*+* Irve fragt…. Rita Falk (LBM16) *+*

Liebe Frau Falk,

ich freue mich sehr, Sie interviewen zu dürfen. Denn seit ich vor einigen Jahren „Winterkartoffelknödel“ gelesen habe, war mir klar, dass ich Sie unbedingt einmal persönlich treffen und kennenlernen möchte.
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Zunächst habe ich mich durch die gesamte Eberhofer-Reihe gelesen und kenne mittlerweile auch HANNES. Ich bin überwältigt, dass man so verschieden und dennoch gleich stark schreiben kann. Das finde ich ganz toll.

Das freut mich!

Sie sind in Oberbayern aufgewachsen. Ist der Schauplatz Ihrer Krimi-Reihe an Ihre Heimat angelehnt?

Nein, Niederkaltenkirchen liegt in Niederbayern, das ist eine komplett andere Welt. In Oberbayern gibt es ganz viele Geranien, Touristen, Kühe auf den Almen und in Niederbayern geht es eher bodenständig zu.
Aber ich habe in Niederbayern die meiste Zeit meines Lebens verbracht, über dreißig Jahre, und darum spielt die Reihe dort.

Ihre Bücher versprühen einfach Charme, die Geschichten sind nicht nur ausgedacht. Man spürt, dass Sie sie schon ein Stück weit im Herzen tragen.

Ich gebe in meinen Geschichten sehr viel von mir selbst preis, das ist tatsächlich so. Das ist vielleicht auch der Grund, warum ich aus der Sicht eines Mannes schreibe. Denn so bleibt noch ein kleines bisschen Distanz gewahrt. Wenn ich manchmal Stellen aus meinen Büchern lese, oder aus den Hörbüchern höre, passiert es mir manchmal, dass ich mich frage: „Habe ich das wirklich selbst geschrieben?“ Das geht mir dann manchmal schon fast ein bisschen zu weit. Mir liegt meine Seele auf der Zunge und scheinbar auch in den Fingern.

Vielleicht ist es ja genau das, was gut ankommt. Dass der Leser merkt, in den Büchern steckt viel Herz und Sie stehen hinter Ihren Geschichten.
Gibt es denn eine Figur, die Sie besonders mögen, oder sind Ihre Sympathien auf alle Charaktere verteilt?

Ich finde, man muss jeden seiner Protagonisten irgendwie mögen, auch den Leopold zum Beispiel. Den liebe ich ja heiß und innig. Auch wenn er doof, oder in dem Fall eine Schleimsau ist. Man muss auch die negativen Eigenschaften an einem Menschen – zumindest mit einem zwinkernden Auge – weglächeln. Ich mag sie alle.
Meine Leser sind da sehr vielfältig. Die einen sagen, „Ah, die Oma“, es gibt auch ganz viele Simmerl-Fans und so weiter, aber bei mir ist das ausgeglichen. Ich mag sie alle.

Apropos Oma: Gibt es da ein lebendes Vorbild? Ich liebe ja die Oma sehr!

Sie ist schon zu einem Großteil meine eigene Oma, die leider nicht mehr lebt. Ich habe als Kind viele Jahre bei meiner Oma verbracht. Meine Mama war berufstätig, mein Papa hat studiert. Und so habe ich viel Zeit mit meiner Oma verbracht, die zu der Zeit auch gerade Witwe geworden ist. Wir haben uns einfach gegenseitig gebraucht. Dieses ganze Schnäppchenjagen, oder dass das Essen so im Fokus steht, das kenne ich von früher. Bei uns hat es schon immer am Frühstückstisch geheißen: „Mauserl, was möchtest du nachher denn essen?“ Und schon ist meine Oma einkaufen gefahren.
Meine Großmutter war zwar nicht taub, aber dafür wahnsinnig kurzsichtig und hat immer überall ihre verschiedenen Brillen gesucht. Es steckt wirklich sehr viel von meiner eigenen Oma drin, ja.

Ihre Oma erinnert mich sehr an meine eigene. Sie hat mir auch jeden Wunsch von den Augen abgelesen und ich fühlte mich bei ihr immer richtig geborgen.

Ich glaube, das war diese Generation Oma, die einfach ein Traum für jedes Kind ist. Diese Omas gibt es heutzutage gar nicht mehr so. Die Großmütter heute sind sehr viel taffer, viel moderner. Aber dieses Kuschelige, Altmodische, das war eigentlich unsere Generation an Omas.
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„Leberkäs-Junkie“ ist schon der siebte Roman der Reihe. Haben Sie für sich beschlossen, dass nach beispielsweise 10 Krimis Schluss ist, oder machen Sie einfach weiter, bis…..?

