*+* Veit Etzold: „Todesdeal“ *+*

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Todesdeal
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Liebe Lesefreunde,

Martin konnte sein Glück kaum fassen. Na gut, zunächst musste er sich an den Gedanken gewöhnen, nach Afrika zu gehen. Der Journalist bekam zum ersten Mal die Chance auf eine richtig große Story. Hatte er bisher eher über nicht wirklich interessante B-Promis zu berichten, sollte er nun in den Virunga-Nationalpark reisen und zu Ehren Dian Fosseys für einen großartigen Artikel über Berggorillas recherchieren.

Sogleich teilte ich Martins Bedenken mit ihm, denn der Virunga-Nationalpark liegt in der Nähe einer wirklich gefährlichen Gegend Afrikas. Im Dreiländereck Ruanda-Uganda-Kongo toben häufig Stammeskriege zwischen den Tutsi und Hutu-Kriegern, aber das ist definitiv nicht das einzige Problem der Gegend.

„Der Kongo ist zu reich für den Frieden.“

Reichhaltige Rohstoffvorkommen fordern ihren Tribut, denn nicht nur die Oberen in der Hackordnung der hiesigen Gegend beuten die Natur und Bevölkerung für die eigene Tasche aus, auch außerkontinentale Staatschefs und Machthungrige strecken ihre Fühler in die entsprechenden Gebiete aus. Mit harten Bandagen, Tricks und ohne Rücksicht auf Verluste wird verhandelt – jeder will das größte Stück vom Kuchen und man gönnt den Widersachern nicht den kleinsten Krümel – der armen Landbevölkerung übrigens auch nicht.

„In jedem Handy steckt ein Stück Kongo“.

Martin reiste nach reiflicher Überlegung nach Afrika und sah sich schneller als ihm lieb war, mit seinen Bedenken und Befürchtungen konfrontiert. Er geriet zwischen die Fronten, wurde zum Spielball zwischen Warlords und Verhandlungspartnern verschiedener Erdteile….

Von der ersten bis zur letzten Seite wusste mich dieser erste Wirtschafts-Politthriller von Veit Etzold zu begeistern. Das Ganze fängt – mitten in der Geschichte – äußerst spannend mit einer ziemlich ausweglosen Situation für Martin an; Nach dem Prolog werden die Begebenheiten dann chronologisch erzählt. Ich zitterte und bangte um den Journalisten, wusste bis zum Schluss nicht, ob er seine Haut würde retten können. Ein bisschen naiv war er manchmal schon, aber ich mochte ihn. Nachdem er übel in Bedrängnis geraten war, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als dass er die allgegenwärtigen, üblen Machenschaften würde aufdecken können, aber das war wohl eher Wunschdenken.
Zu groß waren Macht, Gier, die finanziellen Möglichkeiten und die Kanäle, über die die „Verhandlungspartner“ verfügten. Martin wurde zunehmend zum Spielball der Willkür und das Interesse der verschiedenen Parteien diente nicht dazu, ihm zu helfen, sondern sich selbst in eine bessere Verhandlungsposition zu manövrieren.

„Ein Toter ist eine Tragödie. Millionen Tote reine Statistik“

In „Todesdeal“ finden recht viele Protagonisten einen Platz und der Autor hat sehr gut daran getan, vor den eigentlichen Thriller ein Personenregister zu setzen. So konnte ich mich vorab mit all den Handlungsträgern vertraut machen, was mir half, leichter in die Geschichte einzutauchen. Die Charaktere sind sehr detailliert geschnitzt, individuell, mit einem relativ hohen Widererkennungswert. Gemein war fast allen die starke Identifikation mit ihrem jeweiligen Land. So las ich immer wieder Zitate längst abgedankter früherer Staatschefs, deren Ideologien auch heute offenbar noch in vielen Köpfen verankert sind. So bekam ich immer wieder Aussagen von Lenin, Stalin, Mao etc. zu lesen. Was mich allerdings nicht störte, im Gegenteil. Mir gefiel dieses Stilmittel zur Unterstreichung der verbohrten, veralteten Ansichten und Ideologien einiger der Handlungsträger sehr gut.

„Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“

Überhaupt ist die Einführung in die Machenschaften der Verhandlungspartner sehr überzeugend gelungen. Genau so stelle ich mir Politik hinter verschlossenen Türen vor. Jeder denkt in erster Linie an sich selbst, drückt sein Recht mit allen rechten und unrechten Mitteln durch und geht zur Not auch über Leichen. Skrupellosigkeit und ethische Beweglickeit scheinen grenzenlos…
Veit Etzold schildert gnadenlos und dennoch sehr glaubwürdig die interstaatlichen Verhandlungen, die Absprachen, bei denen keiner dem anderen wirklich traut und jeder nur das eigene Interesse im Sinn hat – zu fast jedem Preis.

