*+* Arno Strobel: „Die Flut“ *+*

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Die Flut
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Julia war hin- und hergerissen. Eigentlich freute sie sich, eine kleine Auszeit mit ihrem Freund Michael nehmen zu können. Und dann auch noch auf Amrum, dieser wunderschönen, idyllischen Nordsee-Insel. Jedoch wären die beiden dort nicht allein, denn Michaels Kollege Andreas hat ihn zum Arbeitsurlaub auf die Insel eingeladen, nach dem Motto: „ Hilf meiner Frau Martina und mir, den Dachstuhl zu restaurieren – dann kannst du mit deiner Freundin kostenlos bei uns wohnen und ein bisschen Urlaub machen.“

Die Aussicht auf einen Tapetenwechsel behielt die Oberhand, Julia stimmte zu, und schon war das Quartett auf Amrum angekommen. Und einen Tapetenwechsel bekam die junge Frau nicht nur beim Renovieren des Dachbodens. Sie erlebte ein wahres Wechselbad der Gefühle…. in vielerlei Hinsicht.

Andreas war zwar verheiratet, schien aber auch ein Auge auf Julia geworfen zu haben. Michael tat das häufig zu ihrem Ärgernis als nichtig ab…interpretierte sie vielleicht doch zu viel in die Blicke und Gesten hinein? Martina war unberechenbar. Zumeist übelst gelaunt, vor sarkastischen Bemerkungen triefend, hatte sie aber auch hin und wieder eine emotionale Sternstunde….und Julia wusste auch da nicht, wie sie die Frau einschätzen sollte. Aber nicht nur die Hausmitbewohner kamen Julia manchmal seltsam vor….
Auch ihr Nachbar, der gern und vor allem heimlich Fotos von ihr schoss, rief ein unbehagliches Gefühl in ihr hervor. Über den extrem eifersüchtigen Gastwirt und seine Frau wunderte sie sich schon gar nicht mehr wirklich.

Jedoch waren dies alles Luxusproblemchen und drängten in den Hintergrund, als im Watt eine eingegrabene, tote Frau gefunden wurde. Offenbar lief ein Psychopath auf der Insel herum. Das Opfer wurde nicht nur bei Ebbe bis zum Kopf in den Sand eingegraben und ertrank jämmerlich – nein, ihr Mann musste, an einen Poller gefesselt, diesem schauerlichen Schauspiel beiwohnen.

Mich gruselte es ziemlich. Ich wusste nicht, wer schlimmer dran war…die Frau, die langsam ihr Leben aushauchte oder ihr Mann, der gezungen war, dabei zuzusehen. Übelstes Gänsehautlauschen in dieser Phase!

Es dauerte nicht lange und die Polizei rückte an, um den Fall zu untersuchen. Natürlich war dank der Flut für die Spurensicherung so gut wie nichts mehr zu tun. Also mussten sich die Kriminaler auf ihre feine Nase und ihr Bauchgefühl verlassen. Die beiden ermittelten Beamten hätten unterschiedlicher nicht sein können und so gab es häufige Reibereien und Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen. Harmsen war ein Wadenbeißer allererster Güte. Er hatte sich sofort auf einen Täter eingeschossen und setzte alles daran, ihn zu überführen. Koste es, was es wolle….diesen Eindruck vermittelte er. Sein Kollege ging mit weniger Tunnelblick an die Sache heran und versuchte, in alle Richtungen zu ermitteln.

Ich selbst war hin- und hergerissen, wechselte meinen Täterverdacht fast schon kapitelweise. Jeder war mir auffällig. Sowohl das mitgereiste Paar, Andreas und Martina, mit ihrem manchmal merkwürdigen Verhalten und Aussagen, als auch der Heimlichfotograf von Nachbar, aber auch der extrem eifersüchtige Wirt….mir waren sie alle nicht geheuer. Als dann weitere Personen auftauchten und teils aktiv ins Geschehen eingriffen, war ich völlig verwirrt. Denn auch die neuen Figuren wirkten sehr mysteriös und ich war mir nicht sicher, ob sie nicht einen Flecken auf ihrer vermeintlich weißen Weste verbargen.

