*+* Markus Heitz: „Des Teufels Gebetbuch“ *+*

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Tadeus ist gerade wieder auf dem Weg zurück in ein normales Leben.
Er, der „alte Zocker“, hat nichts weiter aufzuweisen als hohe Schulden und zerrüttete Familienverhältnisse. Aber er gibt nicht auf, kämpft sich Tag für Tag voran. Macht Sport, um wieder fit zu werden, und arbeitet paradoxerweise in einem Spielsalon an den Kartentischen, um seinen Willen zu stärken. Bisher war er standhaft geblieben, dem Ruf der Karten verweigerte er sich mit einer bewundernswerten Stärke. Tadeus war für mich ein absoluter Sympathieträger, denn er steckte trotz seiner Vergangenheit nicht den Kopf in den Sand, sondern zeigte dem Schicksal, dass es auch anders geht. Alles läuft gut – bis ihm das Schicksal durch eine Verkettung unvorhersehbarer Umstände eine historische Spielkarte in die Hände spielt. Einer Spielkarte, die offenbar etwas ganz besonderes ist, denn Tadeus wird ganz schnell zum Gejagten, zum Verfolgten, und ist sich seines Lebens nicht mehr sicher. Es hätte alles ein Leichtes sein können, indem er zur Polizei geht und die Karte abgibt – aber plötzlich hört er ihn wieder, diesen Ruf der Karten, dem er inzwischen so lange widerstanden hat. Er war mehr ein Gesang, ein süßer Gesang. Der bohrte sich in Tadeus´ Spielerherz, in seinen Willen, und sein einzig Begehr war es fortan, diese Karte zu besitzen und sich nie wieder von ihr trennen zu müssen.
Ob er es schaffen würde, trotz dieser sirenenähnlichen Verlockung standhaft zu bleiben?

Tadeus mochte ich sehr und so verwundert es sicher nicht, dass ich im weiteren Verlauf des Romans gebannt sein Schicksal verfolgte. Dieses kreuzt sich bald mit Huyn Poe, die ihren Verlobten bei einer Partie des in Vergessenheit geratenen Kartenspiels Supérieur verloren hat. An die offizielle Version eines Unfalls glaubt sie nicht. Sie will die Wahrheit ans Licht bringen. Da sie befürchtet, ihren Liebsten durch „die Karten“ verloren zu haben, tut sie sich mit Tadeus zusammen. Die beiden kämpfen gemeinsam – zwar aus verschiedenen Motivationen heraus, aber in einer solchen Ausnahmesituation darf man nicht wählerisch sein. Denn dem ungleichen Team ist klar, dass es hier nicht nur um die „Pik-Neun“, von der Tadeus seit Kurzem beherrscht wird, und die machtvolle Karte, die ihrem Verlobten den Tod brachte, geht. Sie sind sich sicher, dass es ein komplettes Blatt geben muss!

Mit dieser Vermutung sind die beiden nicht alleine.
Auch andere Kartenkenner haben eine Ahnung von dem, das es eigentlich gar nicht geben dürfte. Auf der Jagd nach den Objekten der Begierde geht es schonungslos zu, rücksichtslos, übelst böse und man ist auch bereit, über Leichen zu gehen, um das komplette Kartendeck in ihrer ganzen Pracht und Macht zu erhalten….

Neben diesem Handlungsstrang der Gegenwart gibt einen weiteren, der in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts spielt. In den immer wieder eingestreuten Kapiteln der Vergangenheit erzählt der Autor von der Familie des Bastian Kirchner, einem begnadeten Kupferstecher und Kartenmacher. Wie diese Geschichte mit dem Hauptgeschehen zusammenhängt, wird im Laufe des Romans immer deutlicher.

Auf beiden Zeitebenen konnte mich Markus Heitz mit seiner spannenden, oft nicht vorhersehbaren Geschichte begeistern.
Die Handlungsfäden, vor allem der Gegenwärtige, der sich zwischendurch in mehrere kleine Fädchen aufteilt, laufen zum Schluss zu einen wohlgesponnenen Strang zusammen.
Fragen bleiben keine, nur Staunen über diesen schicksalsaften Mischtopf an Spannung, Magie, Mystik, Grauen, Entsetzen und auch ein wenig Horror.

