*+* Teresa Simon: „Die Holunderschwestern“ (Hörbuch) *+*

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Katharina liebt es, alte Möbel zu restaurieren. Sie betreibt gemeinsam mit ihrer Freundin eine eigene Werkstatt. Ebenfalls kocht sie leidenschaftlich gerne, vor allem die Rezepte ihrer Großmutter Fanny.

Als sie eines Tages unerwarteten Besuch von Alex bekommt, der ihr aus einem Archiv die Tagebücher ebendieser Großmutter Fanny überbringt, ist Katharinas Neugierde geweckt. Sie verfällt sofort dem Sog, den die Erzählungen – beginnend im Jahre 1918 – auslösen. Bei mir dauerte es nicht viel länger, bis ich ebenso ungeduldig und gespannt die Einträge verfolgte.

Ich lernte gemeinsam mit Katharina die junge Fanny ebenso wie ihre Zwilingsschwester Fritzi kennen. Franzi will ihrer heimatlichen Provinz entfliehen und siedelt nach München um. Sie hat unglaublich viel Glück, findet eine gute Beschäftigung bei einer Familie, die sie sofort in ihr Herz schließt – und umgekehrt. Auch in ihrer Freizeit erlebt sie interessante, bereicherne Begegnungen und findet schnell Anschluss an den künstlerischen und kulturellen Teil der Münchener Gesellschaft. Das einzige, das ihr fehlt, ist Fritzi. Auch die vermisst ihr Schwester immer mehr und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sie ihr nach München folgt.

Obwohl sie Zwillinge sind, scheint sie charakterlich bald mehr zu trennen als zu einen. Ob in Liebesdingen, im Beruflichen, in der allgemeinen Weltanschauung, politischen Belangen – ich verfolgte die Entwicklung der Schwestern interessiert. Mehr hingezogen fühlte ich mich eindeutig zu Fanni, die stets bemüht war, aus allem das Beste zu machen, stets hilfreich und gütig war. Mit der halsstarrigen Fritzi in ihrem Neid, ihrer Sorglosigkeit und auch ihrem Draufgängertum konnte ich mich rein gar nicht identifizieren. Trotzdem strahlte auch sie eine Aura aus, der ich mich nicht entziehen konnte. Das einst so inniges Verhältnis der Schwestern verwandelte sich nach und nach in eine Art Hassliebe, denn die beiden entfremdeten sich immer mehr.

Je mehr Katharina aus dem Tagebuch erfährt, umso mehr stellt sich ihre Welt auf den Kopf. Denn das, was sie von ihrer Familie zu wissen glaubt, bekommt nun an einigen Stellen einen ganz anderen Anstrich. Die Restauratorin ist so in den Geschehnissen der alten Zeit gefangen, dass sie beinahe ihren eigenen Weg nicht mehr erkennt und so fast ihr Glück verpasst – aber nur fast. Ich fieberte mit ihr, sowohl beim Lesen der Tagebücher als auch bei den Entwicklungen in ihrem eigenen Leben.

Das aktuelle Herzensprojekt in Katharinas Werkstatt passt ganz wunderbar zu den aktuellen Geschehnissen und den Offenbarungen aus Fannys Tagebüchern. Was diesen wunderbaren Roman noch ein Stück runder macht, ist eine faustdicke Überraschung, die Teresa Simon zum guten Schluss noch aus ihrem literarischen Hut zaubert!

Die Autorin schaffte es, mich nach „Die Frauen der Rosenvilla“ erneut zu verzaubern. Die Erzählung ist durch ihren steten Wechsel zwischen Katharinas Leben und ihrem Eintauchen in die Tagebücher der Großmutter kurzweilig und abwechslungsreich geraten. Der Erzählstil lässt den Hörer durch die Geschichte fliegen, denn ich wollte eigentlich weder den einen noch den anderen Schauplatz verlassen….

Ebenfalls wussten mich die Charaktere zu überzeugen. Sie sind allesamt sorgfältig aufgebaut und mit Leben gefüllt. Somit wirken sie authentisch und ihr Verhalten ließ sich sowohl bei den Sympathieträgern als auch bei den mir nicht so beliebten Figuren gut nachvollziehen.

Die gut gelungene Rahmenhandlung um Katharina, die mit viel Liebe und Sachverstand alte Möbel wieder zum Strahlen bringt, hat mich ebenso begeistert wie das gemeinsame Eintauchen mit ihr in Großmutters Tagebuch. Zu hören, wie Fanny gelebt, was sie erlebt hat, aber auch die immer wieder eingestreuten geschichtlichen Einblicke in das damalige München zu erhalten, hat mir großen Spaß gemacht!

„Die Holunderschwestern“ bietet kurzweilige, gehaltvolle Unterhaltung mit hohem Suchtfaktor – daran ist übrigens auch die Sprecherin Christiane Marx nicht ganz unschuldig, die die Erzählung lebendig, einfühlsam und gefühlvoll an den Hörer heranträgt!

Inhalt
München 1918. Die junge Fanny – Franziska – sitzt im Zug nach München und will der Provinz entfliehen. Ihre sensible Zwillingsschwester Friederike musste sie zurücklassen. Als die reiche Witwe Dora mit ihren beiden Kindern zusteigt, ahnt Fanny noch nicht, dass ein tragisches Schicksal seinen Anfang nimmt.

München 2015. Katharina erhält einen Brief aus London: In einem Archiv wurden Tagebücher ihrer Großmutter Franziska gefunden. Katharina wird neugierig. Wie kommt es, dass die Aufzeichnungen ihrer Urgroßmutter, einer einfachen Köchin, in London verwahrt werden?

Autorin
Teresa Simon ist das Pseudonym einer bekannten deutschen Autorin. Sie reist gerne (auch in die Vergangenheit), ist neugierig auf ungewöhnliche Schicksale, hat ein Faible für Katzen, bewundert alles, was grünt und blüht, und lässt sich immer wieder von stimmungsvollen historischen Schauplätzen inspirieren.

Sprecherin
Christiane Marx, geboren 1974, ist ausgebildete Schauspielerin und seit 2006 auch in zahlreichen Hörspielen und -büchern als Sprecherin zu hören. Dabei überzeugt sie mit ihrer warmen und lebendigen Stimme bei erotischen Romanen genauso wie bei spannenden Krimis.
Quelle: Random House

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Teresa Simon: „Die Holunderschwestern“ (Hörbuch) *+*

  1. Ela schreibt:

    Ab auf die Wunschliste damit 🙂

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