*+* Cristina Caboni: „Die Honigtöchter“ *+*

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Die Honigtöchter
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Angelica ist Wanderimkerin. Aber nicht nur ihre Aufträge führen sie durch das Land. Die Frau ist auch getrieben von einer großen inneren Unruhe. Sie versucht energisch, ihrer Vergangenheit zu entfliehen. Das sehr merkwürdige Verhältnis zu ihrer Mutter umkreist sie ebenso wie ihre große Jugendliebe, die sie damals genauso Hals über Kopf verlassen musste wie die geliebte Patentante Jaja, Angelicas damalige einzige erwachsene Vertrauensperson. Und auch ihre alte Heimat hält sie eisern in ihrem Herzen unter Verschluss – das Dorf, seine Bewohner, die großartige Natur. Wie tat mir die Bienenfreundin leid. Die Vergangenheit quälte sie spürbar. Aber wie so häufig wird auch Angelica von ihr eingeholt und deren Verdrängung ist von da an nicht mehr möglich. Sie muss sich den Erinnerungen stellen, sich ihnen zuwenden, sie wieder mit Leben füllen und ihr Herz öffnen.

Denn als Jaja stirbt, erbt Angelica deren gesamtes Hab und Gut. Ebenso wird ein Geheimnis lebendig, etwas, mit dem sie zunächst nicht umzugehen weiß. Es erschüttert das zarte Band, das Angelica mit ihrer Mutter verbindet und an einigen Stellen fürchtete ich, dass es zerreißen könnte. Auch mit Nicola verbindet Angelica nicht nur schöne Erinnerungen. Nun begegnet er ihr nach so vielen Jahren wieder und scheint in eine suspekte Angelegenheit verwickelt. Wie soll sie sich verhalten? Kann sie ihm vertrauen, oder benutzt er sie nur? Nicola verleiht der zauberhaften Geschichte einen wunderbar romantischen, kitschlosen Hauch. Durch die nebulöse Angelegenheit, in die er verwickelt zu sein scheint, blitzt an einigen Stellen aber auch hin und wieder Spannung auf.

Ich war ebenso ratlos wie Angelica. Soll sie ihr Vagabundenleben in der freien Natur aufgeben? Die gewählte Einsamkeit ablegen, die Gesellschaft der Bienen gegen die der alten Heimat eintauschen? Kann sie ihrer einst großen Liebe vertrauen – will sie das überhaupt? Man spürt, wie Angelica immer wieder das Herz schwer wird, wie sie in der Luft hängt, wie sich fühlt, wenn jede Entscheidug die falsche zu sein scheint.

Jedoch weisen ihr einige Erlebnisse den Weg, den sie zu gehen hat. Als die Zukunft des malerischen, verwunschenen Dorfes in eine ganz und gar unerwünschte Richtung gedrängt werden soll, weiß sie plötzlich ganz genau, wo und an wessen Seite ihr Platz ist! Dennoch kommt ihr nicht an einem einzigen Tag in den Sinn, ihre Liebe zu den Bienen aufzugeben, ganz im Gegenteil! Diese spielen zudem eine tragende und entscheidende Rolle für den Ausgang des Romans!

Nachdem mich die Autorin im letzten Jahr mit ihrem Roman „Die Rosenfrauen“ ganz wunderbar in die Welt der Düfte entführt hatte, gelingt es ihr nun ebenso sehr, mich mit der Welt der Bienen, des romantischen Dorfes und der Hauptprotagonistin zu verzaubern. Die Charaktere sind eine bunte Mischung wie ein Strauß Wildblumen. Einige fand ich betörend und zauberhaft, andere widerum konnte ich nicht gut riechen. Alle zusammen ergaben aber ein großartiges Potpourri, das mich durch den Roman trug.

Der Schreibstil ist flüssig, leicht bis zäh, fröhlich, traurig und nachdenklich – je nachdem, ob wir uns gerade in der Natur befanden, in Angelicas Gefühlswelt oder in der Gesellschaft der Dörfler. Ganz wunderbar flicht Cristina Caboni ihre Naturverbundenheit im Allgemeinen und ihre Liebe zu den Bienen im Besonderen in „Die Honigtöchter“ ein. Und so wie die Natur es vormacht, funktioniert schließlich auch wieder das Dorf – man arbeitet zusammen und nicht gegeneinander und ergänzt sich so, dass für alle eine optimale Wirkung erreicht wird.

Inhalt
Kurz nach Sonnenaufgang verlässt Angelica Senes eine Landstraße in Südfrankreich und folgt einem von Rosmarin und Lavendelbüschen gesäumten Weg. Sie sucht den Bienenstock auf, den man ihr anvertraut hat. Sie ist reisende Imkerin, und sie liebt ihre Freiheit. Auch wenn sie dabei das türkisblaue Meer ihrer Heimat Sardinien vermisst. Erst als ihre Patentante stirbt und ihr ein Cottage hinterlässt, kehrt Angelica zurück. Doch dort muss sie sich dem stellen, was sie einst zurückließ: ihrer Familie, den Geheimnissen der Insel – und Nicola, dem Mann, an den sie schon als Kind ihr Herz verlor …

Autorin
Cristina Caboni lebt mit ihrer Familie auf Sardinien, wo sie Bienen und Rosen züchtet. Die Welt der Düfte und Essenzen, in der ihr Debütroman Die Rosenfrauen spielt, ist ihre große Leidenschaft.
Quelle: blanvalet Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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