„Sie müssen vielleicht einige ihrer früheren Prinzipien verraten, aber das muss man ja häufig.“

Neben Martins Schicksal fesselten mich die Schilderungen dieser Verstrickungen sehr. Es war manchmal sehr bedrückend, denken zu müssen, das dies zwar eine fiktive Geschichte ist, die Basis und Grundlagen dazu aber leider sehr real sind. Und natürlich rührte sich immer wieder ein schwaches schlechtes Gewissen in mir, dass wir durch unseren Wohlstand indirekt die afrikanischen Menschen leiden lassen.

„Wer glaubt, dass Volksverteter das Volk vertreten, der glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.“

Das Thema, die Umsetzung, die Ausarbeitung der Charaktere, der Stil, all das hat mich fast durch das Buch fliegen lassen. Dieser Thriller ist am Puls der Zeit und ist ein Augenöffner für uns Leser aus den reichen Konsumländern. Denn so grausam die Gewinnung und der Vertrieb des Coltans (ohne dieses Metall würde kein Handy funktionieren) auch sind, so wenig wird dieses Wissen darüber öffentlich verbreitet. Ich finde es richtig, dass solch kritischen Themen zunehmend Eingang in die Gegenwartsliteratur finden. Veit Etzold hat durch einige berufliche Stationen ein umfassendes Hintergrundwissen zu allen Aspekten seines Thrillers, das er sehr anschaulich an den Leser heranträgt.

Einziger Wermutstropfen waren die überdurchschnittlich vielen Rechtschreibfehler, die manchmal den Lesefluss störten. Aber dafür kann der Autor nichts und es mindert auch nicht die inhaltliche Qualität des Thrillers.

Allen Freunden der Spannungsliteratur und allen politisch und wirtschaftlich interessierten Lesern kann ich diesen Thriller sehr empfehlen!

Inhalt
Im afrikanischen Kongo wütet seit Jahrzehnten ein grausamer Krieg. Es ist ein Kampf um die kostbaren Rohstoffe, die dieses ansonsten so bitterarme Land in Fülle abbaut und die in jedem digitalen Gerät stecken. Martin, ein junger Berliner Journalist, reist für seinen ersten großen Rechercheauftrag in den Kongo. Kurz nach seiner Ankunft wird er von den Milizen eines Warlords in Geiselhaft genommen. Ausgelöst wird er von einer Geschäftsfrau aus Ruanda. So gerät der unerfahrene Journalist in die gnadenlosen Hände von russischen Oligarchen, chinesischen Investoren und deutschen Waffenhändlern. Zu spät stellt Martin fest, dass auch er nur Verhandlungsmasse in einem geopolitischen Schachspiel ist, in dem die Rohstoffverteilung für das 21. Jahrhundert festgelegt wird. Und dass dieser erste große Rechercheauftrag vielleicht sein letzter sein könnte.

Das Buch
„Todesdeal“ von Veit Etzold ist im Oktober 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-426-30434-1 Im DroemerKnaurVerlag erschienen. Der Thriller umfasst 480 Seiten und ist auch als eBook und Hörbuchdownload erhältlich.

Der Autor
Dr. Veit Etzold ist Autor von vier Spiegel-Bestseller-Thrillern, die in sieben Sprachen übersetzt wurden. Er studierte internationales Management an der IESE Business School mit Stationen in Barcelona, New York, San Francisco / Silicon Valley und Shanghai. Er arbeitete für die internationale Strategieberatung Boston Consulting Group in Europa, Asien und den USA, Booz & Company, die Allianz Gruppe und als Berater für die globale Bergbaufirma Gaia Mineral Resources und die Investmentholding African Development Corporation in Ruanda, Hong Kong und Peking. Er ist Berater des Auswärtigen Amtes, Mitglied in unterschiedlichen Expertengruppen der Atlantikbrücke und Dozent für Geopolitik an der IESE Business School und an der Singapore Management University. http://www.veit-etzold.de/
Quelle: Droemer Knaur Verlag

 

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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5 Antworten zu *+* Veit Etzold: „Todesdeal“ *+*

  1. Ronja schreibt:

    Ich liebe gut recherchierte Bücher, die viel Wissen vermitteln. Und grade heutige Themen faszinieren mich immer. Ich gebe dir voll und ganz recht, es ist gut und wichtig, dass diese Themen Einzug in unsere Literatur halten. 😉

  2. AstroLibrium schreibt:

    Wohl mehr als ein Thriller. Hier wird Afrika in all seiner Ausbeutung und als Spielplatz von Wirtschaftsinteressen gezeigt. Ich denke, es ist wichtig, das in Krimis ebenso zu thematisieren, wie in Sachbüchern oder Reportagen.

    Die besten Stories schreibt das Leben…

  3. Anja Schmidt schreibt:

    Ich habe von Veit Etzold bisher nur „Der Totenzeichner“ gelesen und konnte den Hype nicht ganz nachvollziehen. Es war OK, konnte mich aber nicht ganz überzeugen. Aber auch hier kann ich ihm eine gute Recherche und Hintergrundwissen bescheinigen. Vielleicht könnte ihn mir dieses Buch etwas näher bringen…

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