*+* Von helfenden Büchern, die dich um den Finger wickeln… *+*

*+* Update s.u. *+*
Die Tür ließ sich nicht öffnen. Seltsamerweise konnte ich den Schlüssel in das Schloss stecken und ihn drehen. Aber dann ging es nicht weiter. So sehr ich auch drückte, rüttelte und zog – nichts. Jedoch, vernahm ich da nicht leise Stimmen? Ich legte mein rechtes Ohr an die Tür, hielt die Luft an und lauschte.
„Kommt her! Alle! Macht schnell. Sie ist zurück und alleine schaffen wir es nicht.“
Aber wer sprach denn da? Unsere Katzen waren zwar ganz pfiffig und wissen ganz genau, wie sie ihren Willen kundtun können. Aber sprechen, nein sprechen, das wäre wohl zu weit gegangen.
„Stell du dich hierhin, und ihr Kinderbücher könnt an der anderen Seite helfen.“
So langsam kam mir ein ganz anderer Verdacht, von wegen sprechende Katzen! Das leise Rascheln, das sich immer wieder in meinem Ohr verfing, untermauerte meine Gedanken. Es waren meine Bücher, die die Wohnung verbarrikadierten. Dass wir uns schweigend unterhielten und austauschten, war ja nichts Neues, aber diese Art der Kommunikation hatte eine ganz andere Qualität – und davon zu wissen, eröffnete ganz neue Wege im Bereich der Literatur. Welche Wege dies waren, würde ich mit noch viel größerem Erstaunen etwas später feststellen können.
„Bücher?“, rief ich. „Meint ihr wirklich, ihr wäret stärker als ich? Eigentlich dachte ich, wir seien Freunde. Bitte lasst mich herein.“
„Gleich“, erwiderte das Buch, das zuvor den Platzanweiser gespielt hatte. „Welt der Zahl 3, wie lange brauchst du noch?“ Die Antwort konnte ich leider nicht verstehen, aber der Sheriff der Bücher meinte, dass ich in spätestens fünf Minuten meine Wohnung würde betreten können.
„Was tut ihr denn?“ Mir wurde ein bisschen mulmig.
„Wir helfen.“
„Wem?“
„Dir und anderen.“
„Mir?“
„Ja.“
„Warum?“
„Wir helfen dir, dein halbleeres Reaglfach zu füllen.“
Tausend Gedanken schossen mir den Kopf, es war kein brauchbarer dabei.
„Und den anderen? Welchen anderen überhaupt?“
„Wir kennen sie nicht.“
„Warum tut ihr das denn dann?“
„Du hast Platz, liest gerne und da dachten wir…..“
„Was dachtet ihr?“
„Das Buch der Menschlichkeit hat gestern im Internet gesehen, dass Autoren helfen….“
„Helfen – wobei konkret?“
„Sie sammeln Geld für Menschen in Not und Helfen ist toll, das steht sogar auf einer deiner Seiten auf deinem Blog.“
„Wieso wisst ihr, dass ich blogge?“
„Na hör mal, wir wohnen schließlich in jedem Raum. Im Kinderzimmer leben zig tolle Jungsbücher, in der Küche haben Kochbücher eine der großen Schubladen besetzt, im Schlafzimmer wartet dein Reader prall gefüllt mit Ebooks – für den Fall, dass du nicht schlafen kannst. Selbst im Bad findet sich eine reiche Auswahl an Lesenswertem und zum Wohnzimmer brauche ich dir ja nichts sagen, dort herrscht für uns das Paradies.“
Ich werde etwas grummelig.
„Das weiß ich doch alles! Was soll das Ganze jetzt?“ Ich sprach offenbar recht laut in meiner beginnenden Wut. Die Tür der Nachbarn im unteren Stockwerk öffnete sich und ich konnte den Lauscher spüren.
„Lass mich jetzt herein. Ihr erklärt es mir gleich alles ganz in Ruhe, was ihr tut und vor allem, WARUM ihr im Internet surft.“
„Nur, wenn du nicht mit uns schimpfst!“ Als ob ich mit meinen literarischen Lieblingen schimpfen könnte….und das wussten diese blättrigen Schlingel nur zu gut.
„Nein, ich werde nicht schimpfen, versprochen. Wir werden sicher eine Lösung finden.“
„Ok, aber du musst einen Moment warten. Wir stehen fast alle im Flur und verbarrikadieren die Tür.“ Ich hörte die leisen Anweisungen des buchigen Sheriffs an seine Verbündeten.
„Du kannst jetzt herein.“
Ich drehte den Schlüssel. Das Schloss öffnete sich, erleichtert trat ich ein.
Was ich dann sah, verschlug mir allerdings den Atem. Zig Bücher, ach was sage ich, es waren wohl eher hunderte von ihnen, pflasterten den Weg, der ins Wohnzimmer führt. Wo mein Computer steht. Es beschlich mich das sichere Gefühl, dass ich dringend dorthin gehen sollte….
Mein Gefühl trog nicht.
„Enter…Und fertig!“ WordPress für Einsteiger drehte sich grinsend und mit viel Schwung auf dem Schreibstischstuhl zu mir herum.
„Fertig? Womit?“ Vorsichtshalber setzte ich mich mal auf die Couch.
„Soll ich dir einen Kaffee brühen?“, fragte das Kochbuch, das sich ganz vorsichtig zu mir gesellt hatte. „Du siehst ja ganz blass aus.“
Ich wunderte mich jetzt über gar nichts mehr. Überrumpelt vom ganzen Szenario nickte ich mechanisch. Kochbuch breitete ihre Seiten aus und flog in die Küche. Mit einem leisen Kinderlied auf den Lippen begann sie, den Kaffee zu kochen.
„Also, WordPress, was geht hier ab? Raus mit der Sprache!“ Ich verstand nur noch Bahnhof und konnte gar nicht glauben, dass dies alles wirklich geschah.
