*+* Irve fragt…. Jennifer B. Wind *+*


Liebe Jenny,

wie genau ich damals auf dein Erstlingswerk „Als Gott schlief“ gestoßen bin, weiß ich gar nicht mehr – nur, dass es mich sehr in seinen Bann gezogen hat. Mit wenigen prägnanten Sätzen hast du immer wieder eine weitreichende Gefühlslawine in mir ausgelöst. Zudem überzeugte mich dein Thriller durch die hervorragende und tiefgreifende Recherche, die gepaart mit deinem interessanten, flüssigen Stil einen sehr nachdenklich stimmenden Pageturner hervorgebracht hat.

Sehr gespannt war ich dann auf deinen zweiten Thriller „Als der Teufel erwachte„, der dieses Mal direkt am Puls der Zeit angesiedelt ist. Du hast dich nun den verzweifelten Menschen angenommen, die durch die Kriegslage in Syrien keinen anderen Weg sehen, als zu fliehen.
Auch hier begeistert wieder die Mischung aus überzeugender Recherche, brisanten Themen, viel Menschlichkeit und einem ansprechenden Schreibstil.

Schon vor einiger Zeit hatte ich die Freude, dich interviewen zu dürfen und freue mich nun noch mehr, weil ich zur Wiederholungstäterin werden darf!
Bevor es jetzt losgeht, kommt hier noch der Hinweis, dass das Copyright für alle verwendeten Fotos bei Jennifer B. Wind liegt.

Vielleicht möchtest du dich kurz vorstellen, bevor ich dich mit meinen Fragen löchere!
(Du kennst mich doch schon ;-)) Ich heiße Jennifer B. Wind, bin 43 Jahre alt und in Leoben in der Steiermark geboren, wohne jetzt mit meiner Familie (Mann und zwei Töchter) im Bezirk Baden südlich von Wien in einer beschaulichen Reihenhausanlage.

Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen? Ist es bei dir wie bei vielen Autoren ganz klassisch, dass du schon immer geschrieben hast und deine Worte immer umfangreicher wurden und irgendwann das erste Buch dabei herauskam, oder hat dich einfach die Muse ganz plötzlich und unerwartet geküsst?
Ich schreibe seit meinem achten Lebensjahr Gedichte und habe zu dieser Zeit auch meine ersten Romane geschrieben mit so tollen Titeln wie „Urlaub auf dem Bauernhof“ oder „Die Reise des Polsters“ oder „Sternensee“. Ich habe quasi immer geschrieben, auch viele Tagebücher. Wenn mich in der Volksschule jemand gefragt hat, was ich später einmal werden will, hab ich immer „Schriftstellerin“ geantwortet 😉 Und habe seltsamerweise immer bedauerndes Kopfschütteln bei den Erwachsenen ausgelöst, allen voran meine Eltern, die immer darauf geantwortet hatten: „Na aber zuerst lernst du was Gescheites, gell?“

