*+*Gloria Goldreich: „Die Tochter des Malers“ *+*

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Die Tochter des Malers
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Liebe Lesefreunde,

in „Die Tochter des Malers“ begleiten wir Ida, die Tochter Marc Chagalls, durch einen Großteil ihres Lebens.

Als sie von der vergötterten, überbehüteten Heranwachsenden in das Leben einer jungen Frau hineintritt und versucht, ihren eigenen Weg zu gehen, hat dies fatale Folgen. Hatte sie nun geglaubt, von ihrer Familie aufgefangen zu werden, wurde sie auch zu meinem Entsetzen eines Besseren belehrt. Nun war Ida am Scheideweg. Wollte sie die familiären Bande zerschneiden, oder sollte ihre Loyalität und Pflichtgefühl den Eltern gegenüber die Oberhand behalten…

Chagall war schließlich nicht irgendwer – er, der große Künstler, noch lange nicht am Zenit seines Könnens angelangt, brauchte Unterstützung, keine Gegenwehr. Ida war sehr stolz auf die Fähigkeiten ihres Vaters, zudem dazu derart erzogen worden, stets ihreen Eltern zu gehorchen und ihnen zu gefallen. So ist es nicht verwunderlich, dass sie ihre eigenen Interessen zumeist zurückstellte, wenn sie mit denen der Eltern kollidierten. Ida ordnete sich unter. Ihre grenzenlose Loyalität reichte manchmal bis kurz vor der Selbstaufgabe und ich fand es häufig befremdlich, mit welchem Selbstverständnis die junge Frau anderen vor den Kopf stieß, sie zu Nebenfiguren degradierte, nur um ihrem bewunderten Papotschka zu dienen.

Ida ist die eigentliche Hauptperson des Buches, aber auch ihr persönliches Umfeld – Eltern, Partner und die wenigen wahren Freunde, die sie hatte – kommen teilweise sehr detailliert zum Zug. So gelingt es der Autorin, ein sehr intensives und lebendiges Bild der Protagonisten zu zeichnen. Obwohl ich weder mit der fast schon „hörig“ wirkenden Ida noch mit ihren snobistischen, weltfremden Eltern besonders gut konnte, fiel es mir nur sehr schwer, dieses Buch aus der Hand zu legen.

„Die Tochter des Malers“ bringt dem Leser aber nicht nur die Familie Chagall näher. Das Buch nahm mich auch mit auf einen kleinen Geschichts-Exkurs zum Thema „Zweiter Weltkrieg in Frankreich“. Über Jahre verschlimmerten sich auch in diesem Land die Bedingungen für die jüdische Bevölkerung, wodurch die Künstlerfamilie, die einst aus Russland geflohen war, nun mehrere weitere Male den Mittelpunkt ihres Lebens gravierend ändern musste. Bis zum Schluss flackerten immer wieder Erinenrungen an das alte Leben in Russland auf und der tiefe Wunsch, noch einmal dorthin zu gelangen. Es ist nicht leicht, seine Heimat zu verlieren.

Gloria Goldreichs Erzählstil ist flüssig, gelegentlich ausschweifend. Sie berichtet chronologisch und informiert akribisch über jeden relevanten Schritt im Leben der Ida. Manchmal fühlte sich das Hamsterrad ihres Lebens so an wie das Hamsterrad meines Lesens – immer wieder sprang die Frau ihren Eltern bei, immer wieder galt es, Verhandlungen mit Galeristen zu führen, immer wieder mussten Vernissagen und Ausstellungen geplant werden…

Mit Ida verband mich eine Art Hassliebe. Einerseits brachte ich ihr Unverständnis entgegen – wie sehr sie sich bis fast hin zur Selbstaufgabe dem mächtigen Vater unterordnete und die Möglichkeiten, ihr eigenes Glück in die Hand zu nehmen, auf die Plätze verwies. Andererseits bewunderte ich sie wiederum um die Intensität, mit der sie sich um die Belange ihrer Eltern kümmerte, ihre Unnachgiebigkeit und den starken Willen, den sie stets an den Tag legte. Sie setzte alles daran, jedes auch noch so kleine Problem mit Geduld und Erfolg zu meistern. Als ihr endlich jemand die Zügel aus der Hand nahm, war dies zwar ein schmerzhafter und gravierender Einschnitt in Idas Leben. Glücklicherweise begriff sie aber diesen als die Möglichkeit, endlich ihr eigenes Leben zu führen und glücklich um ihrer selbst Willen zu werden.

Inhalt
Ein Roman wie ein Gemälde von Marc Chagall: voller Poesie, Träume und Liebe

Paris, 1935: Ida ist die behütete Tochter des Ausnahmekünstlers Marc Chagall und eines seiner Lieblingsmotive. Als sie sich in den Studenten Michel verliebt, steht die innige Beziehung zu ihrem Vater auf dem Spiel. Dann wird Frankreich von den Deutschen besetzt, und ihrer Familie droht tödliche Gefahr, was Chagall jedoch in blinder Hingabe an seine Kunst verleugnet. Schon bald muss Ida sich entscheiden – zwischen ihrem eigenen Lebensweg und der Rettung ihres Vaters.

Bewegend, mitreißend, voller Tragik – und eine wahre Geschichte

Buch
„Die Tochter des Malers“ von Gloria Goldreich ist im Aufbau Verlag unter der ISBN-Nr. 978-3-7466-3182-0 erschienen. Der Roman umfasst 592 Seiten und ist auch als eBook erhältlich.

Autorin
Gloria Goldreich ist die von der Kritik hochgelobte Autorin zahlreicher Erzählungen, Kinder- und Jugendbücher sowie mehrerer Romane. Ihr Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie ist die Mutter dreier Kinder und lebt mit ihrem Mann in Tuckahoe, New York.

Übersetzerin
Kathrin Bielfeldt ist Texterin und Übersetzerin und spricht fünf Sprachen. Sie hat unter anderem Romane von Elisabeth Elo, Pete Dexter und James Sallis ins Deutsche übertragen.
Quelle: Aufbau Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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6 Antworten zu *+*Gloria Goldreich: „Die Tochter des Malers“ *+*

  1. elasbookinette schreibt:

    Scheint eine interessante Geschichte zu sein, jedenfalls beschreibt deine Rezension das Buch auf eine Art, die mich neugierig auf die Geschichte werden lässt. Liebe Grüße, Manu

  2. Vanessa M. schreibt:

    Liebe Heike,
    ich lese ja wahnsinnig gerne solche Bücher und ich werde es auf jeden Fall mal im Auge behalten 🙂
    Vielleicht wandert es dann beim nächsten Gang in die Buchhandlung im Warenkorb 🙂
    Alles Liebe, Vanessa

    • irveliest schreibt:

      Liebe Vanessa,
      es liest sich sehr flüssig!! Wenn du solche Bücher magst, kennst du bestimmt „Madame Picasso“??? Wenn nicht, kann ich es dir auch sehr empfehlen!
      Viele Grüße, Heike

      • Vanessa M. schreibt:

        Hach, das steht auch noch auf der Wunschliste… Immer das gleiche Problem: zu viele spannende Bücher, zu wenig Zeit 🙂

      • irveliest schreibt:

        Da hst du völlig recht. Neulich habe ich zu meinem Mann gesagt, dass ich mindestens 500 Jahre alt werden muss, um alle Wunschbücher lesen zu können 😉 Es kommt ja auch immer so viel unverschämt gutes neu dazu….
        Liebe Lesegrüße…

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