„Nunja. Wie du dir sicher denken kannst, verfüge ich über weitreichende Grundkenntnisse im Computerwesen. Sonst könnte ich diesen Buchkurs ja gar nicht unterrichten.“ Ich nickte mit offenem Mund.
„Auch im Internet kenne ich mich aus und da immer zahleiche meiner Freunde ihren Rezensionsplatz rund um deinen Computer aufschlagen dürfen, wissen wir, was du so treibst. Wir sind zwar nicht Big Brother (woher kennt WordPress „Big Brother“? Das habe ich doch noch nie gesehen, aber was wundere ich mich eigentlich noch?), aber nennen wir es „Your Books are watching you“. Lange Rede, kurzer Sinn: Auch wenn du facebookst, spähen wir dich aus.“
Nun wurde es spannend. Wurde da etwa ein Besprechung frisiert? War eines meiner Herzensbücher nicht mit dem zugestandenen Text einverstanden? Das ging doch eindeutig zu weit. Ich öffnete den Mund, wollte gerade loslegen, als einer meiner Thriller das Wort ergriff.
„Nein, nein, reg dich nur nicht auf. Das ist doch mein Job, nicht der von WordPress.“
Also, wenn es nichts Schlimmes war. Meine Wut schlug in Neugier um, ach was, Neugier wäre zu gering gegriffen.
„Aaaaaalso“, sagte der Thriller. „Jetzt höre einfach nur mal zu!“
Wordpress übernahm wieder das Ruder.
„Das Gartenbuch hat gesehen, dass du dir die Seite von „Autoren helfen“ genauer angesehen hast. Und auch, dass du bei Facebook gesehen hast, dass es wieder tolle Überaschungskisten gegen Spende gibt.“
Sie hatten Recht. Mein Mund wurde trocken. Diese kleinen Biester! So lieb ich sie hatte, sie überspannten den Bogen gerade gewaltig.
„Wie es funktioniert, wissen wir ja von deiner ersten Bestellung dort. Du suchst dir Bücher aus der Liste aus und überweist den entsprechenden Betrag. Der wird dann für den guten Zweck gespendet und du profilierst dich auch dabei.“
„Du meinst profitierst!“
„Ja, ist doch egal, wie das heißt. Auf jeden Fall schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe. Du spendest und auch du kannst dich freuen – über Bücher in allen Farben dieser Welt.“ Zufrieden sah WordPress mich an und lächelte zufrieden.
„Ja, ich weiß. Bei den Kisten funktioniert es aber etwas anders. Du überweist den entsprechenden Betrag und nimmst dann Kontakt mit der Facebookseite auf, um deinen Wunsch bezüglich Genre etc zu äußern.“
„Jaja, so weit war ich ja nocht nicht. Also, doch eigentlich schon, denn das habe ich alles erledigt, als die anderen Seitlinge die Tür verrammelt hatten. Also, ich habe dir zwei Kisten bestellt.“
Meine Augen wurden immer größer und mir fehlten die Worte – etwas, was so gut wie nie vorkommt.
„Woher kennst du die Bankverbindung?
„Von deinen Spähern beim Online-Banking!“ Thriller grinste mich verwegen an.
Was wunderte ich mich eigentlich noch. Hatte ich meine Lieblinge wirklich zu solchen Bengels verzogen? Das war doch schon beinahe kriminell. Na gut, es war für einen guten Zweck, da wollte ich nochmal ein Auge zudrücken.
„Woher wisst ihr denn, ob ich überhaupt diese Kisten haben möchte? Denn ich wusste es noch nicht.“
„Oh doch!“ Eines der Psychogramm-Bücher setzte sich auf, schüttelte seine Seiten, sodass sie sich perfekt aneinander fügten. „Und wenn du es nicht wusstest, dann wusste es auf jeden Fall dein Unterbewusstsein.“
Was sollte das denn nun schon wieder?
„Mein Unterbewusstsein? Habt ihr telepathische Kräfte?“ Nein, das konnte eigentlich nicht sein, denn ein solches Buch besaß ich nicht.
„Nein, aber unser Freund Kindle ist ein kleiner Spion. Er liegt nachts neben dir – falls du nicht schlafen kannst, you know? – und registriert jede deiner Regungen und Geräusche, die du von dir gibst. Um dann im Fall der Fälle sofort mit passender Literatur parat zu stehen.“
„Ja und? Was hat das jetzt mit meinem Unterbewusstsein zu tun?“
„Du hast in den letzten beiden Nächten im Schlaf gesprochen. Immer wieder. Von Kisten und Autoren und Spenden und davon, dass Helfen toll ist. Und aller guter Dinge drei seien. Aber du hast nur Diogenes gemurmelt und Jugend Fantasy und Thriller. Naja, da wurden wir halt gerade aktiv, als die Luft rein war…“
„Und das Geld ist angewiesen?“
„Ja, für zwei Kisten.“ Glücklich und rein strahlten WordPress´ Augen. „Du liest doch so gerne, und wir können zusammenrücken und ein noch ein wenig mehr Platz schaffen, und überhaupt! Lass uns doch helfen, den Autoren zu helfen.“
Wer konnte der Warmherzigkeit dieser Herzensbücher schon widerstehen? Ich nicht. Und ich war froh, dass ich im Schlaf gemurmelt habe „Aller guten Dinge sind drei. Und nicht „Lass´uns das Dutzend voll machen.“ Also fehlte mir sozusagen noch eine Kiste – aber darum kümmere ich mich selbst!

