*+* Veit Etzold: „SKIN“ *+*

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SKIN
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Christian hat es geschafft! Er, der als Quereinsteiger auf die Branche der Wirtschaftsberater gestoßen ist, ist zur rechten Zeit am rechten Ort. Als Neuling beim Marktführer beweist er in einer brenzligen Situation ein glückliches Händchen – und ist drin im Geschäft!
Mit einigen Kollegen bildet er ein Team, um bei einem Großkunden ordentlich abzusahnen. Aber wo viel verdient werden möchte, muss auch viel Arbeit und Zeit investiert werden.

Neben einem interessant konstruierten Thriller brilliert Veit Etzold mal wieder durch seinen messerscharfen Blick über den Tellerrand. Er bekommt durch seine berufliche Tätigkeit weit herum und erhält immer wieder tiefe Einblicke, die er wie in seinen anderen Thrillern auch hier schlüssig und ausführlich in seine Story einbaut. Schon allein diese Machenschaften, dieser Weg, der von einigen Mitarbeitern skrupellos gegangen wird, um den größten Teil vom Kuchen zu bekommen, lasen sich wirklich beeindruckend. Ebenso geplättet war ich vom Gebahren der Arbeitgeber, die – man ahnt es längst – ihre Mannschaft gnadenlos aussaugen und diejenigen dafür als kleines Dankeschön gleich ins berufliche Nirwana befördern, wenn die Leistung mal nicht topp ist.

Der eigentliche Fall brauchte einiges, bis er sich richtig entfaltete. Das störte mich persönlich aber wenig, da mich die Schilderungen aus dem Wirtschaftsbereich fast ebenso fesselten.

Christian begreift schnell, wo der Hase langläuft. Durch sein anfängliches Glück auf den Geschmack gekommen, tut er alles, um nicht von seinem Olymp des Erfolges zu fallen. Schließlich möchte er sich und seiner Partnerin ein sorgenfreies und möglichst luxuriöses Leben bereiten. Besagte Partnerin wird jedoch immer unzufriedener, denn Christian hat immer weniger Zeit für sie.

Zum beruflichen Druck kommt also noch der private hinzu.
Doch es wird noch schlimmer, denn der aufstrebende Wirtschaftsberater macht mehrere grausige Entdeckungen und wird mit unglaublichen Situationen konfrontiert. Er beginnt, an sich selbst zu zweifeln. Frisst ihn der Arbeitsstress bereits jetzt so auf, dass er Wahnvorstellungen bekommt? Oder will ihm da jemand etwas in die Schuhe schieben? Aber was genau? Und warum eigentlich? Diese Geheimnisse werden im Verlauf des Thrillers nach und nach gelüftet. Eine Schlüsselrolle spielt dabei eine grausame Begebenheit aus der Vergangenheit.

Obwohl mir Christian mit seiner naiven und unreflektierten Art nicht sehr sympathisch war, tat er mir dennoch leid. Denn was bei den Ermittlungen herausgefunden wurde, war hart. Zudem hatte ich mit alledem ebenso wenig gerechnet wie er. Es gab einige Irrungen, Wirrungen und Holzwege, aber ganz findige Leser könnten schon eine Idee der Täterschaft bekommen. Wer gerne knobelt und miträtselt, ist mit „SKIN“ gut beraten.

Die Charaktere sind in ihrer Tiefe angemessen gestaltet. Man weiß sie ziemlich schnell einzuordnen, beziehungsweise ahnt, wie sie ticken. Ebenso schnell ist man geneigt, seine Sympathien zu verteilen. Aber ob man damit wirklich immer richtig liegt?
Der Stil ist sehr ausführlich, könnte dem einen oder anderen zu detailliert sein. Manchmal hatten die Einblicke in die Branche eine größere Gewichtung als der eigentliche Thriller, was die Geduld des Lesers ganz schön herausfordert. Mir hat es allerdings gut gefallen, diese ausschweifenden Blicke hinter die Kulissen werfen zu können.

Zu Beginn passiert bezüglich der Verbrechen nicht viel. Nur selten werden die Erzählungen aus Christians Welt durch Passagen des später ermittelnden Kriminalbeamten unterbrochen. Mit zunehmender Seitenzahl kommt die Polizei, die sich nicht immer mit Ruhm bekleckert, immer mehr ins Spiel. Die beiden Stränge rücken immer näher zusammen.

Tolle Spannungs-Spots bringen Rückblicke in die Vergangenheit, bei denen man lange Zeit nur erahnen kann, um wen es ich handelt und wie die damaligen Begebenheiten zu Christians merkwürdigem, aktuellem Schicksal passen. Zum Schluss hin ist aber alles sauber aufgelöst.

Mir hat der Thriller interessante und spannende Lesestunden beschert, ich bin regelrecht durch die Seiten geflogen. Wer gerne fundierte Zusatzinformationen zum Thriller-Setting mag, kommt auch bei diesem Etzold voll auf seine Kosten!

Inhalt
Als Christian den Link zu dem Video anklickt, ist er entsetzt über das, was er sieht: einen bis zur Unkenntlichkeit entstellten menschlichen Körper, der regungslos auf dem Wasser eines Swimmingpools treibt. Das ist nur der Höhepunkt einer ganzen Reihe von seltsamen Ereignissen, die sich in Christians sonst so geregeltem Leben plötzlich häufen. Doch als er sich der Polizei anvertraut, reagiert diese anders als erwartet. Christian hat das Gefühl, dass man ihm nicht glaubt. Als er weitere dieser grauenhaften Videos erhält, steht die Polizei plötzlich vor seiner Tür: Man hat herausgefunden, dass die E-Mails von seinem Account verschickt wurden. Und: Die Toten sind keine Fremden – Christian kannte sie alle …

Autor
Veit Etzold wurde 1973 in Bremen geboren. Schon früh interessierte er sich für Literatur unterschiedlicher Genres und schrieb bereits zu Schulzeiten seinen ersten Roman.
Nach seiner Ausbildung zum Offsetdrucker studierte er Anglistik und Medienwissenschaften in Oldenburg und London. 2005 promovierte er (Dr. phil.) in Medienwissenschaften zum Kinofilm Matrix über die Ambivalenz des Realen.
Zudem hängte er noch einen MBA an der IESE Business School in Barcelona, Madrid, Silicon Valley, New York  und Shanghai an. Im Anschluss war er in vielen internationalen Unternehmen als Berater tätig.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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