*+* B.C.Schiller: „Rattenkinder“ *+*

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Rattenkinder
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Liebe Lesefreunde,

äußerst mysteriös ist der Mord an einer jungen Frau. Denn während ihr Baby selig in seinem Kinderwagen schlummerte, hat jemand der Frau eine Garotte um den Hals gezogen. Zeugen gab es keine und so müssen sich Inspektor Braun und sein Team durch den Wust an Ermittlungspfaden kämpfen. Interessant nur, dass ein Insasse der Psychiatrie Braun kurz nach dem Mord einen Zettel mit den Koordinaten des Fundortes in die Hand drückt.

Viktor Maly heißt der Mann, lebt seit gut einem Jahr in der Einrichtung und leidet an einer retrogarden Amnesie – sprich: Er weiß nichts über seine Vergangenheit. Und so fragte nicht nur ich mich: „Wer ist Viktor Maly?“ Die Recherchen der Polizei ergeben merkwürdigerweise, dass es den Mann gar nicht geben kann, denn der Psychiatrie-Patient Maly existiert unter diesem Namen exakt seit dem Zeitpunkt seiner Einlieferung. Wer ist er wirklich? Und wer ist oder war Viktor Maly? Denn nur so aus dem Blauen gegriffen wird der Name nicht gewesen sein….

Die Ermittlungen führen den Leser gemeinsam mit der Polizei über Stock und Stein, gehen durch eine Drehtüre unabsehbarer Verbindungen der Protagonisten untereinander, schlagen mehrere Haken der Irrungen, Wirrungen und überraschender Wendungen und landen schließlich jenseits der Landesgrenze. Denn in Tschechien scheint die Wurzel allen Übels zu liegen.

So verwunderte es nicht, dass einer der Handlungsstränge in diesem Land beginnt. Meine Lesestimmung an diesem Ort war sehr getrübt, denn die Autoren nahmen mich mit in einen Roma-Slum. Ich wand mich innerlich, denn welche Szenen sich dort vor meinem inneren Auge abspielten, waren einfach nur scheußlich. Arme, nein ärmste und mehr als verzweifelte Menschen mussten sich den unmenschlichen Bossen unterwerfen, um das, was sich für sie Leben nannte, zu schützen und zu bewahren. Der Wille der ausgelieferten Menschen, überwiegend Frauen und ihre Kinder, kümmerte niemanden. Die Mächtigen bestimmten die Regeln und nahmen sich, was sie wollen. Besonders schrecklich und bedrücklich empfand ich die dortigen Szenen, da es zwar nicht dieses spezielle, fiktive Ghetto gibt, aber sehr wohl solche Ansammlungen von Menschen unter der Regierung grausamer Machthaber.

Der überwiegende Teil des Thrillers handelt von der Ermittlungsarbeit der Polizei – ergänzt um einige Ausflüge in die Privatsphäre der Protagonisten. Das gefiel mir sehr gut, denn so lernte ich die Truppe besser kennen und wurde recht schnell warm mit ihnen allen. Zudem spielte die persönliche Vergangenheit einer der Ermittlerinnen eine wesentliche Rolle im weiteren Verlauf der Handlung.

Einige Kapitel waren den Gedankengängen Malys gewidmet. Es war auch hier sehr interessant, mehr über den dubiosen Kranken zu lesen, „in seinen Kopf“ schauen zu können und zu erfahren, dass er wirklich nicht weiß, wer er ist. Umso interessanter war für mich das Voranschreiten im Thriller, in der Hoffnung, dass es irgendeinen Katalysator geben würde, einen Funken an Erinnerungsfetzen, der Maly den Weg in seinen Kopf, in seine Erinnerung, freiräumen könnte.

Tagebucheinträge eines Unbekannten, dessen Identität sich immer mehr lüftete, je weiter der Fall zum Ende kam, durchbrachen die eigentliche Erzählung und streuten somit weitere Spannung in die Lektüre ein.