Das Kochbuch schwebte heran. Es brachte mir den Kaffee und hatte auch ein paar Kekse dabei. Gemütlich ließen wir es uns schmecken, während meine Gedanken schon zu dieser dritten Kiste wanderten 🙂

Und ihr? Kennt ihr schon die Aktion Autoren helfen?
„Autoren helfen“ ist eine Initiative von deutschsprachigen Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die ihre kreativen Kräfte bündeln und sich für humanitäre und soziale Anliegen einsetzen wollen. Erdacht wurde „Autoren helfen“ von fünf Autorinnen und Autoren im September 2015.
„Autoren helfen“ will eine Plattform sein, auf der sich jede Autorin und jeder Autor auf die eigene Weise einbringen kann. Sei es mit Texten, sei es mit Aktionen und Projekten jeglicher Art für den guten Zweck.

Ihr wollt mehr wissen?
Unter autorenhelfen.org könnt ihr euch umsehen.
Auch auf der Facebook-Seite gibt es immer wieder interessante Beiträge.
FB-Seite Autoren helfen

Erzählt mir gerne von euren Büchern, Kisten und anderen Highlights, die ihr über Autoren helfen erworben habt!

Sobald ich meine Buchpakete erhalten habe, zeige ich sie euch!

Update vom 29.04.2016
Nun scheinen meine bisherigen beiden Kisten komplett zu sein.
Auf dem oberen Bild seht ihr die Buchspenden-Überraschungs-Kiste aus dem Diogenes-Verlag.
Unten ist das Foto des Jugend-Thriller-und-Fantasy-Potpourris...
Ist das nicht der Wahnsinn!!! Man weiß zwar nicht, was ins Paket gelegt wird, aber bei dem „Preis“ kann man doch eigentlich nichts verkehrt machen – und ganz nebenbei unterstützt man ein ganz tolles Projekt!
Über die „Aller guten Dinge sind drei“-Kiste grüble ich noch…
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16-5 Autoren helfen 1.
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16-6 Autoren helfen 2

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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5 Antworten zu *+* Von helfenden Büchern, die dich um den Finger wickeln… *+*

  1. Miri schreibt:

    Toll geschrieben! 🙂

  2. zimttraeumereien schreibt:

    Einfach nur wundervoll ❤

  3. Bücherstöberecke schreibt:

    Jetzt habe ich Angst meine Wohnung zu verlassen… 😉
    Wirklich großartig geschrieben! Deine Bücher erinnern mich an das Schnabelbuch aus „Seiten der Welt“…
    Und tatsächlich kannte ich die Aktion noch nicht! Wird gleich ausspioniert!

    Ähm… Aber ich glaube, ich dreh den Laptop lieber so, dass die Bücher ihn nicht sehen können… Fühle mich so beobachtet…

    • irveliest schreibt:

      Danke 🙂
      Das Schnabelbuch habe ich auch sehr ins Buch geschlossen und wer weiß, vielleicht sind meine Herzensbücher mit ihm verwandt…

      Die Ü-Pakete stehen nicht auf der Seite, aber du kannst über FB eine PN schicken und nachfragen, welche Kisten es aktuell gibt. Habe ich auch gemacht. Falls du Bücher am Bett hast…stopfe ihnen Stöpsel in die Ohren 😉
      Liebe Lesegrüße….

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