*+* Thomas Montasser: „Ein ganz besonderes Jahr“ *+*

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Ein ganz besonderes Jahr
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Charlotte, die Betreiberin der Buchhandlung „Ringelnatz und Co.“, verschwindet eines Tages ohne Vorankündigung. Sie hinterlässt ihrer Nichte eine Nachricht mit der Bitte, ihren Laden weiterzuführen. Valerie kommt dem Wunsch nach, obwohl sie sich gerade mitten im Studium befindet. Die junge Frau ist voller Ambitionen, dennoch möchte sie ihre Tante nicht hängenlassen.

„Dieser Laden war ein Kleid, das die alte Frau um ihr Leben geschneidert hatte.“

Ganz gemäß ihres Vorwissens – die Universität lässt grüßen – legt sie Listen und Tabellen an…. Doch recht schnell merkt sie, dass man den Büchern nicht diese theoretischen Kettenhemden überstülpen kann.

Schleichend beginnt Valeries Weg. Zunächst erregen einzelne Titel ihre Aufmerksamkeit, dann wächst ihr Interesse immer mehr – bis sie „Ringelnatz und Co.“ schließlich ebenso verfallen ist wie ich.

Je mehr Bücher Valerie liest, begreift und von ihrem Innersten Besitz ergreifen lässt, umso mehr ändert sich die junge Frau. Ihre Prioritäten verschieben sich und auch die Menschen, mit denen sie in ihrem Leben zu tun haben möchte, bleiben nicht dieselben.

„Literatur als Therapie? Das hätte sie so nie unterschrieben.“

Nun lässt meine bisherige Beschreibung des Buches noch nicht auf großartige Besonderheiten schließen. Jedoch ist dieser Roman, dem aus jeder Seite ein tiefer Respekt vor Literatur und gütigen Buchmenschen spricht, für mich herausragend und außergewöhnlich. Der Zauber entspringt dem romantischen, leicht angestaubten Schreibstil, der manchmal ein wenig sperrig anmutet. Ebenso vermag ein Hauch von Magie, der die Handlung umweht, den Leser sehr tief in die Geschichte und manchmal auch in sich selbst hineinzutragen.

„Ich könnte mein Leben hier verbringen.“

Als ein Kunde ganz begeistert von einer Buchentdeckung ist, kann Valerie ihm nicht ganz folgen. Sie hatte es gar – als Mängelexemplar eingestuft – entsorgen wollen, schließlich schien der Druck unvollständig, denn das Buch enthielt viele leere Seiten….
Ein wenig Zeit muss noch vergehen, ehe Valerie den Sinn des Ganzen begreift – versteht, weshalb das Buch in diesem Zustand ist und warum dessen Ende offen ist.

Aber nicht nur das Ende dieses magischen Buches ist offen, auch hat „Ein ganz besonderes Jahr“ keinen wirklichen Schluss. Es war mir eher so, als ob dieses Ende einen Neubeginn, eine ungeschriebene Zukunft, markiert.

„Keine Parfümerie vermag eine so vollkommene Cuvée aus dem Zusammenspiel zahlloser Düfte zu erzeugen wie eine Buchhandlung, in der mit aller Liebe alte und neue Werke sortiert wurden.“

Noch immer spukt mir das Buch im Kopf herum – ich frage mich, wie die Geschichte wohl weitergeht, denke aber nicht nur über Valerie nach sondern auch über viele andere der Charaktere. Obwohl sie teilweise nur kurze Auftritte hatten, habe ich sie sehr intensiv erlebt. Ebenso die vielen Szenen Valeries, die sie in der Buchhandlung verbrachte, ihre Entwicklung im Roman.

„Ein ganz besonderes Jahr“ ist ein Gewinn für alle Buchmenschen. Für jeden, dem die Literatur viel bedeutet. Für alle, die bereit sind, sich wundervollen Zitaten zu öffnen und sich von ihnen verzaubern zu lassen. Dieser Roman trägt ganz wundervoll die Magie der den Büchern innewohnenden Phantasie in das reale Leben hinein. Denn auch hier lässt sich nicht alles in Tabellen und Listen erfassen. Es gibt mehr Platz für Individualität und Veränderungen als man im Tunnelblick des Alltags zu glauben vermag.

„In einem Buchladen konnte die Schönheit der Form niemals neben der Vielfalt und Besonderheit des Verpackten bestehen. „

Inhalt
Eigentlich wollte Valerie die etwas altmodische Buchhandlung ihrer spurlos verschwundenen Tante auflösen. Doch die junge Betriebswirtin hat die Macht der Bücher und die Magie der kleinen Buchhandlung mit dem Samowar unterschätzt. Jeden Tag entdeckt sie neue Schätze der Literatur und taucht immer tiefer in die zauberhafte Welt der Bücher ein. Als sie auf ein merkwürdiges Buch stößt, das nicht zu Ende geschrieben wurde, hält sie es für einen Fehldruck. Doch dann betritt ein Kunde ihre Buchhandlung, der genau dieses Buch schon lange sucht …

Buch
„Ein ganz besonderes Jahr“ von Thomas Montasser ist im Januar 2016 unter der ISBN-Nr. 978-3-492-30689-8 im Piper Verlag erschienen. Der Roman umfasst 192 Seiten und ist ebenfalls al eBook erhältlich.

Autor
Thomas Montasser arbeitete als Journalist und Universitäts-Dozent und war Leiter einer kleinen Theatertruppe. Er schrieb den großen Epochenroman »Die verbotenen Gärten«, unter dem Pseudonym Fortunato auch Kinderbücher wie »Zauber der Wünsche«. Als Vater von drei Kindern lebt er mit seiner Familie in München. Er ist Literaturagent und kennt nichts Schöneres, als in kleinen Buchhandlungen zu stöbern. Mit »Ein ganz besonderes Jahr« hat er sich seinen Traum erfüllt, endlich ein Buch über die Macht der Geschichten und über ihren Zauber zu verwirklichen.
Quelle: Piper Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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2 Antworten zu *+* Thomas Montasser: „Ein ganz besonderes Jahr“ *+*

  1. tinaherrlich schreibt:

    Liebe Heike,

    wie schön – deine Rezi zum besonderen Jahr ist da! 🙂 Du hast das Buch ganz toll beschrieben! Und du hast Recht: Dieser Roman ist ein Gewinn für alle Menschen, die Bücher lieben. Ich denke auch noch gerne an die Lektüre zurück und habe mich gefreut, das Buch gemeinsam mit dir gelesen zu haben. 🙂

    Lieben Gruß
    Tina

  2. Miri schreibt:

    Das Buch klingt toll!

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