Liest du gerne?
Übers Lesen kommt man zum Schreiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendein Autor nichts liest. Ich lese seit meinem 5. Lebensjahr ständig. Man trifft mich nie ohne Buch an. Ich lese auch immer mehrere Bücher parallel. Überall liegt Lektüre herum, auch auf der Toilette, im Auto, im Vorraum, Wohnzimmer, Schlafzimmer, am Esstisch, alles ist vollgestopft (was meinen Mann sehr nervt) und überall habe ich Bücher oder Zeitschriften (vorzugsweise „Gehirn und Geist“, „Crime“, Tauchmagazine und die „Federwelt“) dabei, um Wartezeiten zu überbrücken, wie etwa wenn ich vor der Schule auf eine meiner Töchter warte. Ich habe auch einen E-Reader, denn wenn ich eine Woche im Urlaub bin oder im Krankenhaus, hätte ich bei meinem Lesebedarf zu viel zu schleppen. 😉 Eine tolle Erfindung, denn früher habe ich zugunsten der Bücher auf zu viel Kleidung im Koffer verzichtet 😉
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Erinnerst du dich an Herzensbücher aus deiner Kindheit und Jugend?
Da war auf jeden Fall „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. Und „Silberwolf“ von Jack O´Brian. Das ist aus den 60er Jahren. „Herr der Ringe“ kam dann auch ziemlich gleich. Ich bin dann sehr lange in Fantasy-Welten gesteckt und so habe ich auch meinen ersten Fantasy-Roman geschrieben. Da war ich 9 😉 Die Scheibenweltromane von Prachett haben es mir auch angetan. Da habe ich aber bemerkt, dass die Originalversionen viel besser sind und so habe ich mit circa 11 Jahren angefangen auf Englisch zu lesen. Später kamen dann Horrorgeschichten dazu, Hier vor allem alles von Clive Barker und Stephen King (sowie seinem Alter Ego Richard Bachmann) Dann liebte ich Sci Fi total! Asimov, Douglas Adams, Frank Herbert, H.G. Wells waren hier meine Favoriten. Und Klassiker habe ich ebenfalls geliebt. Shakespeare, Tolstoi, Dostojewski, Austen, Bronte, Caroll, Goethe, Schiller, Steinbeck, Woolf. Außerdem war ich immer ein großer Lyrik-Fan, hier vor allem Heine, Goethe, Wilde, Rose Ausländer und Arthur Rimbaud.
Findest du es wichtig, dass Kinder und Jugendliche lesen?
Natürlich! Lesen bildet doch. 🙂 Vielleser haben meist ein wesentlich größeres Allgemeinwissen als Nichtleser. Ich habe deshalb mit meinen Töchtern von Anfang an viel gelesen. Schon während der Schwangerschaft den Babys im Bauch vorgelesen, das Ritual vor dem Schlafen gehen eine Stunde zu lesen, halten wir bis heute ein, wobei beide Kinder mittlerweile auch selbst lesen 😉

Wo schreibst du am liebsten?
Am liebsten würde ich irgendwo in einem Cottage am Meer schreiben, aber das spielt sich leider nicht. Also schreibe ich überall, wo es geht, am Laptop, der nicht ans Internet angeschlossen ist, damit ich nicht abgelenkt werde. Zwischen Wäsche machen und Kochen, Kinder abholen und Hausaufgaben kontrollieren und viel am Vormittag, wenn sie in der Schule sind oder nachts, wenn sie schlafen. Wenn mein Mann mich lässt, dann auch am Wochenende. 😉

Wie und vor allem wie umfangreich hast du für deine beiden Thriller recherchiert?
Beiden Thrillern sind extrem umfangreiche und vor allem langwierige Recherchen voran gegangen. Bei „Als Gott schlief“ war es zudem sehr aufwändig, da ich hier schon recherchiert hatte, als niemand hierzulande etwas von den Missständen in den Heimen der katholischen Kirche wusste oder besser gesagt, etwas dazu wissen wollte. Denn nach neuesten Erkenntnissen wussten die hochrangigen Kleriker bereits seit Jahrzehnten über diese Missstände Bescheid und halfen beim Vertuschen. Beim neuen Roman war es auch sehr anstrengend, ganze 4 Jahre Vorarbeit, bevor ich das erste Wort geschrieben habe, gingen hier voraus. Zudem war es nicht immer einfach in die Bereiche wie Flüchtlingsheime hineinzukommen. Oder Dolmetscher zu finden. Die polizeilichen Belange sind für mich einfacher zu recherchieren, da mein Mann ja Polizist ist und mir da unter die Arme greifen kann, Da ich sehr realistische Thriller schreibe, ist mir die Recherche auch sehr, sehr wichtig.
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Magst du deine Charaktere?
Es wäre blöd, wenn ich das nicht täte, schließlich verbringe ich viel Zeit mit ihnen 😉 Ich mag sie alle, aber natürlich habe ich meine Lieblinge. In den Thrillern ist das vor allem Tom, aber auch Georg finde ich richtig gut und ich wäre gern mit beiden befreundet, wenn es sie wirklich gäbe. Mit Jutta komme ich gut klar, und weil ich weiß, was hinter Rolands Fassade abgeht, mag ich ihn auch. .-) Das ist der Vorteil als Autorin, ich kenne meine Figuren in- und auswendig. Weiß mehr als meine Leser/innen, die erst nach und nach die Figuren kennenlernen dürfen. Mit guten Figuren steht und fällt ein Roman oder Film. Egal wie gut das Thema oder wie toll etwas geschrieben ist, wenn die Figuren nichts heißen, dann hilft das alles nichts. Deshalb starte ich immer mit den Figuren, arbeite sie extrem gut aus, mache komplette Biografien für sie und werfe sie erst danach in ein Szenario. 😉

Was inspiriert dich?
Das Leben!

