*+* Kai Meyer: „Die Alchimistin“ *+*

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Die Alchimistin
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Die Erzählung nimmt ihren Beginn auf Schloss Institoris, gelegen auf einer einsamen Insel. Von Beginn an weht ein magischer, mythischer Wind durch die Buchseiten, denn der Autor umhüllt sowohl das Schloss und die späteren Schauplätze als auch die Charaktere mit einer mysteriösen, geheimnisvollen Aura.

Aura, so heißt auch die fast volljährige Tochter des Schlossherren Nestor Institoris. Er hat sich seinen Forschungen verschrieben, verbringt sein Leben im Dachgarten des Schlosses, um dort seinem alchimistischen Wissensdurst nachzugehen. Seine Frau Charlotte interessiert sich nicht für Nestors Lebensinhalt. Für den jüngsten Spross der Familie, Sylvette, ist es normal, den „verrückten Alten“ nur alle Jubeljahre einmal zu Gesicht zu bekommen. Lediglich Aura ist in die Geheimnisse des Dachbodens eingeweiht. Ich fragte mich, warum? Wäre es nicht sicherer gewesen, die geheimen, teils gefährlichen Forschungen ohne jedwede Art von Mitwisserschaft zu betreiben?

Das eigenartige Leben der Familie hätte bis in alle Ewigkeit so weitergehen können, jedoch bricht Charlotte mit den Gesetzmäßigkeiten, indem sie zweimal einen fast erwachsenen Adoptivsohn in das Schloss holt. War sie einsam? Brauchte sie Gesellschaft? Aber warum mussten es unbedingt Jünglinge sein, die die Familie ergänzten?

Nicht nur in diesem frühen Stadium des Buches wurde mein Lesespeicher mit Fragen angefüllt. Es passierten so viele Dinge, die mir rätselhaft erschienen. Sie kitzelten meine Neugier ungemein und ich musste aufpassen, dass ich nicht zum Leseflug ansetzte. Bummelzuglesen ist hier angebrachter, denn es passieren so viele interessante Dinge, immer wieder werden wichtige Details erwähnt, die man nicht verpassen sollte, um der Erzählung wirklich folgen zu können. Anstrengend ist die Lektüre dennoch nicht. Der Stil ist eher leicht, sehr flüssig. Was mir besonderen Spaß bereitete, war die verwendete Sprache – die Wortwahl und Ausdrucksweise, die ausführlichen Beschreibungen, die den Leser glaubhaft in die Zeit versetzen, in der „Die Alchimistin“ angesiedelt ist – Dieser erste Teil der Trilogie spielt in den Jahren 1897 und 1904.

Aber nicht nur der detailverliebte Erzählstil ist beachtenswert, auch die Charaktere konnten mich sehr begeistern. Denn es blieb nicht bei den Schlossbewohnern. Nach einiger Zeit wurde Nestor getötet. Gillian, sein Mörder, tauchte immer wieder auf der Bildfläche auf – wie die Kreise die sich bilden, wenn man einen Stein ins Wasser wirft, zog auch sein Auftreten immer wieder weite Kreise nach sich, die zurück in die Vergangeheit reichten, aber auch zukunftsweisend waren.

Weitere Figuren wurden in das Geschehen integriert, die teilweise über interessante Pfade miteinander in Beziehung gerieten oder schon längst miteinander standen. So verschieden wie die Protagonisten auch sein mochten, eines war ihnen gemeinsam: Sie alle umgab eine geheimnisvolle Aura. Sie schienen undurchschaubar zu sein. Mir gefiel diese Darstellung der Handlungsträger sehr gut – spitzte dies meine Neugier und Leselust doch noch weiter an!

Viele der Figuren durchlebten große charakterliche Entwicklungen und ich wunderte mich immer wieder, warum mir denn auf einmal der „Böse“ sympathisch war und der vermeintlich „Gute“ nicht mehr so nahe stand. Kai Meyer spielt hier nicht nur mit seiner Besetzung im Buch, er spielt auch ein Stück weit mit dem Leser – mir hat das viel Spaß gemacht!

Besonders aufregend wurde das Lesen immer dann, wenn es eines der vielen Abenteuer zu bestehen galt. Die Erlebnisse waren sehr spannend, der Ausgang zunächst häufig ungewiss, sodass ich gerne mit den Nachkommen der Familie Institoris, aber auch mit Gillian mitfieberte (zugegebenermaßen mit ihm am meisten – er ist meine Lieblingsfigur). Das Geschehen führte die Protagonisten an viele spannende, interessante Orte, die sehr stringent zu den aufkommenden Themen des Buches gewählt waren. Zusätzlich zu diesen fesselnden Passagen versorgt der Autor den Leser noch mit wohldosierten Portionen seiner umfassenden Recherchen und hat dadurch zumindest in mir den Wunsch geweckt, mehr über einige der angesprochenen Themen wissen zu wollen. Vor allem spricht mich als naturwissenschaftlich interessierte Leserin sehr das Feld der Alchimie an, aber auch die anderen Wissensbrocken, denen ich auf meinem Leseweg begegnete, mag ich gerne weiter vertiefen.

Nun bin sehr gespannt auf die Fortsetzung, denn in diesem ersten Teil werden zwar viele Handlungsstränge beendet, es bleiben aber genügend Fäden unverknüpft und einige Fragen offen.

Handlung, Charaktere, Schauplätz, Stil….für mich bildete das alles ein überzeugendes Schauspiel und setzte häufig ein lebhaftes Kopfkino in Gang!

Die Trilogie hat übrigens eine interessante Seite im Internet (Link), schaut doch mal vorbei!

Inhalt
Im düsteren Schloss ihrer Ahnen wächst Aura Institoris inmitten eines Labyrinths endloser Gänge und Säle heran. Als ihr verhasster Vater, ein Alchimist, getötet wird, verliebt sie sich ausgerechnet in seinen Mörder – den mysteriösen Gillian. Sein Auftrag ist es, auch Aura zu ermorden. Doch Gillian stellt sich für sie gegen seinen Meister. Gemeinsam geraten die beiden zwischen die Fronten eines Krieges zwischen Unsterblichen, deren Hass die Jahrhunderte überdauert hat.

Der Autor
Kai Meyer, geboren 1969, ist einer der erfolgreichsten Schriftsteller Deutschlands. Er studierte Film und Theater, arbeitete einige Jahre als Journalist und widmet sich seit 1995 ganz dem Schreiben von Büchern. Viele seiner Romane wie „Die Alchimistin“, „Die Unsterbliche“ und die Trilogien „Merle und die Fließende Königin“ und „Die Wellenläufer“ wurden zu Bestsellern. Seine Bücher erscheinen in mehr als 40 Ländern, u.a. in den USA, in England, Japan, Italien, Frankreich und Russland. Für „Frostfeuer“ erhielt Kai Meyer 2005 den „CORINE-Literaturpreis“. Mehrere Verfilmungen sind in Planung.
Quelle: Randomhouse

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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