Die Polizei tappte im Dunkeln, es gab einen erneuten tödlichen Vorfall im Watt. Die Lage spitzte sich zu – sowohl ermittlungsmäßig als auch emotional bei Julia und den anderen Urlaubern. Auch meine Unruhe wuchs, denn obwohl ich ja nur einem Thriller lauschte, war ich doch von den Fällen so gefangengenommen, dass ich ebenso wie die Protagonisten die Auflösung herbeisehnte.

Und diese hatte es wirklich in sich. Man könnte fast sagen, „Die Flut“ endet mit einem Show-Down mehrerer vermeintlicher Enden. Nach einigen Irrungen und Wirrungen, unvorhersehbarer großartiger Wenden, wusste ich endlich, wer der Täter war…..aber abgeschlossen war der Fall damit noch lange nicht!

Neben einem sehr guten Plot konnte mich Arno Strobels Thriller mit der Umsetzung seiner gewählten Charaktere überzeugen. Ich mag es ja, wenn es tief in die Psyche hineingeht, der Autor seine Figuren diesbezüglich quasi seziert. Die zwischenmenschlichen Sequenzen, die Wechselwirkungen an Verhaltensweisen und Gesprächen mochte ich ebenfalls. Obenauf gab es noch ein angemessenes Stück Inselfeeling, das sich jedoch nach und nach immer düsterer färbte. Zudem ist der Erzählstil phantastisch. Alles dümpelt vor sich hin und es passiert eigentlich gar nicht so viel. Denn eine größere Rolle als eine lebhafte, temporeiche Handlung spielen hier die Einblicke in die Charaktere und die Entwicklung ihrer Beziehungen zueinander – herrlich psychisch, so wie ich es in der Literatur gerne mag.

Der Sprecher Sascha Rotermund war für diesen Thriller perfekt ausgewählt. Seine sprecherische Leistung war sehr beeindruckend, denn er spielte die Emotionen der Charaktere überzeugend aus – vom neutralen Erzähler bis hin zu den größten Schmerzens- und Seelenqualen der Opfer umfasste Sascha Rotermunds Repertoir jede Gefühlslage. Ich fühlte mich wie mittendrin, konnte mich an vielen Stellen in die Situationen und die einzelnen Protagonisten hineinversetzen. Gut gemacht!

Inhalt
Zwei Pärchen machen Urlaub auf Amrum. In dieser Zeit geschehen grausame Morde. Ein Wahnsinniger ist am Werk, um nicht nur den perfekten Mord, sondern die »perfekte Mordserie« zu begehen. Er entführt Paare und vergräbt nachts bei Ebbe die Frau bis zum Hals im Sand. Den Mann bindet er an einen Poller in der Nähe fest, so dass er dabei sein muss, wenn seine Frau bei ansteigender Flut langsam ertrinkt. Die beschauliche Insel Amrum hat er sich ausgesucht, weil dort normalerweise nie etwas passiert und ihm die entsprechenden Schlagzeilen sicher sind. Das ist es, was er möchte. Die ganze Welt soll erfahren, wie clever er ist. Und es sieht so aus, als hätte er damit Erfolg.

Das Hörbuch
zu Arno Strobels „Die Flut“ ist im Januar 2016 unter der ISBN-Nr. 978-3-8398-1443-7 im Argon Verlag erschienen. Das ungekürzte Hörbuch auf einer MP3-CD hat eine Laufzeit von 8 Std 31 Min.

Autor
Arno Strobel studierte Informationstechnologie und arbeitete bei einer großen deutschen Bank in Luxemburg. Mittlerweile konzentriert er sich ganz auf das Schreiben und gehört zu den gefragtesten deutschen Thrillerautoren. Arno Strobel lebt mit seiner Familie in der Nähe von Trier.

Sprecher
Sascha Rotermund ist neben seiner Arbeit am Theater und im Film ein vielbeschäftigter Synchronsprecher. Er ist u.a. die deutsche Stimme von Don Draper in der Erfolgsserie Mad Men und Stammsprecher von Benedict Cumberbatch. In seinen zahlreichen Hörbuchlesungen überzeugt er durch seine Interpretation der Figuren, seine mitreißenden Dialoge und seine warme und spannungsgeladene Stimme.
Quelle: Argon Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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Eine Antwort zu *+* Arno Strobel: „Die Flut“ *+*

  1. AstroLibrium schreibt:

    Irgendwann packt er dich und von diesem Tag an Strobelst du dich durch dein Lesen. Du bist nicht allein.

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