Kannst du dir vorstellen, auch mal in einem anderen Genre zu schreiben?
Du hast ja eben gehört, dass ich mit Fantasy begonnen habe. Ich habe eine Trilogie in der Schublade und zwei Science-Fiction Romane. Außerdem habe ich einige literarische Romane in der Schublade, von dem einer wohl hoffentlich bald das Licht der Welt erblicken wird. Vorgespräche diesbezüglich gab es bereits. Meine Agentin liebt den Roman und würde sich sehr freuen, wenn er erscheint. Und möglicherweise bringe ich irgendwann auch einen Gedichtband heraus, wer weiß 😉 Ich besitze jedenfalls 4 dicke BENE Ordner mit Lyrik und Splitterprosa aus zwanzig Jahren Schaffenszeit.

Ich stelle es mir wahnsinnig anstrengend vor, diese umfassenden Recherchen zu wirklich unbequemen Themen emotional und nervlich zu bewältigen. Wie schaffst du das? Wäre es nicht sehr entspannend, einfach mal einen leichten Roman zu schreiben?
Nein, auf keinen Fall. Das wäre mir definitiv zu langweilig. Ich brauche ein interessantes Thema, das mich packt, egal in welchem Genre, ich brauche faszinierende Figuren und viele Emotionen. Ich möchte auch beim vierten Überarbeiten immer noch von meinem eigenen Text fasziniert sein und ihn gerne lesen. Sonst bringt es das nicht für mich. Ich muss voll hinter dem stehen, was ich schreibe. Das geht nur, wenn ich über Dinge schreibe, die mich so richtig fesseln und sie so verpacke, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Oberflächliche Romane wollte ich nie schreiben, ich möchte abseits der Unterhaltung einen Mehrwert bieten. Wenn Leser/innen meine Bücher zuschlagen, sollen sie sie nicht sofort vergessen, wenn sie sie zurück ins Regal stellen. Bestenfalls möchte ich zu Diskussionen anregen, oder zum Nachdenken. Das macht mir beim Schreiben auch vielmehr Spaß! Das kommt mir auch zugute, denn dadurch werde ich auch zu Lesungen und Diskussionsrunden, etwa in Schulen, eingeladen. „Leichte Kost“ gibt es deshalb bei mir nur zum Abendessen 😉
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Wieviel Zeit investierst du in deine Bücher?
Sehr viel, wie du sicher an den anderen Antworten erkennen konntest. Ich bin sehr perfektionistisch und gebe die Texte auch erst aus der Hand, wenn ich voll und ganz dahinter stehen kann.

Ist es nicht wahnsinnig schwer, deine anspruchsvolle Art und Weise des Schreibens mit deiner Familie unter einen Hut zu bringen?
Sehr, vor allem, da wir wirklich keine Hilfe haben. Ich bin die ganze Zeit für meine Kinder da. Und es ist nicht leicht, immer wieder beim Schreiben rausgerissen zu werden, weil ein Kind etwas braucht. Da beneide ich manchmal die männlichen Kollegen, die trotz Kindern einfach mal 1 Monat abhauen können und sich zum Schreiben einschließen oder ans Meer fahren. Das geht bei mir alles nicht. Auch kann ich mich nicht für ein Stipendium bewerben, weil ich nicht 4 Wochen am Stück wegfahren kann zum Schreiben. Aber die Kinder werden wachsen und ich freue mich schon darauf. 😉

