*+* Giorgio Faletti: „Die kleine Feder“ *+*

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„Wenn ihr diese Fabel an einem klaren Tag lest,
an dem das strahlende Blau des Himmels euch zwingt,
die Hand schützend vor die Augen zu halten,
und wenn ihr euch nicht davor fürchtet,
einer Feder nachzulaufen,
dann wird euer Flug euch in Staunen versetzen.“

Mit diesem Rückentext fand ich sofort den Einstieg in die kleine Fabel „Die Feder“ von Giorgio Faletti. Ich machte gerne die Bekanntschaft der weißen, leichten Hauptdarstellerin, die nur von den Launen verschiedener Luftzüge angetrieben durch die Welt tanzt. Schnell wurde ich neugierig, wohin das Schicksal sie tragen würde. Furcht empfand ich nicht, während ich ihr lesend folgte, ganz gewiss nicht. Ein anderes Gefühl nahm jedoch zunehmend Besitz von mir: Bestürzung! Nicht der Flug der Feder berührte mich äußerst unangenehm, sondern die Reaktionen derjenigen, auf deren Tagwerk die kleine Hauptdarstellerin herabblickt. Ich sollte besser sagen, deren Nicht-Reaktion, denn es ist wirklich sehr traurig, dass dieses kleine tanzende Wesen von niemandem wahrgenommen wird. Ein jeder ist in seinem Leben gefangen. Egal, ob lästige Pflichten erledigt werden, dem Prunk gefröhnt, Listen ersonnen, oder seinen tiefsten Gefühlen nachgespürt wird….die Feder reist unbeobachtet und ihres Wertes und ihrer Intention unerkannt, immer weiter – bis sie endlich auf einen Weggesellen trifft, der ihren Wert und ihren Platz in der Welt erkennt und sie dementsprechend würdigt.

„Wie alles, was nicht fallen kann, fand die Feder zurück in die Liebe eines ergebenen Windes und übeließ sich mit ihm mit eine Hingabe, die nichts zurückforderte.“

Die Feder erzählt kurz und knapp eine viel längere Geschichte als man zunächst glauben möchte, und jeder kann daraus seine eigene machen. Lasst euch zu einer kleinen Gedankenreise einladen!
Stellt euch vor, ihr wärt diese Feder, die über das Land reist – ob es euch gefallen würde, was ihr seht?
Meint ihr, die Menschen würden euch in unserer viel zu oft sehr hektischen Zeit wahrnehmen, oder würde es euch so ergehen wie der Feder dieses Büchleins?

Ich habe diese Gedankenreise gemacht und den Blick über den „fabelhaften Tellerrand“ geworfen – erstaunlich, wie viel Schönes man dabei entdecken kann! Man muss sich nur etwas Zeit dafür nehmen und sich darauf einlassen.

Inhalt
Eine anrührende Fabel über die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Eine Feder fliegt über ein Dorf, dessen Bewohner nur wahrnehmen, was unmittelbar vor ihren Augen geschieht. Die Feder belauscht einen König und seinen General, die Pläne für einen Krieg schmieden, und sich nicht darum scheren, wer diesen Kampf ausfechten muss; sie begegnet vielen unglücklichen Figuren, ehe sie in den Blick von jemandem gelangt, der fähig ist das zu verstehen, was bis dahin niemand vermochte, bevor sie schließlich in einem Theater landet, wo eine schöne Ballerina mit gebrochenem Herzen tanzt.

Autor
Giorgio Faletti (1950-2014) war ein italienischer Autor, Schauspieler und Komponist. 2002 veröffentlichte er seinen ersten Roman, den Krimi Io uccido (Ich töte), der in über 30 Sprachen übersetzt wurde. Insgesamt verkaufte er weltweit über eine Million Bücher. Die kleine Feder ist seine letzte, posthum veröffentlichte Erzählung.
Quelle: Hoffmann und Campe Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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