*+* Leslie Malton: „Brief an meine Schwester“ (Hörbuch) *+*

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HÖRBUCH Brief an meine Schwester
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In ihrem Brief an die jüngere Schwester Marion betrachtet Leslie Malton ihr eigenes Leben ebenso wie das ihrer Familie. Dreh- und Angelpunkt ist ihre ein knappes Jahr jüngere Schwester. Als diese ein Jahr alt ist, verläuft ihre Entwicklung rückwärts. Alles, was sie bis dahin gelernt hatte, engleitet ihr. Die Eltern verschließen lange Zeit ihre Augen davor, dass ihre Zweitgeborene ein „besonderes“ Kind ist. Als Marion älter wird, lässt sich ihre gravierende Behinderung aber nicht mehr verleugnen.

Glücklicherweise hat sie ihre Familie hinter sich. Marion wird nicht in ein Heim abgeschoben, man kümmert sich selbst, voller Aufopferung – die Mutter fast bis zur Selbstaufgabe, der Vater arrangiert sich mit der Situation, indem er sich in sich selbst zurückzieht. Dennoch, es wird alles getan, um Marion zu fördern und ideal zu betreuen, für sie da zu sein. Die Eltern leiden sichtbar. Die große Schwester Leslie muss zwar oft zurückstecken, tut dies aber meist gerne und beeindruckt mich immer wieder mit ihrer großen und großartigen Selbstlosigkeit ihrer Schwester gegenüber. Natürlich ist sie auch nur ein Mensch und macht Fehler. Aber ihr Verhalten gegenüber der kleinen, hilfsbedürftigen Schwester empfinde ich als herausragend und lobenswert.

In diesem Brief an Marion erzählt Leslie Malton unaufgeregt über das Besondere – weil es für sie eben nicht besonders ist. Erst im Alter von über 50 Jahren erfährt die Schauspielerin, an welcher Erkrankung ihre Schwester leidet. Über 50 Jahre lang lebte die Familie im Ungewissen, wusste nicht wirklich, was zu tun war, ob und welche Therapien es für das jüngere Kind gab. Man handelte intuitiv, nach bestem Wissen und Gewissen. Seit Leslie Malton weiß, dass Marion ein „Rett-Mädchen“ ist, sucht sie den Kontakt zu anderen betroffenen Menschen und wird zur Botschafterin der „Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom in Deutschland“. Eine logische Entwicklung ihres Tuns, denn Marion stand für sie immer an erster Stelle. Selbst jetzt im Erwachsenenalter ist sie der Schwester sehr verbunden und ihr bestmögliches Wohlergehen liegt ihr sehr am Herzen.

„Das Mädchen mit den sprechenden Augen.“

Leslie sah schon immer trotz aller Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten auch das Gute. Marion ist sehr eingeschränkt. Das Leben sollte aber nicht nur nach dem Leistungsprinzip funktionieren, es besteht auch aus Liebe und viel Gefühl und anderen Sichtweisen, anderen Prioritäten, anderen Mitteilungswegen.

Nicht jeder vermag diese zu verstehen, nicht jeder erkennt sie. Und kaum jemand weiß, was Marion vermitteln möchte. Leslie schon. Sei der Geburt ihrer kleinen Schwester ist sie mit dieser konfrontiert, entwickelt eine derart enge Bindung an die geliebte Schwester wie wohl sonst niemand. Sie tut dies freiwillig, nur selten weil man es von ihr verlangt. Leslie erkennt, dass das „Rett-Mädchen“ zwar stark von ihr abhängig ist, ihr aber auch sehr viel zurückgibt – auf einer Ebene, die für viele Menschen leider nicht greifbar ist.

„Dir kann man nichts vormachen. Taktik und Kalkül ziehen bei dir nicht. Nur das, was wahr ist.“

Die Mädchen werden größer. Dabei verbleibt Marion in ihrem Zustand, während Leslie die Welt erobert. Denn auch sie existiert und hat ein eigenes Leben. Sie schafft es, aus dem Schatten der kranken Schwester herauszutreten und sich selbst den Stellenwert zu geben, der ihr gebührt. So schlimm es ist, dass Marion für immer von anderen abhängig bleiben wird – sie, Leslie, ist gesund und in der Lage, ihren eigenen Weg zu gehen. Das tut sie mit Bravour und nie, niemals, vergisst sie die kleine Schwester. Begleitet sie stets in Gedanken und besucht sie regelmäßig.