Hat sich deine Arbeitsweise geändert, seitdem du mit „Als Gott schlief“ aus dem Stand einen riesigen Überraschungserfolg landen konntest? Es macht doch sicher einen Unterschied, ob man unbekannt ist und „unbeschwert drauflos schreiben“ kann, oder wenn man schon einige begeisterte Leserfans hat, denen man wieder ein ansprechendes Buch an die Hand geben möchte. Ist es eher so, dass dann ein großer Druck auf einem lastet, oder überwiegt einfach nur die Freude, wieder ein neues Buchleben erschaffen zu können und die Leser auf dringende Themen zu stoßen?
Also meine Arbeitsweise hat sich gar nicht geändert. Ich lege immer noch viel Wert auf Qualität, deshalb hat es auch einen großen Abstand zwischen den beiden Teilen gegeben. Natürlich ist etwas mehr Druck da, als beim Erstling wo ich nicht einmal wusste, ob er je veröffentlicht wird (auch wenn es nicht mein eigentlicher Erstling ist, denn die ersten Romane liegen wie gesagt noch hier herum ;-)). Bei „Als der Teufel erwachte“ war einiges anders. Plötzlich haben sich fünf Verlage dafür interessiert und es gab auch einen guten Vorschuss. Natürlich war beim zweiten Buch mehr Angst da, es könnte den Leser/innen nicht gefallen. Aber ich bin sehr froh, dass das nicht der Fall ist. Im Gegenteil den meisten Leser/innen gefällt das zweite Buch sogar besser. Und das freut mich, denn es wäre traurig, wenn ich mich als Autorin nicht weiterentwickeln würde. Natürlich kann man es nicht jedem Recht machen und nicht jedes Buch kann allen Leser/innen gefallen. Es gibt natürlich keine Garantie, dass jedes Buch gleich gut ist oder gleich gut ankommt, das weiß ich auch. Deshalb werde ich beim nächsten Buch sicher wieder genauso aufgeregt sein, wenn es erscheint. Was sich außerdem geändert hat, ist dass die Veranstalter jetzt auf mich zukommen und ich weniger Klinken putzen gehen muss, um zu einer Lesung zu kommen. Wer mich einmal einlädt, möchte mich meist wieder im Haus haben, weil meine Lesungen speziell sind und sehr gut ankommen. Beim zweiten Roman haben sich jetzt auch Schulen gemeldet, die mich zum Deutschunterricht einladen möchten. Es ist definitiv mehr los als früher. Aber wie vorhin gesagt, viele Veranstalter haben mich noch überhaupt nicht am Schirm, nach Deutschland wurde ich zum Beispiel noch nie eingeladen, genauso wenig wie die ganz großen Medien über mich berichten. Leider interessieren sich nur lokale Medien für meine Bücher, aber alle fangen mal klein an, oder?
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Neben dem Wahnsinnserfolg deines Erstlings bezüglich der Verkaufszahlen ist es dir ja wichtig, dass sich gewisse Dinge ändern. Du engagierst dich nicht nur für Umwelt- und Tierschutz, was ja auch im neuen Roman ein bisschen einfließt, sondern auch gegen Gewalt gegen Frauen und Kinder und seit „Als Gott schlief“ setzt du dich auch für die Opfer ein indem du einen Teil deines Erlöses an den Opferschutz spendest und verfolgst ganz genau, was sich hinsichtlich des Themas tut. Da ist in Österreich im Herbst 2016 ja wirklich etwas passiert, was eigentlich kaum jemand mitbekommen hat.
Ja genau. Es ist ja nicht nur so, dass ich Romane schreibe, die brisant sind, ich bin auch im Hintergrund sehr aktiv tätig. Deshalb habe ich mich jahrelang dafür eingesetzt, dass Missbrauchsopfer Gehör finden. Ich bin da nicht alleine, mittlerweile gibt es ein ganzes Personenkomitee gegen Kirchenprivilegien. Wir sind alle sehr umtriebig und haken immer wieder nach. Denn die Zuwendungen viel zu gering bemessen, und ich meine hier nicht nur das Schmerzensgeld sondern auch Psychotherapiestunden. Knapp 50 Stunden sind einfach zu wenig um ein derartiges Trauma aufzuarbeiten. Und da die meisten Opfer kaum Geld haben, sind sie nicht in der Lage, die Therapie selbst weiterzuzahlen und müssen sie abbrechen, oft mitten im Lösungsprozess. Da muss mehr getan werden. In Österreich hat es am 17. November 2016 in Wien einen Staatsakt gegeben, wo die österreichische katholische Kirche und der Staat Österreich sich bei allen Opfern, die in christlichen und staatlichen Kinderheimen waren, entschuldigt hat. Klingt sehr löblich und anfangs war ich auch sehr erfreut. Leider ist dieser Staatsakt still und heimlich vonstatten gegangen, die meisten Opfer bekamen keine Eintrittskarte und wurden im Anschluss mit einer DVD und einem Beiheft abgespeist, wo der Staatsakt drauf war, der weder als abendfüllende Gala angelegt war noch als Vormittagsakt, sondern zu einer Zeit, wo die Aufmerksamkeit gering ist und nur vom ORF III übertragen wurde. Die katholische Kirche hat dazu gesagt, dass dies ein Schlussakt sein soll, um in Österreich mit dem Thema endlich abzuschließen. Das Problem ist nur, dass viele der Forderungen der Betroffenen nicht erfüllt wurden und vor allem dies, dass die Täter nie verurteilt wurden und teilweise weiterhin im Kirchendienst arbeiten. Und das ist das eigentliche Dilemma. Die Opfer sind zu 90% nicht mehr arbeitsfähig und leiden ein Leben lang und den Tätern ist nie etwas passiert. Niemand musste sich verantworten. Das Schlimmste was ihnen passiert ist, waren Versetzungen in andere Gemeinden oder eine vorübergehende Suspendierung. So gesehen ist der Erfolg hier nicht all zu groß. Hier muss noch sehr viel passieren! Angeblich ist jetzt ein Gesetz in Planung, das den Opfern eine Rente zusichert, so ähnlich wie andere Opferrenten. Dieses Gesetz soll heuer noch verabschiedet werden und die ersten Renten auch heuer schon an die ehemaligen Heimopfer ausbezahlt werden. Wenn das wirklich kommt, finde ich, dass das schon ein großer Schritt wäre, denn viele der Opfer sind ja bereits in Rente. Das wäre also eine tolle Geste! Als ich auf Verlagssuche war, wollte niemand was mit diesem Thema zu tun haben. Mittlerweile wurde das Thema auch in Amerika bearbeitet, und der Film „Spotlight“ hat sogar den Oscar erhalten. Niemand kann also mehr bestreiten, dass es sich hier um eine Riesensauerei handelt. Auch wenn einige Menschen immer noch die Augen vor der Wahrheit verschließen. Trittbrettfahrer haben es jetzt leichter. 😉 Ich bleibe jedenfalls dran und halte alle, die es interessiert am Laufenden. Einstweilen geht weiterhin ein Teil des Erlöses an den Opferschutz. Das ist, was ich als Autorin tun kann und ich bin froh, dass so viele Leser/innen mir die Möglichkeit dazu geben.
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Auf Schieflagen in der Gesellschaft hinzuweisen ist dir eine Herzensangelegenheit und das ist auch sehr wichtig. Ich bewundere deinen Mut dazu. Nicht nur die nervlich belastenden Recherchen kosten viel Kraft, es weht dir vermutlich auch immer mal wieder Gegenwind entgegen. Nicht jeder ist so menschlich und sozial eingestellt, wie es wünschenswert wäre. Gab es schon so etwas wie gegnerische Aktionen, welcher Art auch immer? Und wie gehst du damit um?
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Natürlich gerade wenn man sich an polarisierende Themen wagt, kann es passieren, dass es Menschen gibt, denen das aufstößt. Ist mir bei „Als Gott schlief“ genauso passiert, als eine Leser/in meinte, so etwas wie in meinem Buch sei sicher ab und zu vorgekommen, aber man dürfte es nicht in Unterhaltungsliteratur verpacken, sondern nur in einen autobiografischen Roman. Das fand ich sehr befremdlich. Es handelt sich hier ja beileibe nicht um Einzelschicksale sondern um Tausende Betroffene. Beim neuen Roman gab es auch schon kleinere Vorfälle, aber ich habe ihn bewusst ohne zu werten geschrieben, und ohne zu stark zu politisieren. Trotzdem gibt es immer wieder Menschen, die einfach über dieses Thema nichts lesen wollen oder können. Oder wie auch immer. Aber ich zwinge ja niemanden dazu, meine Bücher zu lesen.
Aber es gibt auch schöne Erlebnisse. Zu meiner Buchpräsentation im September kam ein Flüchtling, der sehr viel Wut im Bauch hatte, der mit mir über den Krieg diskutiert hat, mir auch ein Gedicht in die Hand gedrückt hat, das er selbst geschrieben hatte, ich habe es spontan vor allen Zuhörern vorgelesen, was ihn sehr berührt hat, sodass er am Ende weinend wieder gegangen ist und mir für den schönen Abend gedankt hat. Dass so viel rundherum passiert zeigt nur, dass meine Romane eben wirklich nicht Mainstream sind und auch alles andere als oberflächliche Unterhaltungsliteratur. Dafür lebe ich und das wird sich bei mir auch nicht so schnell ändern.

