*+* Andreas Izquierdo: „Romeo & Romy“ *+*

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Romeo und Romy
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Romy zieht sich nach ihrem Jobverlust nach Großzerlitsch zurück. Ihre Oma Lene ist kürzlich verstorben und hat Romy ihren Grund und Boden vermacht. Die junge Frau ist am Scheideweg ihres Lebens angekommen.
Soll sie sich weiter von anderen abhängig machen, die Rollen spielen, die andere ihr zugedenken? Wäre das die Romy aus Shakesperase weltbekanntem Werk, wäre Romy begeistert dabei. Bisher ist allerdings nur der Job der Souffleuse für sie abgefallen…
Oder soll sie es wagen und ihrem Hirngespinst nachgeben? Die Scheune von Oma Lene ist zwar in einem scheulichen Zustand, aber sie wäre der Herzensort, um Romys Traum, ein elisabethanisches Theater, zu verwirklichen und im Idealfall später dann dort die Julia zu geben?

„Die Zeit verbraucht nicht nur den Körper. Sie verbraucht auch den Geist. Für dich gibt es noch viel zu erleben, für uns nicht mehr.“

Jedoch muss sie erst die Großzerlitscher dafür gewinnen – kein leichtes Unterfangen. Denn die Dörfler, allesamt kurz vor dem Verfallsdatum, haben gerade ganz andere Probleme. Hausgemachter Natur zwar, aber dennoch essentiell für die Alten. Ein weiteres Problem ist die Finanzierung des Projekts. Aber wie heißt es so schön…“Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Romy wirft ihre ganze Überzeugungskraft in den Ring und plötzlich scheint das Unterfangen gar nicht mehr so abwegig zu sein.

Das Geheimnis lautet wie so oft, sich zu helfen, anzupacken, zusammenzuhalten, Vorurteile über Bord zu werfen und gemeinsam an einem Strick zu ziehen – und zwar in dieselbe Richtung.
Romy, die in Großzerlitsch so etwas wie den Status der kollektiven Dorf-Enkelin hat – schließlich wurde sie nach dem frühen Tode der Mutter von Oma Lene großgezogen – hat da leichtes Spiel, denn wer kann ihr schon einen Wunsch abschlagen. So wird kooperiert, was das Zeug hält, in die Hände gespuckt und gehobelt, dass die Späne fliegen. Und doch braucht es noch einiger Impulse von außen, um dem Projekt endgültig zum Erfolg zu verhelfen.

„Heimat war nicht das, was man sah, sondern das, was andere niemals sehen würden.“

Als Geheimwaffe erweist sich überraschenderweise immer wieder Ben, ehemaliger Kollege Romys aus dem letzten Ensemble. Er ist zwar ein Windhund und Schürzenjäger, findet zielsicher alle Fettnäpfchen, was ihm bei Romy mehr Minus- als Pluspunkte einbringt, aber er hat das Herz am rechten Fleck. Das merkt man im Verlauf des Romans immer mehr. Ben weiß genau, wie er bei den alten Dorfbewohnern punkten kann. Ich hätte ihn als Partner nicht geschenkt haben wollen, aber er ist ein Freund zum Pferde stehlen und bei allem, was er tat, hatte er das Wohl der Großzerlitscher im Blick. Die Menschen dort brauchten Zuspruch, jemanden, der ihnen Mut machte, der an sie glaubte und Ben gab ihnen mit seiner großartigen Wertschätzung dieses Gefühl der Zuversicht. Nebenbei hoffte er natürlich auch, mit seinem Engagement bei Romy zu punkten. Ob es half?

„Sie bauten sich nicht nur ein Theater.
Sie bauten sich ein neues Leben.“

Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet. Sehr konstruiert und extrem auf ihre Art, aber sind wir das nicht irgendwie alle – extrem? Jeder auf seine Weise? Das Geheimnis liegt doch darin, jeden so zu nehmen, wie er ist. Sich nicht wegen irgendwelcher Macken voneinander zu entfernen sondern zusammen am gemeinsamen Ziel zu arbeiten, das da in welcher Form auch immer doch meist friedliche Gemeinschaft heißt. Auch bringt es nichts, alten Ballast mit sich mitzuschleppen. Der lenkt nur vom Glück und der Zufriedenheit ab.

