*+* Jennifer B. Wind: „Als der Teufel erwachte“ *+*

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„Bei einer Autoreparatur entdecken Mechaniker zwei Leichen im Kofferraum eines Wagens. Die Toten weisen  zahlreiche Verletzungen und Narben auf. Die Ermittler Jutta Stern und Thomas Neumann kommen einem  Schlepperring auf die Spur, der mit grausamen Methoden arbeitet. Und die beiden Toten sind erst der Anfang …“ (Text des Buchrückens)

Wer nun denkt, mit „Als der Teufel erwachte“, habe er einen spannenden, atemberaubenden Thriller vor sich, liegt nicht ganz richtig, denn er bekommt noch so viel mehr dazu.

Der Fall der beiden Kofferraum-Leichen zieht das Ermittlerteam Jutta Stern und Thomas Neumann in ihrem zweiten Fall schnell in die Flüchtlings-Thematik hinein. Die Ermittlungen selbst nehmen nicht den größten Raum ein, der Thriller lebt eher von den im gewaltigen Rahmen übermittelten, interessanten und aufrüttelnden Hintergrundinformationen. Die Opfer scheinen allesamt Flüchtlingskreisen zuzuordnen zu sein. Zu diesem Thema – wie auch zu allen weiteren, die im Laufe der Geschichte aufgegriffen werden – hat die Autorin akribisch recherchiert und trägt ihr Wissen sehr hautnah an den Leser heran.
Für mich waren häufig die wirklich verstörenden Momente nicht jene, die direkt mit den Morden zu tun hatten, sondern eher solche, durch die die menschenverachtende, skrupellose Behandlung der einst hoffnungsvollen Menschen erst ermöglichten.

Erzählt wird „Als der Teufel erwachte“ in mehreren Strängen, bei denen aus wechselnden Perspektiven verschiedener Personen berichtet wird. In ihrem zweiten Thriller nimmt sich die Autorin wesentlich mehr Zeit und Raum, um dem Leser ihre Ermittler vorzustellen, als in ihrem Debut „Als Gott schlief“. Das dämpft zwar immer wieder etwas die Spannung, die der eigentliche Fall und die entsprechenden Ermittlungen nach sich ziehen, schafft aber andererseits eine sehr große Nähe zu den Figuren im Buch.
Weitere Erzählstränge sind einigen der flüchtenden Menschen gewidmet. Jennifer B. Wind berichtet aus deren Sichtweise die Geschehnisse. Sie tut das so eindringlich, als hätte sie diesen Höllentrip selbst durchlebt.
Selbst routinierte Thrillerleser werden hier an einigen Stellen zu kämpfen haben – ich schließe mich mit ein – denn das wahre Leben schreibt manchmal die grausamten Drehbücher.

Die Charaktere sind großartig gelungen. Je nach Relevanz für den Thriller werden sie mehr oder weniger detailliert herausgearbeitet und rücken so automatisch stärker oder schwächer in den Fokus und das Interesse des Lesers. Man kann sich dennoch ein recht lebendiges Bild von allen Protagonisten machen.

Trotz der umfangreichen Themenvielfalt, die sich ja hauptsächlich um die Odyssee der vor dem Krieg flüchtenden Menschen handelt, ist der Schreibstil erstaunlich flüssig, und die Seiten fliegen nur so dahin. Die regelmäßigen Perspektivwechsel unterstützen dies zusätzlich und es fällt sehr schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Zum Ende hin steigert sich das Tempo immer mehr und präsentiert eine rasante Auflösung, die im Nachklang möglicherweise den einen oder anderen seine Prioritäten überdenken lässt.

Trotz der Mischung aus Kurzweiligkeit und Spannung weist der Thriller eine ungewöhnlich große Tiefe auf und man kann ihn nach dem Lesen nicht einfach zuklappen und zum nächsten Buch greifen. Die vielen enthaltenen Denkanstöße müssen verarbeitet werden.

Man spürt auf jeder Seite, wie sehr der Autorin ihr gewähltes Hauptthema am Herzen liegt, wie wichtig ihr diese fremden Menschen sind, wie sehr sie mit ihnen mitfühlt und es ihr in den Fingern juckt, ihnen helfen zu wollen, ihnen eine Lobby zu geben, eine Lanze für sie zu brechen. Der warmherzige Unterton, der im gesamten Buch spürbar ist, sollte uns erreichen und wenigstens dem einen oder anderen die Inspiration und den Mut schenken, einen objektiven Blick über den Tellerrand zu werfen.

Gute Spannung, aktuelle Themen, umfangreiche Hintergrundinformationen, toller Plot und große Tiefe – was will man mehr?

Autorin
Jennifer B. Wind wurde 1973 in Leoben geboren und lebt mit ihrer Familie in Niederösterreich. Die ehemalige Flugbegleiterin mit einem Faible für Australien schreibt Romane, Drehbücher und Kurztexte, die bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden. Ihr Debütroman »Als Gott schlief« entwickelte sich aus dem Stand zum Bestseller.
Quelle: Emons Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Jennifer B. Wind: „Als der Teufel erwachte“ *+*

  1. nilibine70 schreibt:

    Ab auf die Neverending Wunschliste 😉

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