*+* Rowan Coleman: „Zwanzig Zeilen Liebe“ *+*

.
Zwanzig Zeilen Liebe
.
Liebe Lesefreunde,

stellt euch vor, ihr seid schwerkrank. So sehr krank, dass ihr eure letzten Tage fast abzählen könnt. Ein schlimmer Gedanke, oder? Es ist nicht nur schrecklich, dass es euch bald nicht mehr geben wird, es ist noch viel schrecklicher, dass alle eure Gedanken und Gefühle mit euch verschwinden werden. Es sei denn, ihr würdet sie aufschreiben. All das, was euch noch auf der Seele brennt, was ihr unbedingt noch loswerden wollt. Dinge, die ihr bei anderen klarstellen wollt, wichtigen Menschen sagen, wie sehr ihr sie liebt, jemanden von seiner Schuld befreien, oder einfach eurer eigenes schlechtes Gewissen beruhigen. Ganz schlimm ist es aber, dass ihr zu schwach zum Schreiben seid. Dass ihr nichts mehr klären könnt, eure Gedanken nicht mehr hinaus in die Welt transportieren könnt.

In diesem Buch ist dies möglich, dank Stella! Sie arbeitet als Nachtschwester in einem Hospiz und es hat sich so ergeben, dass sie die letzten Wünsche, diese „Zwanzig Zeilen Liebe“ der Todgeweihten niederschreibt und dem Wunschempfänger zukommen lässt. Ich bewunderte Stella sehr dafür. Nicht nur, dass sie auf dieser Station arbeitete, auch dass sie sich emotioanl so nahe an ihre Patienten heranwagte.

Um das Thema der Abschiedsbriefe herum hat der Autor eine Geschichte aus meheren Protagonisten gesponnen, die nach und nach einen immer festeren Rahmen bildete. Im Zentrum steht auch hier Stella. Stella, die privat nicht vom Glück verfolgt wird, aber dennoch mit allen Bandagen um dieses Glück kämpft. Aber Stella ist nicht die einzige Hauptperson. Hope, eine sehr kranke, junge Frau, rückt mehr und mehr in den Fokus. Sie bewegt sich langsam aber sicher aus ihrem selbstgewählten Schneckenhaus heraus ins Leben. Auch wenn es ihr zunächst sehr schwer fällt und sie durch das Miteinander mit anderen Menschen stark gefährdet ist, Rückfälle zu erleiden, erkämpft sie sich Stück für Stück einen Teil der Normalität, der für andere nicht der Rede wert ist. Einerseits bewunderte ich sie sehr für ihren Mut. Andererseits sorgte ich mich um sie wie eine Mutter, denn die ihr drohenden Rückschläge konnten sie gut und gerne das Leben kosten.
Und schon kreisten die Gedanken. Wie sollte man sich entscheiden? Leben, als gäbe es kein Morgen und dabei riskieren, dass diese Lebenslust möglicherweise vorbei ist, bevor sie richtig begonnen hat? Oder auf alles verzichten, sich einigeln – dabei zwar viele Jahre mehr erleben, allerdings auf jegliche Lebensqualität verzichten? Hope hat sich entschieden….

Ich bangte nicht nur um sie. Ich hoffte auch für die anderen Charktere, sorgte mich um sie und sehnte für sie das jeweils Bestmögliche herbei. Jeder musste hier sein Päckchen tragen, nicht nur die Sterbenden. Das Leben geht manchmal seltsame Wege…

Einige der Figuren, einige der Situationen und manche Beziehungen untereinader waren mir für das ursächliche Thema des Buches allerdings zu laut umgesetzt. Vieles war über Gebühr konstruiert und lenkte vom Wesentlichen ab. Für meinen Geschmack wurde da zu viel Theatralik eingesetzt, wo das Schicksal sich so oft ganz lautlos heranschleicht. Etwas weniger an Extremen wäre möglicherweise mehr gewesen. Aber das ist Geschmackssache.

Den Grundgedanken des Romans empfinde ich aber als sehr schön und es tat so gut zu lesen, wie die Hospizgäste reinen Tisch machen konnten, oder es zumindest versuchten. Ein Gedanke setzte sich in mir fest: Bloß nicht zu lange warten, um Dinge zu klären. Was ist, wenn das Schicksal einem ins Handwerk pfuscht und man dann keine Stella greifbar hat – oder noch schlimmer, wenn man durch einen Unfall von jetzt auf gleich aus dem Leben gerissen wird, ohne jede Chance, „seine Dinge“ noch regeln zu können. Man sollte wirklich alles immer sofort klären, nichts mit sich rumschleppen, auch wenn das manchmal sehr viel Mut benötigt. Ohne diese „Lasten mitzuschleppen“ lebt es sich als Nebeneffekt vermutlich auch viel angenehmer und leichter.

Inhalt
Sorg dafür, dass dein Vater sich wieder verliebt. Iss jeden Tag Gemüse. Trau keinem Mann mit übermäßigem Bartwuchs. Tanz auf meiner Beerdigung zu Dean Martin. Nacht für Nacht bringt Stella diese und andere Zeilen zu Papier. Doch es sind nicht ihre eigenen Gedanken und Wünsche. Die Hospizschwester schreibt Abschiedsbriefe im Auftrag ihrer schwer kranken Patienten und überreicht deren Nachrichten, nachdem sie verstorben sind. Bis sie einen Brief verfasst, bei dem sie keine Zeit verlieren darf. Denn manchmal lohnt es sich zu kämpfen: Für die Liebe. Für das Glück. Für den einen Moment im Leben, in dem die Sterne am Himmel ein wenig heller leuchten …

Buch
„Zwanzig Zeilen Liebe“ von Rowan Coleman ist im August unter der ISBN-Nr. 978-3-492-06017-2 im Piper Verlag erschienen. Der Roman wurde von Marieke Heimburger ins Deutsche übersetzt. Er umfasst 416 Seiten und ist auch als eBook und Hörbuch erhältlich.

Autorin
Rowan Coleman lebt mit ihrer Familie in Hertfordshire. Wenn sie nicht gerade ihren fünf Kindern hinterherjagt, darunter lebhafte Zwillinge, verbringt sie ihre Zeit am liebsten schlafend, sitzend oder mit dem Schreiben von Romanen. Da kann das Bügeln schon mal zu kurz kommen. Rowan wünschte, ihr Leben wäre ein Musical, auch wenn ihre Tochter ihr mittlerweile verboten hat, in der Öffentlichkeit zu singen. Zuletzt stand sie mit »Einfach unvergesslich« wochenlang auf der Bestsellerliste.
Quelle: Piper Verlag

Advertisements

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
Dieser Beitrag wurde unter Romane abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu *+* Rowan Coleman: „Zwanzig Zeilen Liebe“ *+*

  1. Baroness schreibt:

    Das hört sich gut an!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s