Wir haben den ersten und den zweiten Krimi gemacht und die Resonanz war so groß, dass wir gesagt haben, wir machen auch noch einen dritten. Denn so eine Trilogie ist doch super. Aber dann ist dieser Hype gekommen….
Ich bekomme immer so viel liebe Leserpost, so schöne Einträge in mein Gästebuch auf der Franz Eberhofer Seite. Wenn ich das dann lese, dann kann ich eigentlich gar nicht aufhören. Gestern hatte ich eine Lesung in Leipzig und ich wurde von zwei älteren Damen mit Tränen in den Augen gebeten, bitte nicht aufzuhören. Es ist schon fast Verantwortung und eigentlich kann ich gar nicht mit der Reihe aufhören.

Das freut mich sehr zu hören. Aber haben Sie sich schon Gedanken um die Oma gemacht? Sie kratzt ja schon an der 90 und ist vielleicht nicht mehr unbegrenzt haltbar.

Ich finde, das Alter ist heutzutage gar nicht mehr so tragisch. Da kann auch mal jemand 100 oder 105 werden. Man kann die Oma ja später mal mit einem Rollator laufen lassen. Ich glaube, die können wir uns schon erhalten.

Warum haben Sie denn ausgerechnet eine Krimireihe geschrieben? Ist es, weil Ihr Mann Polizist ist?

Als ich anfing zu schreiben, habe ich mich gefragt, was ich schreiben möchte und wo meine Geschichten spielen sollen. Und dann war ganz schnell klar, es muss Niederbayern sein, weil ich mich da auskenne und dann wollte ich im Grunde gar keinen klassischen Krimi schreiben, sondern mehr aus dem Leben eines Polizisten erzählen. Ich finde diesen Mix einfach charmant. Dass man sieht, dass auch die Menschen, die in einem Mordfall ermitteln, trotzdem noch ein Privatleben haben, und so ist es ja auch. Es besteht nicht nur daraus, dass man auf einem Balkon schnell eine Zigarette raucht und dann weitermacht, sondern da ist ja noch viel mehr drumherum. Es kommt auch sehr viel aus der Dienstzeit meines Mannes in den Krimis vor. Dinge, die wirklich passiert sind.

Dass der Dialekt so sein soll, war auch von Anfang an klar?

Ja, das war so gewollt und ich glaube, das ist ein bisschen meine Stärke. Denn es gibt so viele hochdeutsche Krimis und mir war es wichtig – ich habe ja keine Literatur studiert, oder sonst eine Grundbasis gehabt – einen eigenen Wiedererkennungswert zu haben.

Mir gefällt sehr, dass es zwar viel Dialekt im Buch gibt, aber dieser so „eingehochdeutscht“ ist, dass man alles ohne Probleme versteht. Haben Sie das selbst so geschafft?

Ja, das habe ich alleine so geschrieben. Wenn ich richtig bayrisch loslege, dann verstehen Sie mich nicht mehr. Ich versuche wirklich, so zu sprechen, dass mich jeder versteht. Weil ich das kann, kann ich es wahrscheinlich auch so schreiben.
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Sie schreiben nicht nur schmunzelige Krimis, es sind bisher mit HANNES und FUNKENFLIEGER auch zwei Romane von Ihnen erschienen.
Bei HANNES war es so, dass ich ihn abends nur mal anlesen wollte um dann am nächsten Tag richtig damit zu starten. Daraus wurde aber nichts. Ich habe den HANNES in einem Rutsch durchgelesen. Normalerweise fallen mir irgendwann die Augen zu, wenn die Müdigkeit zu groß ist. Hier wurde sie von sehr großen Emotionen überlagert und ich konnte einfach nicht aufhören.
Hannes hatte einen Unfall und fiel ins Koma. Natürlich hält man so etwas beim Lesen für weit hergeholt. Ist es aber nicht, denn solche Dinge passieren leider.

Diese Geschichte ist leider nicht rein fiktiv, sondern basiert auf einer wahren Grundlage.
Und auch die Geschichte vom FUNKENFLIEGER ist so ähnlich in meinem engsten Kreis passiert. Ich schreibe schon immer so verfremdet, dass sich niemand wiedererkennt, aber es ist in der Tat ähnlich passiert, beim FUNKENFLIEGER, aber auch beim HANNES.

Hier wollte ich zeigen, wie wahnsinnig wichtig diese Zeit nach dem Unfall für die Hinterbliebenen ist. Es ist eine ganz schlimme Zeit, aber man braucht sie, um jemanden gehen lassen zu können. Ich werde oft auf das Ende angesprochen, dass ich es anders hätte ausgehen lassen können. Aber ich finde, es gab in dem Fall keine Alternative, es muss so enden. Es ist ja trotzdem auch sehr hoffnungsvoll und trägt viel Zukunft in sich.

