*+* Alex Winter: „Späte Rache“ *+*

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Späte Rache2
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Endlich konnte ich mal wieder lesend nach Australien reisen. Mich hatte es nach Douberie verschlagen, ebenso wie Daryl Simmons, meinen australischen Lieblings-Detective. Ich habe ihn schon fünfmal dabei erlebt, wie er auf seine unvergleichliche, unnachahmliche Weise Verbrechen aufgeklärt hat. Diesmal hatte er zur Verstärkung die Forensikern Dr. Foley dabei, und das war gut so. Denn was sich in diesem kleinen Dorf abspielte – jetzt und auch früher schon – war eine ganz harte Nuss.

Aber Daryl wäre nicht Daryl, wenn er nicht auch diesen Gordischen Knoten lösen könnte. Gemeinsam mit seiner Kollegin machte er sich daran, einen Überblick über das Dorf, dessen Bewohnern, ihrem Verhältnis untereinander, aber auch gegenüber den nahen Aborigines, zu gewinnen. Er zog alle Register, aber die Dörfler machten es ihm nicht leicht. Ihre Gemeinschaft hielt zusammen. Ob freiwillig oder irgendwelchen Zwängen geschuldet, ich vermochte es lange Zeit nicht zu sagen. Als dann aber der Detective und die Forensikerin endlich den Durchblick hatten, war ich wirklich erschüttert. Denn was sich da an menschlichen Abgründen auftat, war schockierend.

Die Geschehnisse werden völlig authentisch und glaubhaft übermittelt. Sowohl, was vor langer Zeit im Dorf geschehen war und immer noch passierte, als auch, was das Verhältnis zwischen den Weißen und den Aborigines betraf.

Alex Winter erzählt wie gewohnt detailliert und es fällt sehr leicht, sich den Schauplatz im australischen Busch vorzustellen. Die bezaubernde Flora und Fauna ist so umfangreich beschrieben wie die Charaktere ausgearbeitet sind. Obwohl es sich um eine, wenn auch kleine, Dorfgemeinschaft handelt und auch noch eine Gruppe von Aborigines eine wichtige Rolle spielt, macht sich der Autor die Mühe, jeden der Charaktere individuell, glaubwürdig und greifbar zu modellieren. Man spürt, wie sehr ihm das Unverfälschte des Landes am Herzen liegt – die Natur, aber auch die Ureinwohner. Durch seine zahlreichen Aufenthalte in Down Under weiß er, wovon er spricht und setzt sein Wissen geschickt und dem Krimi dienlich ein

So kann der Leser besonders gut die schon lange schwelenden Verfehlungen im Dorf verstehen. Ebenso begreift man, wie vertrackt ein Problem ist, wenn die beiden beteiligten Seiten in puncto Schuld und Vergeltung mit völlig verschiedenem Maß messen. Alex Winter schält hier sehr gut die Ansichten der Weißen und auch der Aborigines heraus. Und ehrlich gesagt ertappte ich mich immer wieder dabei, dass mein Herz eher im Takt der australischen Ureinwohner schlug.

Auch in puncto Spannung bewegt sich der Krimi auf hohem Niveau. Eine gewisse Grundspannung ist dauerhaft spürbar und sie wird immer wieder durch unerwartete Wenden und Rückblicke befeuert. Man ist geneigt, das Buch möglichst selten und dann auch nur möglichst kurz aus der Hand zu legen.
Schlitzohr Daryl muss man einfach mögen!

Dadurch, dass mich die ersten fünf Bände dieser Reihe sehr begeistert haben, hatte ich unbewusst hohe Erwartungen an diesen Krimi. Sie wurden mehr als erfüllt und ich möchte „Späte Rache“ allen Freunden dieses Genres und auch Australien-Fans empfehlen. Die Story überzeugt nicht nur in allen Punkten, der Autor bringt auch wie immer seine gründlichen Recherchen sehr gekonnt an den Leser!

Die bisher erschienenen Bände dieser Reihe sind
Ein Gespür für Mord
Die Toten von Moonlight Bay
Schwarzer Fluch
Mörderische Gier
Die Leiche im Wrack

Inhalt
»Er stand unter Wulgaru, dem Henkersbaum, und um seinen Hals lag eine Schlinge. Als sie sich langsam zuzog, stellte er sich auf die Zehenspitzen. Noch einmal sogen seine Lungen gierig die feuchte Luft ein. Es war sein letzter Atemzug, das wusste er.«

Wie eine Sintflut brechen die Ausläufer eines Zyklons über das Outback-Nest Douberie herein und schneiden die im dünn besiedelten Südwesten Queenslands gelegene Ortschaft von der Umwelt ab. Die Zeit für Hilfe drängt, denn in Douberie treibt ein Kurdaitcha-Mann, ein ritueller Eingeborenen-Henker, sein Unwesen. Drei weiße Einwohner sind ihm bereits zum Opfer gefallen, doch das scheint erst der Anfang zu sein.
Kurz nachdem Detective Daryl Simmons in Douberie ankommt, geschieht ein weiterer Mord. Sowohl in der zerrütteten Aborigine-Gemeinschaft am Rande Douberies als auch unter den weißen Einwohnern stößt Daryl auf eine Reihe von Verdächtigen. Als Daryl Douberies düsterem Geheimnis auf die Spur kommt, zwingt ihn dies zu der schwierigsten und gleichzeitig schicksalhaftesten Entscheidung seines Lebens …

Autor
Alex Winter, geboren 1960 in Zürich/Schweiz, absolvierte die Kunstgewerbeschule in Zürich. Er arbeitete zunächst als Dekorationsgestalter, später in verschiedenen Berufen im In- und Ausland. Seit 1980 unternimmt er immer wieder mehrjährige Reisen, die ihn vor allem nach Australien, Neuseeland und in die Südsee führen. Alex Winter lebt heute mit seiner Frau im Zürcher Oberland.
Quelle: Bookshouse

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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