*+* Thomas Rid: „Maschinendämmerung“ *+*

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Die Kulturgeschichte der Kybernetik beginnt in einem dunklen Kapitel der Geschichte, dem Zweiten Weltkrieg. Man brauchte eine „Zwangserfindung zur Sicherheit“, die vor den gegnerischen Angriffen warnten und schützten. Die aus den Kriegsanstrengungen hervorgebrachten Maschinen wurden immer mehr verfeinert und spezialisierter in ihren Anwendungsgebieten. Sie dienten schnell nicht mehr militärischen Zwecken, sondern hielten zunächst Einzug in die Industrie, bevor sie auch Privathaushalte eroberten. Das Potential war und ist weiterhin gigantisch, nach oben scheinen (noch) keine Grenzen gesetzt.

„Der Computer wurde von der militärischen Maschine gegenseitig zugesicherter Vernichtung zum libertären Antriebsmotor verführerischer Utopien.“

Die Maschinen werden immer klüger. Einst dienten sie lediglich der Arbeitserleichterung, mittlerweile stellt man sich immer häufiger die bange Frage, ob die Computersysteme irgendwann schlau genaug sein werden, um uns beherrschen können – und welche Folgen das der Menschheit bringen wird. Aber soweit sind wir zum Glück noch lange nicht.

In seinem umfassend recherchierten Sachbuch erklärt der Autor die verschiedenen historischen Entwicklungsstränge und -schritte der Kybernetik. Er ergänzt dabei um vielfältiges interessantes Material, bringt beispielsweise Mythen ins Spiel, oder flicht interessante Interviews ein.
„Die Folgen des ersten Steins im Zweiten Weltkrieg“ sind so vielfältig, aber auch so alltäglich, dass man sich dessen oft nicht bewusst ist. Computer und Maschinen – groß oder im Miniformat – begegnen uns ständig. Ob es der Kühlschrank ist, der die Wocheneinkäufe frisch hält, der Fernseher, der uns Filme schauen lässt, oder die vielfältigen Mittel zur Kommunikation, all dies sind Folgen der damaligen Bemühungen.

Besonders fasziniert hat mich der Forschungszweig des Zusammenspiels von Maschinen und Organismen, die Verschmelzung des Künstlichen mit dem Natürlichen mit dem ehrgeizigen Ziel, „lebendige Maschinen ohne Organ-Substrat“ zu schaffen. Aber mit welchen Folgen? Das ist ganz sicher der Bereich, bei dem in Zukunft das größte Fingerspitzengefühl benötigt wird. Denn es soll Nutzen bringen, und keine Gefahren.

Der Autor trägt nicht nur in diesem Bereich der Kybernetik sein Wissen recht ausführlich und gut erklärt an den Leser heran, auch die anderen Themen des Buches werden umfangreich behandelt. Nebenbei würdigt er all die großen, aber oft eher unbekannten Wissenschaftler, die an den teils großartigen Entwicklungen teilhaben. Veranschaulicht werden die Schilderungen an einigen Stellen durch umfangreiches Bildmaterial.

„Maschinendämmerung“ ist ein umfassend recherchiertes Sachbuch zur Entwicklung der Kybernetik, von seinen Wurzeln bis hin zu heutigen Anwendungsgebieten – auch für Laien durchaus verständlich erklärt.

Inhalt
Sind wir auf dem Weg in eine schöne neue Cyberwelt? Vernetzte Haushaltsgeräte und selbstfahrende Autos könnten bald so alltäglich sein wie permanentes Lifelogging und Maschinen, die unsere Gedanken lesen. Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Wie wurden Maschinen nicht nur Ersatz für unsere Muskelkraft, sondern ein unverzichtbarer Begleiter, dem wir sogar das Denken überlassen? Kontrollieren wir noch unsere Maschinen, oder kontrollieren sie längst uns? In seiner spannenden Kulturgeschichte der Kybernetik schildert Thomas Rid, international renommierter Sicherheitsexperte, die erstaunliche Entwicklung der Kybernetik, eine der Kernideen des 20. Jahrhunderts. Sie begann in den Bombentrümmern des Zweiten Weltkriegs und speiste weitreichende Mythen über eine digital vernetzte Zukunft – von psychedelischen Entdeckungsreisen in den künstlichen Raum hinter dem Bildschirm bis hin zu automatisierter Flugabwehr, bewaffneten Cyborgs und aggressiver Datenspionage. Rids faszinierende Schilderung unserer zutiefst gespaltenen Haltung zum Netz stützt sich auf neue Quellen und zahlreiche Interviews mit Althippies, Krypto-Anarchisten, Polizeiermittlern und Nachrichtendiensten.

Autor
Thomas Rid, aufgewachsen im baden-württembergischen Aach, forscht und lehrt seit 2011 am Department of War Studies am King’s College London. Davor arbeitete er zehn Jahre in international führenden Think Tanks in Berlin, Paris, Washington und Jerusalem.
Quelle: Ullsteinbuchverlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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