*+* Yewande Omotoso: „Die Frau nebenan“ *+*

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Willkommen in Kapstadt! Wir sind zu Besuch in Katterijn, einem wohlhabenden Vorort der Stadt – genauer gesagt lernen wir zwei ältere, zänkische Damen kennen, Hortensia und Marion.

Marion studiert gerne ihre Nachbarn, sie ist schrecklich neugierig und auf Klatsch und Tratsch aus. Aber wer will es ihr verdenken? Ihr Leben war einmal bunt und aufregend, nun ist es grau und eintönig. Sie war verheiratet und hatte vier Kinder – von denen heute keines mehr etwas von ihr wissen will -, und war im Beruf sehr erfolgreich. Sie, die Architektin, stets voller Ideen, konnte ihrer Kreativität nachgeben, konnte sich aktiv ihren Ideen widmen. Heute ist sie zur Untätigkeit verdammt, und was noch schlimmer ist, Hortensia und nicht Marion selbst wohnt in ihrem „Baby“ – dem ersten Haus, das sie komplett entworfen hat und an dem sie nach wie vor hängt! Das ist bitter und erklärt vielleicht ein stückweit die Hassliebe, die seitens Marion die Verbindung zur Nachbarin befeuert.

Hortensia hingegen hat für solche Sentimentalitäten nichts übrig. Sie ist die einzige Schwarze im Viertel. Hortensia, die in ihrem ganzen Leben immer wieder diverse Wechselwirkungen durch ihre Hautfarbe erlebte, welche sie in manchen Bereichen abhärteten und stählten, hat für andererleuts Probleme nicht viel übrig. Umso erstaunlicher mutet es an, als sie Marion, deren Haus durch eine unglückliche Fügung vorübergehend unbewohnbar wird, anbietet, zu ihr zu ziehen.

Marion nimmt aus mehrerlei Gründen diese Chance wahr. Wer jetzt glaubt, dass die beiden Damen endlich zur Vernunft kommen und ihr immer wieder aufblitzendes Kriegsbeil begraben könnten, liegt falsch. Auch hier wird der skurrile, sorgsam ausbaldowerte Zickenkrieg der „Over-Eighties“ auf ebenso hohem wie traurigem Niveau weitergeführt. Hin und wieder scheint die Einsamkeit jedoch so groß zu sein, dass die Frauen sich gegenseitig ein kleines Stückchen öffnen.Trotz aller Schmunzelei, die einem die Erzählung manchmal entlockt, ist leider auch eine große Bitterkeit und Verletztheit spürbar.

Die Berichterstattung über die Kultivierung ihrer Feindfreundschaft verläuft abwechselnd. In das aktuelle Geschehen mischen sich viele Rückblicke. Die Leben der beiden Frauen ziehen im Laufe des Romans nach und nach etappenweise an ihnen vorbei, wodurch der Leser sich ein gutes Bild von den beiden Hauptcharakteren machen und sie recht gut kennenlernen kann. Der Roman bezieht sich aber nicht nur explizit auf die beiden Nachbarinnen, sondern stellt etwas abstrahiert durch diese spezielle Personifizierung des Rassenproblems die teils massiven Schwierigkeiten in vielen Bereichen der schwarzen Bevölkerung Südafrikas dar, die – blickt man auf die Wurzeln des Kontinents zurück – eigentlich die viel größeren Rechte haben müsste. Diese Kulturversprengung wird aufgegriffen, wenn immer wieder kleine geschichtliche Einschübe in den Roman eingeflochten werden.

Inhalt
Hortensia und Marion sind Nachbarinnen. Eine ist schwarz, eine weiß. Beide blicken auf beeindruckende Karrieren zurück. Beide sind seit kurzem Witwe. Ihre gegenseitige Abneigung pflegen sie mit so viel Eifer, dass man ihnen die achtzig Jahre nicht anmerkt. Aber was wissen sie wirklich voneinander? Als Marions Haus durch einen Baufehler unbewohnbar wird, muss sie vorübergehend zu Hortensia ziehen. Das zwingt die Frauen zu unwillkommener Nähe. Aus ihren temperamentvollen Gesprächen entwickelt sich eine lebhafte Debatte. Bald tauschen sie gemeinsame Erinnerungen aus. Sie haben beide harte Verluste und Ungerechtigkeiten erfahren. Oft genug waren auch ihre eigenen Entscheidungen falsch. Mit dem Mut zur Wahrheit und der Kraft der neu gewonnenen Freundschaft stellen sie sich den großen Fragen im Leben.

Autorin
Yewande Omotoso, geboren in Barbados, ist in Nigeria aufgewachsen und 1992 mit ihrer Familie nach Südafrika gezogen. Ihr Debüt Bom Boy gewann den South African Literary Award First Time Author Prize und stand auf der Short List für den South African Sunday Times Fiction Prize. Sie lebt in Johannesburg, wo sie als Architektin, Designerin und Autorin arbeitet.
Quelle: Ullstein Buchverlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Yewande Omotoso: „Die Frau nebenan“ *+*

  1. monerl schreibt:

    Liebe Heike,
    das hast du sehr schön ausgedrückt! Dieses Buch steht schon länger auf meiner Wunschliste. Hoffentlich finde ich irgendwann Zeit, auch dieses Buch zu lesen!
    GlG vom monerl

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