*+* Irve fragt…. Astrid Korten *+*

Liebe Astrid,

ich freue mich sehr, dass du für ein Interview auf meinem Blog zur Verfügung stehst!
Vielleicht möchtest du dich selbst kurz vorstellen, bevor ich dich mit meinen Fragen löchere?

astrid-korten-1Vielen Dank, liebe Heike für diese Einladung.
Um auf Deine Frage einzugehen, es gibt da wohl zwei Personen: Einmal die Autorin Astrid Korten und dann die private Astrid Korten. Die kennen nur sehr wenige Menschen im Netz. Ich bin gebürtige Niederländerin und lebe heute mit meiner Familie in Essen. Die Betonung liegt auf heute, denn ich hatte weltweit schon so einige Domizile. Nach meinem Studium (siehe erstes Foto) war ich viele Jahre als Marketing- und Vertriebsleiterin und als Geschäftsführerin renommierter Firmen tätig. Meine große Leidenschaft aber ist die Malerei, die Musik und das Schreiben, das ich nach dem Verkauf meiner Firma 2004 zu meinem Beruf machte. Mein Spezialgebiet: Suspense-Thriller und Psychothriller, in denen ich das Böse poetisch und spannend pervertiere. Meine Romane haben fast alle einen realen Hintergrund. Räuber- und Gendarm-Krimis überlasse ich meinen KollegInnen. Das können die viel besser.
Die Presse nennt mich zwar „Thriller-Queen“, aber das bin ich sicher nicht. Ich schreibe über wahre Verbrechen wie in meinem neuen Roman „Zeilengötter – Bis dass der Tod uns scheidet“. Die psychologischen Aspekte hinter einer Tat zu beleuchten, interessiert mich mehr, als die Aufklärungsarbeit der Polizei. Das ist meine Stärke. 90% der Tötungsdelikte sind ja bekanntlich Beziehungstaten.
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Als aktive Musikerin besitze ich die Fähigkeit, auch gut zuhören zu können. Das kommt mir bei meinen Recherchen zugute. Ich kann mich sehr gut in andere Personen hineinversetzen und zuhören. Ich glaube, dass mein Gegenüber merkt, dass ich mich wirklich für den Menschen interessiere.
Beraten werde ich von Forensikern, Psychologen, Gentechnologen, Pathologen und Medizinern, Täter und den Behörden. (Bild zwei zeigt mich in der Polizei Essen, Bild 3 in der Rechtsmedizin Köln.)

Neben Thrillern schreibe ich auch Romane und ab und zu mal eine Kurzgeschichte. Drehbücher und Theaterstücke entstehen unter Pseudonym. Die Filmrechte für das Drehbuch „Zeilengötter – Bis dass der Tod uns scheidet“ wurde bereits in die USA verkauft. Das war eine große Freude für mich.
Ich bin Mitglied der Mörderischen Schwestern e.V., und als Kultur-Redakteurin für das erfolgreiche Online-Portal FRAUENPANORAMA tätig. Insgesamt habe ich 12 Bücher geschrieben.

Wie bist du eigentlich zum Schreiben gekommen? Ist es bei dir wie bei vielen Autoren ganz klassisch, dass du schon immer geschrieben hast und deine Worte immer umfangreicher wurden und irgendwann das erste Buch dabei herauskam, oder hat dich einfach die Muse ganz plötzlich und unerwartet geküsst?
Ich hatte einen tollen Lehrer, der mich zum Schreiben animiert hat, nachdem er einen poetischen Text über den Garten meiner Großmutter gelesen hatte. Den ersten Thriller mit dem absurden Titel „Kaltes Händchen“ habe ich mit 13 geschrieben. Warum es ein Thriller war, weiß ich nicht mehr genau. Er landete im Papierkorb.
Nach dem Studium habe ich viele Jahre im Vertrieb und im Marketing gearbeitet und ein Unternehmen gegründet. Auf den Flughäfen dieser Welt trifft man viele Menschen. Was ich während der beruflichen Reisen so alles erlebt habe, das füllt schon einige Notizbücher. Darin blättere ich immer wieder, um mir Anregungen für eine Figur zu holen.
Derzeit entsteht ein wunderbares Manuskript über Liebe und Luxus. Es darf ja heute kein normaler Arzt mehr sein. Der Milliardär oder der Millionär muss her. 😀

astrid-korten-2Liest du gerne?
Sehr gerne. Insbesondere Romane der Literaturkritiker wie Scheck, Biller, etc. Was die großen Verlage derzeit auf den Markt werfen, entspricht einem dümmlichen Mainstream. Für wie blöd halten viele Verlage den Leser eigentlich? Ich rezensiere ja auch für Frauenpanorama. Und was mir da manchmal ins Haus flattert, landet zu 70% im Papierkorb. Es gibt so viele gute Autoren und Autorinnen.

