ich mir das auch zulegen werde – ich mag ja Kinder- und Jugendbücher.

  2. Tintenhain schreibt:

    Elisabeth hat das Buch ja vorab gelesen und den Autor für das Ende gerügt. Mich hat es bisher nicht gereizt, obwohl sie es sonst auch toll fand.

    • irveliest schreibt:

      Gerade das Ende fand ich toll, denn anders hätte man das vierte Kind eigentlich gar nicht zu Wort kommen lassen können. Außerdem schließt sich so der Kreis sehr schön. Sonst wäre das Ende offen gewesen, und das mag ich nicht so gerne 😉

  3. Liebe Heike,
    eine sehr schöne Rezension, da stimme ich dir voll und ganz zu. Mir hat das Buch auch unheimlich gut gefallen und auch das Ende der Geschichte ist sehr schön gewählt. 🙂
    Liebe Grüße
    Nicole

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