*+* Rita Falk: „Funkenflieger“ *+*

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Funkenflieger
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Elvira und ihre Söhne Kevin, Robin und Marvin bilden eine ganz und gar untypische Familie.
Die älteren beiden der Brüder farbig, der jüngere mit nicht zu leugnender Ähnlichkeit zum Kohlelieferanten, wachsen vaterlos auf. Und manchmal scheinbar auch ohne Mutter, denn Elvira interessiert sich mehr für Kater, Milchschnitten und das TV-Programm. Aber was soll´s? Es läuft doch, oder? Groß werden die Kinder doch schließlich auch allein! Dass die viel zu früh Mutter gewordene Frau sich lediglich ohnmächtig gegenüber ihrer Verantwortung fühlt und froh ist, dass ihre Söhne relativ problemlos durch das familiäre Leben schippern und nicht gleichgültig – wie ich es zunächst dachte – schält sich nach und nach heraus.

Denn Kevin, ihr Ältester, wird Vater. Er hat ein türkisches Mädchen geschwängert und sieht sich plötzlich mit einem riesigen Berg von Problemen konfrontiert. Die einfache Lösung – eine Abtreibung und sich trennen – kam für das junge Paar nicht in Frage. Aber alleine konnten sie ihre Situation nicht schultern. Was dann folgte, wärmte mein Herz….

„Der Mensch wächst bekanntlich mit seinen Aufgaben. Aber er schafft es nicht immer allein.“

Und allein waren Kevin und seine Herzensdame Aicha nicht lange. Die Familie hielt zusammen wie Pech und Schwefel. Was längst schon zusammen gehörte, wuchs nun endlich auch zusammen. Aber nicht nur von seinen beiden Brüdern und der nach und nach über sich hinauswachsenden Elvira erhielten die jungen Eltern Hilfe – auch Aichas Familie erwärmte sich im Bereich des Möglichkeiten für die Zukunft der werdenden Familie.

Und dann gab es noch weitere gutherzige Menschen, die gar nicht zu den Familien gehörten. Sie alle erkannten die Probleme und wenn sie zur Lösung beitragen, oder Unterstützung leisten konnten, taten sie dies einfach. Ohne großes Palaver. Helfen kann so einfach sein und man muss nicht immer aus einer Mücke einen Elefanten machen. Man kann sich der Mücke auch einfach entledigen.

Die Moral, die Rita Falk in ihrem Roman versprüht, gefällt mir sehr.

Wenn du siehst, dass der Lebensweg von Menschen mit dicken Steinen versperrt ist, dann lege nicht noch mehr Steine dazu.
Drehe dich auch nicht einfach weg und überlasse sie ihrem Schicksal, sondern hilf doch einfach dabei, die Probleme aus dem Weg zu räumen. Wie einfach dies häufig ist, welch teils unkonventionelle Lösungen hier manchmal gefunden und umgesetzt wurden, zeigt eindrucksvoll, dass da, wo ein Wille ist, auch ein Weg ist.

Der ganz wunderbare Nebeneffekt daran ist, dass man immer wieder die Chance erhält, über sich selbst hinaus zu wachsen. Es steckt oft mehr in einem, als man denkt. Helfen ist wunderbar, und das Sprengen der eigenen Grenzen nicht minder schön.
Es ist nicht wichtig, dass man oder etwas perfekt ist. Was einzig und allein zählt ist, dass man glücklich ist.

In diesem Roman erleben wir das Leben in seiner ganzen Bandbreite. Während des Lebens habe ich gelacht und geweint und mich vor allem sehr gefreut, wie sich einige der Charaktere entwickelt haben. Aufgeben zählte nicht, jeder gab sein Bestes!

Auch wenn die Protagonisten nicht in der ersten Reihe standen, Rita Falk hat sie dennoch mit wenigen Worten sehr treffend skizziert. In jeden einzelnen von ihnen kann man sich gut hinein versetzen. Das heißt nicht, dass man alles gutheißen musste, was geschehen ist. Denn man hat immer eine Wahl in dem, was man tut und man muss nicht die Schrecken der Vergangenheit die Handlungen der Gegenwart steuern lassen. Aber jeder ist so wie er ist und manchmal kann man auch nicht immer so aus seiner Haut heraus, wie man es gerne möchte.

Der Roman liest sich, so wie man es von Rita Falk gewohnt ist, leicht und flüssig. Der Inhalt ist einfach zu verstehen und es entwickelt sich ein Riesensog gepaart mit einer Wahnsinnstiefe. Vielleicht liegt das daran, dass der Schreibstil nicht literarisch ausgefeilt ist, sondern einfach und echt wirkt. So wie Rita Falk schreibt, so denkt man und so fühlt man. So ist das Leben!

Inhalt
Elvira war viel zu jung, um selbst Kinder zu haben – und ihre Söhne Kevin, Robin und Marvin haben es nicht gerade leicht mit ihr. Als eines Tages herauskommt, dass Kevin seine große Liebe Aicha geschwängert hat, noch bevor beide ihren Schulabschluss in der Tasche haben, kommt es beinahe zur Katastrophe. Denn Aichas Eltern setzen alles daran, dass das Kind nicht zur Welt kommt. Was tun? Marvin hat einen irrwitzigen Plan. Und für einige Wochen wird ihrer aller Leben kräftig durcheinandergewirbelt …

Autorin
Rita Falk, Jahrgang 1964, geboren in Oberammergau, lebt noch immer in ihrer bayrischen Heimat und ist Mutter von drei erwachsenen Kindern. Sie hat sich mit ihrer Provinzkrimiserie um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer (›Winterkartoffelknödel‹, ›Dampfnudelblues‹, ›Schweinskopf al dente‹, ›Grießnockerlaffäre‹ und ›Sauerkrautkrautkoma‹) sowie den Romanen ›Hannes‹ und ›Funkenflieger‹ in die Herzen ihrer Leser geschrieben.
Von sich selber sagt die Autorin, dass sie die schönste Zeit ihres Lebens in Oberbayern verbracht hat, wo sie bei der Oma aufwuchs. Dem ihr so vertrauten Landstrich ist Rita Falk auch als Erwachsene treu geblieben. Sie ist Mutter von drei Kindern, lebt in München und hat in weiser Voraussicht damals einen Polizeibeamten geheiratet.
Die Kindheitserfahrungen sind der Schatz, aus dem Rita Falk als Schriftstellerin schöpft. In ihrem Franz-Eberhofer-Krimi bildet ein bayerisches Dorf den Mittelpunkt des Geschehens. Keine Frage, dass es Rita Falk exzellent gelingt, dieses Bild authentisch in Szene zu setzen. Vor allen Dingen die kleinen und großen Schwächen der Menschen sind es, die sie ihren Lesern kenntnisreich und mit einer gehörigen Portion bissigem Humor serviert. Sie hat ihrem Protagonisten, dem Dorfgendarmen Franz Eberhofer, einen original bayerischen Ton auf den Leib geschrieben, der hart, aber herzlich ist. Der Franz sagt halt, was er denkt.
Rita Falk ist sich also beim Schreiben treu geblieben. Ihre eigenen biografischen Wurzeln liefern den Grundstock für amüsante und geistreiche Unterhaltung der besten Lesart. Es bleibt weiterhin spannend – sicherlich wird sie noch viel von sich reden machen, mit ihren Geschichten von »dahoam«.
Mit ›Hannes‹ und dem ›Funkenflieger‹ zeigt sie sich von einer neuen, überraschenden Seite, indem sie wahrhaftige, universelle Geschichten erzählt, die niemanden ungerührt lassen.

Quelle: dtv

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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