Das tut es auf jeden Fall!
Sehr beeindruckt war ich auch von Uli, dem besten Freund des Verunglückten. Er ist so eine treue Seele und lässt sich die Hoffnung nicht nehmen. Wo andere Hannes schon längst abgeschrieben haben, steht er auch weiterhin dem Freund zur Seite und kümmert sich um ihn. Das hat mich sehr beeindruckt und ich wünsche jedem Menschen einen solchen Freund, der immer für einen da ist, wie widrig die Umstände auch sein mögen.

Da muss ich sagen, waren meine eigenen Söhne ein bisschen beteiligt. Sie sind in einer Clique, die sich schon seit dem Kindergarten kennt. Als wir mal aus beruflichen Gründen von Landshut nach Regensburg ziehen mussten, und nach Jahren wieder zurückkamen, waren unsere Söhne sofort wieder drin in dieser Clique, obwohl sie zu den anderen während der Zwischenzeit kaum Kontakt hatten. Sie haben trotzdem auch weiterhin wie Pech und Schwefel zusammengehalten. Da habe ich mir gedacht, wenn die jetzt in dieser Lage wären, wie würden sie mit der Situation umgehen, und ich war mir sicher, dass es funktionieren würde.

HANNES wird jetzt übrigens fürs Kino verfilmt und ich habe das Drehbuch gelesen. Wir waren da im Urlaub. Ich lag im Liegestuhl und habe die letzten Seiten gelesen und mir dann am Schluss das Handtuch über den Kopf gezogen und geheult wie ein Schlosshund. Das Ende muss natürlich auch im Film so sein.

Orientiert sich der Film denn sehr nah am Buch? Denn manchmal heißt es ja „Nach der Romanvorlage von…“ und man meint aber, im falschen Film zu sein…

Nein, der Film hält sich nah am Buch. Darum wird schon seit zwei Jahren herumgedoktort. Es muss ein Teil heraus, sonst wird der Film zu lang. Aber es gibt eigentlich nichts, was man weglassen kann, denn jede Figur ist wichtig.

So traurig wie ich den Roman fand, so gut fand ich ihn auch. Denn man muss sich auch diesen Sachen im Leben stellen.

Ja, das ist auch so. HANNES ist mein Lieblingsbuch, immer noch. Ich bin jetzt mit dem achten Eberhofer ziemlich fertig, es wird die WEIßWURST-CONNECTION und dann kommt tatsächlich wieder ein Roman. Ich bin gerne in Niederkaltenkirchen, aber ab und zu brauche ich auch mal ein bisschen „Urlaub“ und möchte dann gerne wieder neue Protagonisten erfinden, und einfach Neuland erkunden. Das ist jedes Mal eine neue Herausforderung.
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Ich danke Ihnen sehr für das Interview und freue mich nun auf Ihren neuen Roman und natürlich auf den neuen Eberhofer!!

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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6 Antworten zu *+* Irve fragt…. Rita Falk (LBM16) *+*

  1. Ela schreibt:

    Ein tolles und sehr interessantes Interview!
    Ich freue mich schon auf die Verfilmung von Hannes und bin sehr gespannt, wie gut die Schauspieler die Geschichte umsetzen 🙂
    Liebe Grüße
    Ela

  2. nilibine70 schreibt:

    Ein tolles Interview wieder!!! Danke Dir!

  3. Lesendes Federvieh schreibt:

    Liebe Heike,

    hach als da Interview gelesen und das Bild von euch zweien angeschaut habe, musste ich mich gleich wieder an meinen Besuch auf der Leipziger Buchmesse erinnern, wo ich ebenfalls ein Foto mit ihr machen durfte. ♥ Außerdem war ich erst kürzlich bei ihrer Lesung i Circus Krone, die einfach unglaublich war! Näheres dazu findest du übriges auf meinem Blog. 🙂

    Allerliebste Grüße
    Kathi von Lesendes Federvieh
    PS: Vielleicht kennst du mich ja noch als kathiduck von LovelyBooks. 🙂

    • irveliest schreibt:

      Hallo Kathi,
      ja klar, Kathiduck sagt mir was!
      Rita Falk ist wirklich ein wahnsinnig lieber Mensch und ich freue mich imemr noch so, dass ich sie kennenlernen durfte.
      Bei dir schaue ich auch gleich mal vorbei 🙂
      LG Heike

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