Eine buchige Schwangerschaft – von der Idee bis zur Auslage in den Buchhandlungen – kostet vermutlich ganz schön viel Kraft. Wie kannst du anschließend am besten entspannen und deine Akkus auffüllen?
Ich bin ganz schwer in der Lage einfach alles hängen zu lassen und zu entspannen. Also rumliegen und nichts tun liegt mir einfach nicht. Akkus füll ich beim Lesen auf und bei tollen Gesprächen mit kreativen Menschen und Veranstaltungen wie bei den Literaturwettbewerben beim art.experience Festival, wo ich jedes Jahr in der Jury sitze. Da ergeben sich immer so tolle Gespräche, die sehr aufbauend sind und mir gibt es auch viel, andere Menschen glücklich zu machen. Wenn man die lachenden Gesichter der Gewinner/innen sieht, dann freue ich mich selbst sehr. Auch wenn einer meiner Schreibschüler von einer Agentur oder einem Verlag aufgenommen wird, fühlt sich das toll an. Und das alles gibt mir mehr, als ein heißes Bad oder auf der Couch zu liegen. Und ansonsten habe ich noch meine Kinder. Einmal Trivial Pursuit spielen oder Schnapsen füllt ebenfalls mein Freudenkonto auf. Und natürlich begeisterte Leser/innen, die mir private Mails schicken oder sogar Goodie-Bags.