Ich gönnte Leslie Malton ihren Erfolg, ihr Glück, von ganzem Herzen. Endlich ist auch sie mal an der Reihe, bekommt die Resonanz und Anerkennung, die ihr schon vom Kindesalter an zustanden. So oft musste sie zurückstecken, musste früh selbstständig und pflichtbewusst werden und sich selbst fast immer auf den hinteren Platz stellen. Sie tat es gerne für ihre Schwester, genießt aber nun auch sehr, selbst im Rampenlicht zu stehen.

Es war sehr rührend zu hören, dass sie ihrer Schwester einen Anteil an ihrer nun erfolgreichen Situation zuspricht – eben weil sie so ist, wie sie ist.

„Wir leben auf zwei unterschiedlichen Sternen und doch haben wir so vieles gemeinsam. Ich kann mir mein Leben ohne dich – ohne den reichen Schatz an Erfahrungen, den ich durch dich gehoben habe – nicht vorstellen.“

Ich ziehe voll tiefer Bewunderung den Hut vor Leslie Malton. Für die große Selbstverständlichkeit, mit der sie sich um ihre Schwester kümmert, für die unendliche Geduld, mit der sie sich sorgt. Für die Selbstlosigkeit über so viele Jahre hinweg. Und vor allem für die berührenden Worte voller Liebe, die sie für Marion findet, ihre Anerkennung und dem Respekt gegenüber ihrer Schwester.

Leslie Malton selbst ist es, die die Hörbuchversion ihres Briefes an Marion eingelesen hat. Sie tut es ruhig, sehr gefühlvoll, aber unaufgeregt – was eindrucksvoll unterstreicht, wie selbstverständlich für sie die Behinderung der Schwester ist. Marion ist eben anders, aber dennoch wichtig und liebenswert.

Dieses beeindruckende, großartige Hörbuch trifft mitten ins Herz und ich kann nicht anders als eine klare Empfehlung für Leslie Maltons etwas andere Biografie auszusprechen.

Inhalt
Die berührende Geschichte zweier Schwestern, von denen eine mit Gesundheit und Erfolg gesegnet ist, die andere eine rätselhafte Behinderung hat. Aufwühlend und emotional erzählt die erfolgreiche Schauspielerin Leslie Malton die Geschichte ihrer Schwester Marion und ihre eigene — die Geschichte einer außergewöhnlichen, selbstlosen Schwesternliebe, die nicht frei ist von den Schatten der Schuld und Gewissensnot.

1957. Ein Amerikaner und eine Wienerin lernen sich kennen, sie verlieben sich und heiraten. In Washington D.C. wird 1958 ihre erste Tochter, Leslie, geboren, elfeinhalb Monate später folgt Marion – fast ein Zwilling. Etwa ein Jahr nach Marions Geburt stockt ihre Entwicklung, sie verlernt, was sie gerade gelernt hat, verliert die Sprache – verliert fast alles. Die Odyssee zwischen Ärzten und diversen Einrichtungen beginnt. Niemand kann dem kleinen Mädchen helfen. Erst 2012 liest Leslie Malton – längst eine berühmte Schauspielerin – einen Zeitungsartikel über das Rett-Syndrom. Plötzlich hat die Behinderung einen Namen. Leslie Malton trifft sich mit Betroffenen und deren Angehörigen, wird Botschafterin der „Elternhilfe für Kinder mit Rett-Syndrom in Deutschland“. In diesem berührenden Buch erzählt Leslie Malton die Geschichte ihrer Schwester und ihre eigene, die Geschichte einer selbstlosen Schwesternliebe, die sich über Krankheit und Kontinente hinwegsetzt.

Autorin und Sprecherin
Leslie Malton, geboren 1958 in Washington D.C., begann ihre Karriere am Theater, vor allem der Wiener Burg, und spielte in zahlreichen Fernseh- und Kinofilmen und Serien mit. Ihren Durchbruch beim deutschen Fernsehpublikum hatte sie 1992 mit dem Mehrteiler „Der große Bellheim“. Sie lebt mit ihrem Mann, dem Schauspieler Felix von Manteuffel, in Berlin.
Quelle: Aufbau Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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