Erinnerst du dich an Herzensbücher aus deiner Kindheit und Jugend?
Ja. Mein Lieblingsroman war Sturmhöhe von Emily Brontee. Es ist es bis heute geblieben. Als Teenager habe ich Hedwig Courts-Mahler verschlungen. Brrrrrrr. Wahrscheinlich schreibe ich deshalb heute Thriller.

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Findest du es wichtig, dass Kinder und Jugendliche lesen?
Unbedingt. Lesen bildet, öffnet den Horizont und fördert den Sprachschatz.

Wo schreibst du am liebsten?
Im Winter am Schreibtisch, im Sommer im Garten-Pavillon.

Magst du deine Charaktere?
Sobald ich den „Bösen“ skizzieren möchte, höre ich vorher Heavy Metal. Das bringt mich in Stimmung. ;). Für die Guten hebe ich mir die klassische Musik auf. Aber sie mögen? Muss ich als Autor meine Figuren mögen? Keine Ahnung. Darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich mag meine Arbeit und die realen Menschen, mit denen ich mich gerne umgebe.
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Du schreibst ja sehr vielseitig, in unterschiedlichen Genres. Ich finde diese Wandelbarkeit des Schreibens faszinierend. Wie stellst du dich innerlich auf die verschiedenen Bereiche ein? Wenn ich einen Roman lese, brauche ich innerlich und äußerlich ein anderes Feeling, als wenn ich in einem Thriller unterwegs bin. Geht dir das beim Schreiben ähnlich?
Ja, das ist so. Man kann keinen Thriller und gleichzeitig einen Roman schreiben. Also, ich kann es nicht. Beim Roman „Die verlorenen Zeilen der Liebe“ hatte ich immer sanfte
Musik im Hintergrund.
Bei meinem aktuellen Thriller „Zeilengötter“ beispielsweise war es Hardrock. Es geht hier um Gewalt in der Ehe. Da kann ich kaum Softmusik hören.

Gibt es ein Genre, in dem du dir niemals vorstellen könntest, ein Buch zu veröffentlichen?
Ja, heftige Erotik und Horror. Hab‘s mal versucht. Geht nicht.
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Wieviel Zeit investierst du in deine Bücher? Du schreibst ja keine Allerweltsbücher, sondern greifst häufig sensible Themen auf, für die du wahrscheinlich manchmal auch aufwendig und einfühlsam recherchieren musst.
Ich recherchiere viel, führe viele Gespräche, bin in dieser Phase viel unterwegs. Nach Abschluss der Recherchen wird das Schreiben zum Fulltime-Job. Ich setze mich um neun Uhr an den Schreibtisch und arbeite konzentriert acht Stunden. In der Endphase auch nachts.

Wie findest du deine Themen? Stolperst du darüber, oder suchst du gezielt nach interessanten „Geschichten“, aus denen du dann deine Bücher erschaffst?
Die Themen ergeben sich oft während der Recherchen. Nehmen wir mal „Eiskalter Plan“. Da habe ich 170 Frauen interviewt. Über diese Ergebnisse könnte ich noch zehn Bücher schreiben.
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Beim Lesen geht es manchmal emotional sehr tief. Deine Bücher rütteln auf, schockieren und zeigen mit dem literarischen Finger auf so manches Tabuthema. Wie schwer fällt da das Schreiben? Geht dir die Recherche nahe, oder schaffst du es, dich da ein bisschen auf Abstand zu halten?