Wie wichtig ist dir die Nähe zu deinen Lesern?
Da man ohne Leser/innen als Autor/in nichts ist, ist mir der Kontakt immens wichtig. Ich war von Anfang an in regem Austausch mit Blogger/innen und Leser/innen auf diversen Portalen, wie Lovelybooks, Wasliestdu, Literaturschock, Büchertreff, etc.
Ich mach auch sehr sehr gerne Lesungen und hätte da gerne mehr Einladungen, gerade die Leser/innen in Deutschland würden sich mal freuen, mich bei einer Lesung zu treffen, aber leider haben mich die Buchhandlungen dort noch nicht eingeladen, obwohl ich in Deutschland dreimal so viel verkaufe wie in Österreich und meine Bücher auch in Deutschland spielen…

Viele deiner Fans würden sich vermutlich sehr freuen, dich persönlich treffen zu können. Wirst du demnächst auch auf den großen deutschen Buchmessen anzutreffen sein, oder bist du räumlich gebunden und kannst deine Bücher nur in Österreich repräsentieren?
Leider muss ich mir noch alles selbst zahlen. 😉 Eine Frankfurter Buchmesse geht da gleich sehr ins Geld und beim letzten Mal 2014 hatte ich am Ende knapp 1000 Euro ausgegeben, für Flug, Hotel, Essen, etc….Das kann ich mir nicht jedes Jahr leisten. Vor allem da ich ja kleine Kinder habe und auch noch einen Babysitter zahlen müsste.
Würde mich jemand einladen (Verlag oder Buchhandlung) wäre es etwas anderes.
Ich war aber 2016 erstmalig auf der Buchmesse in Wien auf einer der Hauptbühnen mit Lesung und Interview vertreten. Das war schon toll. Lesungen fanden voriges Jahr sehr viele in Österreich statt und auch 2017 wird es noch einige Veranstaltungen geben. Ganz große wie die Criminale in Graz sind schon fix. Deutschland und Schweiz sind leider bislang nicht dabei. Aber ich bin für alles offen.