Die verschiedenen Charaktere werden nach und nach in die Geschichte eingeführt und im Verlauf des Romans immer klarer herausgearbeitet. Dabei offenbart sich hin und wieder eine Überraschung, denn wenn man denkt, man weiß, wer was im Schilde führt – oder auch nicht – wird möglicherweise zwischendurch ab und zu einen Besseren belehrt. Auch die Handlungen sind nicht immer vorhersehbar, sondern immer wieder mit Wenden, Wirrungen und kleinen Schockern garniert, was mir einen sehr unterhaltsamen, kurzweiligen und spannenden Leseweg bescherte.

Der Erzählstil ist sehr flüssig, stellenweise recht detailreich.
Viele Szenen, etwa die Spielrunden im Casino, sind bildhaft und lebendig geschildert, sie ziehen den Leser phasenweise tiefer ins Geschenen hinein als ohnehin. Obwohl es stellenweise recht temporeich zugeht, kann man der Handlung gut folgen, aber durch die Komplexizität, zu der sich das „Kartengebilde“ ausweitet, ist aufmerksames Lesen unerlässlich. Sprache und Erzählton sind an die verschiedenen Zeitebenen des Romans angepasst, was ihn ein Stück weit authentischer erscheinen lässt, auch wenn der Autor ihn immer wieder mit Fantasy-Elementen würzt.

Gut gefallen hat mir auch der umfangreiche Anhang mit seinem Sammelsurium an Informationen über die Historie des Kartenspiels sowie die Spielregeln zu Supérieur, die im Inneneinband vermerkt sind.

„Des Teufels Gebetbuch“ war mein erster Roman von Markus Heitz, aber wird sicher nicht mein letzter gewesen sein!

Inhalt
„Der ehemalige Spieler Tadeus Boch gelangt in Baden-Baden in den Besitz einer mysteriösen Spielkarte aus einem vergangenen Jahrhundert. Alsbald gerät er in einen Strudel unvorhergesehener und mysteriöser Ereignisse, in dessen Zentrum die uralte Karte zu stehen scheint. Die Rede ist von einem Fluch. Was hat es mit ihr auf sich? Wer erschuf sie? Gibt es noch weitere? Wo könnte man sie finden? Dafür interessieren sich viele, und bald wird Tadeus gejagt, während er versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Plötzlich steigt der Einsatz: Es ist nicht weniger als sein eigenes Leben.“

Autor
Markus Heitz, geboren 1971, studierte Germanistik und Geschichte. Er schrieb über 40 Romane und wurde etliche Male ausgezeichnet. Mit der Bestsellerserie um „Die Zwerge“ gelang dem Saarländer der nationale und internationale Durchbruch. Dazu kamen erfolgreiche Thriller um Wandelwesen, Vampire, Seelenwanderer und andere düstere Gestalten der Urban Fantasy und Phantastik. Die Ideen gehen ihm noch lange nicht aus.
Quelle: Verlagsgruppe Droemer Knaur

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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4 Antworten zu *+* Markus Heitz: „Des Teufels Gebetbuch“ *+*

  1. einlesehorn schreibt:

    Wow, mit Spielkarten habe ich noch nie etwas gelesen, das hört sich ja cool an 😉

    LG,
    Dani

  2. Liebe Heike,

    eine tolle Rezension! Ich habe das Buch heute zuende gelesen und bin ganz deiner Meinung. Es ist wirklich packend! Mir hat auch sehr gefallen, wie die einzelnen Fäden nach und nach zusammenlaufen. Alles sehr gelungen. 🙂

    Liebe Grüße
    Nicole

    • irveliest schreibt:

      Liebe Nicole,
      danke 🙂
      Als nächstes Buch von ihm werde ich dann „Wédora“ lesen, irgendwann rechtzeitig vor dem zweiten Teil.
      Liebe Grüße zurück,
      Heike

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