*+* Robert Preis: „Der Engel von Graz“ *+*

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Der Engel von Graz
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Die Mordserie in diesem vierten Band der Grazer-Krimi-Reihe um den tragikomischen Ermittler Armin Trost trägt die Leser gemeinsam mit den Ermittlern weit zurück in die Vergangenheit Österreichs. Denn der Täter orientiert sich an verschiedenen historischen Vorbildern, um seine grausamen Taten zu vollbringen. Wie gut, dass es Professor Tadelmann gibt, der zumindest im historischen Teil Licht ins Dunkel bringt.

Der Krimi ist in überwiegend düsteren Farben gemalt – ein zwischen Genie und dem nahen Wahnsinn schwebender Ermittler, brutale Morde nach historischem Vorbild, ein bestialischer Mörder, der der Polizei offenbar immer einen Schritt voraus ist. Dazu kommen ein wie vom Erdboden verschluckter Kollege und nicht zuletzt Trosts eigene rabenschwarze, persönliche Situation.

Aber der Autor besitzt Fingerspitzengefühl, streut ab und zu ein bisschen Glitzer über seinen Krimi. So gewinnt er Trosts tragischer Situation immer wieder etwas Komisches ab. Zudem sorgt er mit kleinen Schmankerln für ein Schmunzeln beim Lesen. So etwa bei der Namenswahl einiger Protagonisten – der junge Journalist, der noch auf den Durchbruch wartet, heißt beispielsweise Anfänger.

Der Sprachstil ist so einzigartig wie der eigensinnige Armin Trost und spiegelt ganz wunderbar seinen Dickkopf, aber auch die innere Zerrissenheit wider. Auch wenn der Ermittler nach außen hin taff und unnahbar wirkt, hat auch er Schwierigkeiten, die richtigen Prioritäten zu setzen, vor allem im privaten Bereich. Er ist halt Polizist durch und durch, was ihm nicht nur Sympathien entgegenschlagen lässt. Ich mag ihn aber sehr – zumindest als Krimihelden. Armin Trost, der nur in seinem Baumhaus zur Ruhe kommt und noch weitere Besonderheiten an den Tag legt. Aber auch die anderen Charaktere sind mit ihren Ecken und Kanten, Wünschen und Sehnsüchten sehr lesenswert gestaltet.

Der Erzählstil ist über weite Strecken gemächlich, da man lange – viel zu lange – auf der Stelle zu treten scheint. So wird gut unterstrichen, wie zäh und langwierig die polizeiliche Ermittlungsarbeit oft ist. Trotz des langsamen Vorankommens habe ich dennoch durchweg Spannung empfunden. Wer ist der Täter? Warum tötet er, und vor allem: Warum tötet er nach alten Vorbildern? Was ist seine Botschaft? Werden sie ihm auf die Spur kommen? Wird er gefasst? Und was wird bis dahin noch alles passieren?

Die Ausflüge in die Vergangenheit fand ich sehr interessant. So habe ich einiges zur kriminalistischen Historie Österreichs erfahren, zudem unterfütterten diese Kenntnisse sehr anschaulich die Taten des modernen Mörders. Aber auch der Lokalkolorit, der immer wieder aufblitzte, gefiel mir sehr gut.

Ein tolles Finale schloss schließlich mit einem plausiblen Ende das letzte Kapitel des Buches ab. Da einige der angeschnittenen Handlungsfäden nicht mit eingeflochten wurden, hoffe ich sehr, dass dies nicht der letzte Fall für Armin Trost gewesen sein wird.

Der vierte Fall für den Ermittler ist unterhaltsam, spannend, mit bildendem Mehrwert. Zudem wartet der Krimi mit einer guten Portion Gesellschaftskritik auf – vor allem, was die Bedingungen rund um den Beruf des Polizisten betrifft.

Inhalt
Als eine Leiche ohne Herz auftaucht, wird schnell klar: Eine Mordserie nach historischen Vorbildern erschüttert Graz. Doch Ermittler Armin Trost hat noch ganz andere Probleme, denn sein Partner ist unauffindbar. Eine neue Facette seiner inneren Ängste kommt zum Vorschein, und er muss sich fragen: Wie nah sind sich Himmel und Hölle wirklich?

Autor
Robert Preis wurde 1972 in Graz geboren und ist dort aufgewachsen. Nach dem Studium in Wien und einem längeren Auslandsaufenthalt in Kroatien lebt er heute mit seiner Familie wieder in der Nähe seiner Heimatstadt. Er arbeitet als Journalist bei einer Tageszeitung und schrieb zahlreiche Sachbücher und Romane.
Quelle: emons Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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