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Ich bin eine der vielen begeisterten Leser deiner Bücher. Leider finden sich auch immer mal wieder kritische Stimmen. Wie gehst du damit um? Und wie wichtig ist dir dieses Feedback überhaupt?
Das ist natürlich nicht lustig, weil ich eben sehr lange an meinen Büchern arbeite und mich wirklich sehr hineinknie und es durch alles nebenbei schwieriger habe als andere Autor/innen und wenn man dann eine schlechte Bewertung bekommt, die die Arbeit von Jahren, einfach so binnen Sekunden, abwertet. Wie schon oben erwähnt, kann man es nicht jedem recht machen und nicht jedes Buch begeistert alle Leser/innen gleichermaßen. Vieles ist Geschmackssache. Da geht es doch jedem/r Autor/in gleich. Aber jeder Kritiker sollte sich vor Augen halten, dass ein Buch zu schreiben Heidenarbeit ist..
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Es ist schade, dass unter dem Deckmantel der Anonymität einige über das Ziel hinausschießen. Aber es gibt ja auch diese Internettrolle, die sich in Foren rumtreiben nur um schlechte Stimmung zu machen. Das ist etwas, womit wir in der heutigen Zeit leider leben müssen. In der Anonymität des Internets können Menschen Dinge schreiben, ohne ihr Gesicht zeigen zu müssen. Das ist die Kehrseite der digitalen Vernetzung. Ich würde mir wünschen, dass die Menschen auch hier rücksichtsvoller miteinander umgehen, man weiß schließlich auch nie, ob man dem einen oder anderen nicht einmal real gegenübersteht…..Und wie soll jemals Frieden auf der Welt herrschen, wenn wir uns im kleinen Alltag schon so „befetzen“…
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Jetzt habe ich noch eine kleine brainstormige Aufgabe für dich.
Mein Begriff meets deine spontanen Gedanken dazu – natürlich nur, wenn du magst 🙂

Glück – ist Liebe gepaart mit Freiheit
Kraft – braucht man für Veränderungen
Gott – steht für mich für das Universum
Menschen – sollten sich mit mehr Liebe begegnen
Reichtum – ist für jeden etwas anderes
Natur – muss geschützt werden
Geburt und Tod – ist der Kreislauf des Lebens
Zufall oder Bestimmung? – Jeder Mensch ist für irgendetwas bestimmt, daran glaube ich.
Einsamkeit – kenne ich nicht
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Das Leben ist eine Reise, die gegen Ende wieder am Anfang beginnt
Erfolg – ist relativ
Social Media – wichtige Vernetzung
Marketing – Notwendigkeit
Blogger – wir lieben Blogger 😉
Lesungen – könnte ich jeden Tag machen, so sehr liebe ich sie.
Leserunden – wundervoller Austausch mit Leser/innen
Vorbilder – James Cameron
Lebensziele – Glücklich gemeinsam alt werden mit nicht allzu viel mehr Wehwehchen als ich schon habe ;-), die Kinder gut ins Erwachsenenalter begleiten und ihnen auch darüber hinaus zur Seite stehen, einen Film mit Florian David Fitz drehen ;-), und vielleicht den Oscar gewinnen? 😉 Okay jetzt sind wir wieder ernst 😉
Dein Lebensmotto – Beginning counts, the end is not important.
Dein Lebenstraum – Ein Haus in Sydney oder Miami (oder Italien, Spanien, wo auch immer, auf jeden Fall aber direkt am Meer, mit Schreibzimmer für mich alleine mit Blick auf den Horizont und dort werde ich dann am Strand zu Bollywood-Musik tanzen *lach*….

Ich danke dir sehr für dein Feedback, liebe Jenny, und wünsche dir weitere tolle Ideen für Bücher, die sowohl dich als auch deine Leser erfüllen 🙂
Aber ich glaube, die hast du sowieso!
Vielen Dank liebe Heike für das tolle Interview und deine interessanten Fragen.
Ja, Ideen habe ich genug. Nur ob sie alle umzusetzen sind, wird sich noch zeigen.

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Irve fragt…. Jennifer B. Wind *+*

  1. monerl schreibt:

    Liebe Heike,
    ein sehr schönes Interview, das ich sehr gerne in meine „Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs“ mit aufgenommen habe! Mit diesem Interview hast du mich mal wieder daran erinnert, dass ich doch jetzt unbedingt das Buch „Als Gott schlief“ von meine SuB erlösen sollte! Ich werde es jetzt auf meinen Next-to-read-Stapel legen. Ach, was wären wir ohne all diese schönen Bücherstapel… 😀
    GlG vom monerl

    • irveliest schreibt:

      Lieses Monerl,
      da stimme ich dir zu! Keine SuBs zu haben wäre ganz schrecklich 😉
      Gute Unterhaltung mit „Als Gott schlief“, ich bin sehr gespannt, wie es dir gefallen wird. „Als der Teufel erwachte“ ist auf jeden Fall auch etwas für dich….denke ich 🙂
      Liebe Grüße, Heike

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