Trotz der verschiedenen Erzählstränge und Perspektiven konnte ich dem Thriller jederzeit sehr gut folgen und die Zusammenhänge begreifen, denn sie wurden ganz großartig miteinander verwoben. Der Plot ist überzeugend ausgearbeitet, auch sprachlich und inhaltlich wurde die Geschichte hervorragend mit Leben gefüllt. Der flüssige, mitreißende Schreibstil machte das Buch zu einem waren Pageturner, die kurzen Kapitel verstärkten den Effekt.

Es taten sich Abgründe auf, was die Möglichkeiten der menschlichen Psyche anging, des Übels der überstarken Ich-Bezogenheit, der Raffgier und Machtbesessenheit, die die entsprechenden Charaktere über Leichen und verzweifelte Menschen gehen ließ.

Wer ist der Täter – und warum? Diese beiden Fragen umtrieben mich bis zuletzt. Hatte ich eine vage Vermutung, wer es sein könnte, nahm ich von diesem Gedanken ganz schnell wieder Abstand, denn ich sah keinerlei Zusammenhang zum anfänglichen Mord an der jungen Mutter. Ich fieberte mit dem tollen Ermittlerteam mit, durchlebte Phasen guter Ideen und kleinerer Erfolge aber auch die Rückschläge, die Braun und sein Team immer wieder zurückwarfen. Nach mehreren fesselnden, kleineren Show-Downs, die mich sukzessive zum Ziel führten, durchblickte ich endlich das schreckliche Geflecht an Hass und Verzweiflung, das so schreckliche Folgen nach sich gezogen hatte.

Die beiden Autoren haben umfassend recherchiert und die erschreckende Wahrheit in einen nicht minder schrecklichen Thriller umgesetzt. Die Handlung ist fiktiv, aber die Schicksale der Menschen sind bedrückend realistisch umgesetzt. Wirkliche Schock- oder Gruselszenen gibt es kaum, aber dennoch ist die Spannung stets auf relativ hohem Niveau – vielleicht gerade wegen des nahen Bezugs zur Wirklichkeit.

„Rattenkinder“ ist der sechste Thriller des Paares, aber der erste Thriller, mit dem der Bastei Lübbe Verlag Barbara und Christian Schiller unter Vertrag genommen hat – eine sehr gute Entscheidung, wie ich finde. Denn dieser Titel kann sich durchaus mit den „ganz Großen“ des Fachs messen!

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Inhalt
Die Angst hat einen neuen Namen: Viktor Maly.
Eine junge Mutter wird grausam zugerichtet auf einer Parkbank gefunden, neben sich ihr quicklebendiges Baby – und ein Rattenschädel. Das ist nicht der einzige geheimnisvolle Hinweis, den Chefinspektor Tony Braun erhält: Ausgerechnet Viktor Maly, ein Insasse der Psychiatrie, scheint mehr über den Fall zu wissen. Doch er hat seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Wurde die Frau Opfer eines lange geplanten Komplotts? Da geschieht eine weitere Bluttat. Und es gibt nur einen Zeugen: Viktor Maly …
Wer seine Ermittler unkonventionell mag, seine Morde blutig und die Dunkelheit der Seelen ganz, ganz tief, der kann sich mit den Thrillern um Chefinspektor Tony Braun auf ein besonderes Lesevergnügen freuen.

Buch
„Rattenkinder“ von B.C.Schiller ist im Oktober 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-404-17264-1 im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Der Thriller umfasst 446 Seiten und ist ebenfalls als eBook und als Hörbuch sowie als Audio-Download erhältlich.

Autoren
B.C. Schiller ist das Autoren-Duo Barbara und Christian Schiller. Ihre abgründigen Thriller sind seit Jahren fester Bestandteil der E-Book-Bestseller-Charts, sie sind echte Stars der deutschsprachigen Selfpublisher-Szene. Christian Schiller interviewte für seine Radiofeatures viele finstere Gestalten, wie den österreichischen Serienkiller Jack Unterweger. Diese Erfahrungen, aber auch Barbara Schillers bizarre Erlebnisse  in Osteuropa fließen in fiktiver Form in ihre Thriller ein. Zusammen mit ihrem Rhodesian Ridgeback-Rüden Kajumba Jabali leben sie auf Mallorca und in Wien.
Quelle: Bastei Lübbe Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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