Einer Figur körperlichen/seelischen Schmerz zuzufügen, fällt mir als Autorin nicht schwer, da ich beim Schreiben eine große Distanz habe. Ich denke da vielmehr an den Leser. Was kann ich ihm zumuten. Über so manchen Thriller wurde ja gesagt, dass er brutal sei. Das ist so nicht richtig. Das Verbrechen wird poetisch pervertiert, aber dient niemals der Effekthascherei. Das ist der große Unterschied zum Mainstreamthriller.
Eine Herausforderung ist es jedoch, wenn ich einen Thriller mit wahrem Hintergrund – wie Zeilengötter – schreibe. Da spreche ich im Rahmen meiner Recherche mit Opfern um die seelischen und körperlichen Qualen authentisch wiederzugeben. Das berührt mich dann auch noch beim Schreiben.

astrid-korten-5Deine Bücher ziehen manchmal auch weitere Kreise. Ist es das, was dir am meisten am Herzen liegt, nämlich auf Missstände aufmerksam zu machen und möglicherweise Reaktionen von höherer Stelle zu erwirken, oder ist das nur ein schöner Nebeneffekt, der sich neben guter Unterhaltung einstellt?
Das Thema Überwachungssoftware, Drohnen und der Einsatz der Mindmachine haben mich als Autorin schon immer interessiert. Sie in „Eiskalte Verschwörung“ aufzugreifen, hat mich fasziniert. Denn was heute als „anonym“ gilt, kann morgen schon eine grobe Persönlichkeitsverletzung darstellen. Deshalb ist Transparenz in Sachen Überwachung so wichtig. Im Zeitalter der NSA-Schnüffler und anderer umstrittener Methoden zur Massenüberwachung wecken neue Technologien Ängste. Durch eine aktive und offene Kommunikation können die verantwortlichen Stellen zur Beruhigung beitragen und Missverständnissen vorbeugen. Besonders wichtig ist es, die physische wie auch die digitale Identität zu schützen. Nicht alle Probleme lassen sich am PC lösen. Menschen mit gesundem Menschenverstand sind der Technik noch immer in vielen Belangen überlegen. Und Denis Simonet hat einmal in einem Artikel erwähnt, dass er keine sterile Welt möchte, wo alle Menschen so handeln, dass sie nicht von einer Software erfasst werden. Wir brauchen keine einheitliche, sondern eine lebendige und freie Gesellschaft und sollten darauf achten, dieses Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Eine buchige Schwangerschaft – von der Idee bis zur Auslage in den Buchhandlungen (oder dem Erscheinen des Ebooks 😉 ) – kostet vermutlich ganz schön viel Kraft. Wie kannst du anschließend am besten entspannen und deine Akkus auffüllen?
Ich schalte einfach ab. Urlaub, lesen, relaxen. Aber das hält nicht lange an, bis meine Finger wieder über die Tastatur gleiten.

Wie wichtig ist dir die Nähe zu deinen Lesern?
Mag ich sehr. Wenn eine konstruktive Diskussionen entsteht, finde ich das toll. Ich freue mich immer wieder auf meine Leserunden und auf die Treffen während Lesungen und der Buchmesse.

Wie wichtig ist dir ein Feedback? Leider finden sich neben vielen begeisterten auch immer mal wieder kritische Stimmen. Wie gehst du damit um?
Damit müssen wir Autoren leben. Wenn die Kritik sachlich begründet wird, ist es okay. Daraus lernen wir. Alles andere lese ich nicht. Der Leser, der sich für mein Buch interessiert, weiß sehr wohl um diese „dem Autor-Schaden-wollen-Kritik“.
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Jetzt habe ich noch eine kleine brainstorminge Aufgabe für dich.
Mein Begriff meets deine spontanen Gedanken dazu 🙂

Glück – meine Familie
Kraft – aus der Natur
Tabu – Mobbing
Menschen – Respekt
Reichtum – immer willkommen
Helfen – Humanität
Natur – Atmen
Geburt und Tod – Leben
Zufall oder Bestimmung? – weder noch
Einsamkeit – traurig
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – da fehlt der „Tod“
Erfolg – nett
Social Media – schwierig
Marketing – mag ich
Blogger – notwendig
Lesungen – kommt drauf an
Vorbilder – mein Großvater
Lebensziele – viele Bücher schreiben und reisen
Dein Lebensmotto – Respekt und Loyalität

Ich danke dir sehr für dein Feedback, liebe Astrid, und wünsche dir weitere tolle Ideen für Bücher, die sowohl dich als auch deine Leser erfreuen 🙂
Aber ich glaube, die hast du sowieso.

Das Copyright für alle Fotos liegt bei Astrid Korten und ich danke für die Erlaubnis zur Verwendung.

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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