Zu Beginn habe ich nur sehr schwer in die Geschichte hineingefunden, aber als der Knoten erstmal geplatzt war, gab es kein Halten mehr.
Die Erzählung ist einfach nur bezaubernd und hat eine ähnlich beglückende Wirkung auf mich wie bisher „Der Club der Traumtänzer“ und „Das Glücksbüro“, ebenfalls beide von Andreas Izquierdo.

„Romeo & Romy“ ist eine einzige Liebesgeschichte, jedoch nicht in erster Linie auf die Partnerschaften zwischen Menschen bezogen, sondern vielmehr auf die Menschlichkeit, das Leben selbst und dessen großartigen Zauber.

„Wer sich jetzt hierher verirrte, weil er versehentich in den falschen Bus gestiegen war, mochte denken, dass er sein eigentliches Ziel nicht um Kilometer, sondern um Jahrhunderte verpasst hatte.“

Ich mochte die Charaktere, jeden auf seine Weise – mal von den wenigen Spielverderbern abgesehen – sehr gerne. Die liebenswerten Macken und die Geschichte, die hinter jedem steckte. Ich fühlte mich überhaupt wohl in diesem Dorf, das wie aus der Zeit gefallen anmutete. Großzerlitsch wirkt wie eine Kulisse, die Bewohner wie ein Volk liebevoll-schrulliger Laien-Darsteller. Wo besser als hier könnte ein elisabethanisches Theater hinpassen?

Inhalt
Romy könnte eine große Schauspielerin sein, aber niemand sieht sie, denn sie ist nur die Souffleuse. Aber auch das nicht lange, denn nach einem harmlosen Flirt mit Hauptdarsteller Ben, dessen einzige schauspielerische Glanzleistung sein Auftritt als »Frischedoktor« in einem Waschmittelspot ist, wird sie gefeuert. Und Ben kurz nach ihr.
Romy kehrt zurück in ihr winziges Dorf, um dort ihr Erbe anzutreten. Hier leben nur noch Alte. Und die haben sich in den Kopf gesetzt, rasch das Zeitliche zu segnen, denn auf dem Friedhof sind nur noch zwei Plätze frei. Wer da zu spät kommt, muss auf den Friedhof ins Nachbardorf. Und da gibt es – wie jeder weiß – nur Idioten.
Romy schmiedet einen tollkühnen Plan: Sie will mit den Alten ein elisabethanisches Theater bauen. Aus der gammeligen Scheune hinter ihrem Hof. Und mit ihnen Romeo und Julia auf die Bühne bringen. Sie haben kein Geld, keine Erfahrung, aber einen Star: Der »Frischedoktor« soll Regie führen! Ben ist begeistert: Regisseur! Das könnte unter Umständen der erste Job werden, den er nicht voll gegen die Wand fährt …
Bestsellerautor Andreas Izquierdo (Das Glücksbüro, Der Club der Traumtänzer) erzählt in seinem neuen Roman Romeo & Romy, wie ein Mauerblümchen seine Schüchternheit überwindet, gegen alle Widerstände seinem Traum folgt und damit nicht nur ein ganzes Dorf zu neuem Leben erweckt, sondern auch die große Liebe und eine Heimat findet.

Autor
Andreas Izquierdo, geboren 1968, ist Schriftsteller und Drehbuchautor. Er veröffentlichte u. a. den Roman König von Albanien (2007), der mit dem Sir-Walter-Scott-Preis für den besten historischen Roman des Jahres ausgezeichnet wurde, sowie den Roman Apocalypsia (2010), der den Lovelybooks-Leserpreis in Silber für das beste Buch 2010 erhielt und zum Buch des Jahres bei Vorab-lesen.de gewählt wurde. Zuletzt erschienen von ihm die Bestseller Das Glücksbüro (2013) und Der Club der Traumtänzer (2014).
Quelle: Suhrkamp Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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