*+* Tetsuya Honda: „Blutroter Tod“ (Hörbuch) *+*

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Zu Beginn erleben wir das bereits vergangene, verstörende Zuhause eines Mädchens und dessen zerstörende und gleichzeitig für sie beglückende Art, mit ihrem Problem umzugehen. Spannend ist es hier nicht, eher beklemmend, grausam und ein wenig abstoßend. Das ist kein wirklich schöner Beginn, auch nicht für einen Thriller. Jedoch helfen diese Szenen im Hinterkopf, die späteren Verbrechen nachvollziehen zu können.

Mit einem Sprung in die Gegenwart widmet sich der Autor schnell dem aktuellen Fall für Reiko Himekawa – sie ist das Aushängeschild der Tokioter Mordkommission. Ein Toter wird eingewickelt in eine Plastikplane in einem Strauch eines Privatgartens gefunden. Das ist zwar grausam, aber für die Polizei längst nicht ungewöhnlich. Aber Reiko, die den sechsten Sinn für richtige Spuen zu haben scheint, spürt schnell, dass dieser Fall wohl doch aus der Reihe der „gewöhnlichen“ Verbrechen heraussticht. Und tatsächlich soll diese Leiche nicht sie einzige bleiben. Es werden weitere Tote gefunden, alle so präpariert wie der anfängliche Fund im Garten. Die Mordkommission ermittelt, fischt zunächst voller Ungereimtheiten im Trüben, bekommt aber nach und nach immer klarere Sicht und kann schließlich tatsächlich die Mordserie aufklären und weitere Taten verhindern.

Der Erzählstil ist taff, eher abweisend und distanziert, was einem unromantischen Thriller definitiv in die Karten spielt. Jedoch führte dies auch dazu, dass mir keiner der Protagonisten sympathisch wurde. Vielleicht lag es auch daran, dass die Charaktere häufig mit Klischees behaftet waren. Reiko ist beispielsweise der Star der Mordkommission, sie ist weiblich, brennt für ihren Job, den sie sich nach einem traumatischen Erlebnis – das sehr ausschweifend geschildert wird – als Traumberuf und Herzensangelegenheit auserkoren hat. Ihre männlichen Kollegen wirken allesamt blass und können ihr nicht ansatzweise das Wasser reichen, bewundern ihre Kollegin aber sehr.

Nach dem Fund der ersten Leiche und allem, was sich während der schwierigen, langwierigen Ermittlungen ergibt, schiebt der Autor den bereits erwähnten, sehr ausführlichen Rückblick in Reikos Vergangenheit ein. Wieder zurück bei den Ermittlungen angekommen, erhält der Hörer tiefe Einblicke in das Milieu der Täterschaft. Nun ist man der Polizei endlich eine Nasenlänge voraus – mindestens! Denn es wird klar, wie die Opfer ausgewählt wurden, und unter welchen Rahmenbedingungen sie ihr Leben lassen mussten. Hier gräbt Tetsuya Honda so tief und grausam, dass mich die Geschehnisse eher abschreckten als fesselten.
Interessant war das schon, allerdings auch sehr, sehr weit hergeholt. Sowohl, was einige Charaktere betrifft, als auch der Aufbau der Handlung und die Hintergründe.

Aber der eine mag diese überbordende, unrealistische Kreativität eines Autors, der andere mag sie eher nicht.
Der eine mag Klischees, der andere mag sie nicht.
De eine mag es arg konstruiert, der andere eher nicht.
Der eine mag brutale, abstoßende und grausame Szenen und Hintergründe, der andere mag sie nicht….
Der eine legt nicht so viel Wert auf viel Lokalkolorit – hier wird er äußerst stiefmütterlich behandelt -, der andere liebt ihn und ist möglicherweise enttäuscht, wenn er dieses Flair nicht bekommt.
Es ist wie immer alles eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Welche Vorlieben man auch immer haben mag, eines ist nicht von der Hand zu weisen:
Alle Sinnabschnitte, alle Schwerpunkte des Thrillers finden zum Schluss sinnvoll zusammen und die Mordserie wird überzeugend gelöst und beendet.

Besonders gut hat mir mit Britta Steffenhagen die Sprecherin des Hörbuchs gefallen. Sie fühlte sich gut in die Stimmungen hinein und ich mochte sehr ihre Interpretation der Hauptprotagonistin Reiko. Aber auch die anderen Charaktere setzte sie gut und glaubhaft um.

Inhalt
Ein in blaue Plastikplane verpackter Leichnam bedeutet für die Mordkommission der Tokioter Polizeibehörde Keishi-chō zunächst nichts Außergewöhnliches. Als Hauptkommissarin Reiko Himekawa mit ihrer Einheit am Tatort eintrifft wird jedoch schnell klar, dass es sich um weitaus mehr als ein einfaches Verbrechen handelt. Nach und nach tauchen immer mehr Opfer auf, alle auf die gleiche grausame Art hingerichtet, und mit ihnen Fragen, die bei der Ermittlung lange ungeklärt bleiben – bis Himekawas Team auf eine heiße Spur stößt und Reiko sich damit nichtsahnend selbst in Lebensgefahr bringt… Das Hörbuch des Thrillers von Tetsuya Honda erscheint als ungekürzte Lesung im DAV.
»Reiko stand über ihm. Das war‘s. Sie liebte diese Gewissheit.«
Reiko Himekawa ist Hauptkommissarin. Und sie ist eine Frau. Sechs gebrochene Finger und zwei Gehirnerschütterungen hat sie bereits zu verantworten, denn wenn Kollegen ihr zu nahe kommen, versteht sie keinen Spaß. Daran kann auch ihre kranke Mutter nichts ändern, die ihre 30-jährige Tochter seit Jahren unbedingt unter die Haube bringen will und dafür nur Zurückweisung erfährt. Reiko brennt für ihren Beruf und doch stößt sie an ihre Grenzen als sie, ausgerechnet während der Ermittlungen zum neuen Fall, von ihrer Vergangenheit wieder eingeholt wird… Das Hörbuch gewährt einen spannenden Einblick in die Hierarchien einer japanischen Polizeibehörde und legt mit einer erschütternden Unverblümtheit menschliche Abgründe offen, die sogar die erfahrensten Ermittler ins Straucheln bringen.

Autor
Tetsuya Honda, geboren 1969, ist einer der meistgelesenen Autoren in Japan. Die vier Bände der Krimireihe um Reiko Himekawa, der jüngsten Ermittlerin der Tokioter Mordkommission, wurden in Japan über 4 Millionen Mal verkauft und als Serie verfilmt. Der Auftakt dieser Reihe, »Blutroter Tod«, erscheint nun erstmals in den USA und in Deutschland. Der Autor lebt in Tokio.

Sprecherin
Britta Steffenhagen ist als Moderatorin und Reporterin bei radioeins und beim RBB bekannt geworden. Sie ist in verschiedenen Theater-Produktionen aufgetreten und hat als Synchronsprecherin an diversen Filmproduktionen mitgewirkt. Als freie Autorin ist sie für DeutschlandRadio Kultur tätig und hat u.a. in den Hörspielproduktionen »Wo ist Wothan?« (SWR, 2008), »Nothing to know but coffee to go« (DeutschlandRadio Kultur, 2007) und »Erweiterte Kampfzone« (Kulturradio, 2007) Sprechrollen gehabt.
Britta Steffenhagen ist Sprecherin der DAV-Hörbücher »Furchtbar lieb« von Helen FitzGerald, »Herzkurven« von Michelle Holman sowie »Little Bee« von Chris Cleave.Quelle: Der Audio Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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