*+* Steve Watson: „Tu es. Tu es nicht.“ *+*

.
Tu es. Tu es nicht.
.
Liebe Lesefreunde,

Julias Schwester Kate ist ermordet worden. Ein harter Schlag für die Frau, denn sie ist psychisch angeschlagen und eher labil – und durch die Todesnachricht ziemlich durch den Wind.

Der Thriller ist in der gegenwärtigen Ich-Form geschrieben. So erhält der Leser aus erster Hand Einblicke in das Seelenleben der Frau. Sie springt in ihren Gedaken, ist mal in der Vergangenheit – in ihren wilden Zeiten, die sie mit einem Jugendfreund erlebte, der ihr viel bedeutete. Auch er ist tot, schon lange, und nun wird sie wieder mit dem Tod eines geliebten Menschen konfrontiert. So schweift sie gedanklich immer wieder zu Kate, aber auch zu ihm, zurück in die früheren Zeiten.

Und ich fragte mich an diesen Stellen immer wieder: Ist diese Vergangenheit von Bedeutung, oder ist sie nur ein genialer Schachzug des Autors, seine Leser auf den Holzweg zu führen?

Julia droht den Boden unter den Füßen zu verlieren und selbst ich war mir lesenderweise manchmal nicht mehr sicher, wo oben und unten war. Dass sie den Mord an Kate aufgeklärt haben wollte, wer kann es ihr verdenken? Aber dass Julia sich derart hineinsteigert und große und noch größere Dummheiten macht – alles unter dem Deckmantel ihrer Ermittlungsarbeit, das war schon harter Stoff für mich.

Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich keine Geschwister habe und nicht einschätzen kann, wie man sich bei einem solchen Verlust fühlt. Vielleicht würde ich mich in diesem Fall in einen noch abstruseren Strudel hineinkreiseln – ich werde es nie erfahren.

Dennoch, so ganz greifbar wurde Julia nie für mich. Sie setzte alles auf eine Karte, war sogar bereit, ihr altes Leben aufzugeben – so schien es phasenweise – getrieben von Wut und von Rache. So klinkte sie sich in die letzten Spuren ihrer Schwester, versuchte sich, in sie hineinzudenken und sie zu kopieren – mit Erfolg auf der ganzen Linie, möchte ich sagen.

Jedoch, ach nein….deutlicher möchte ich zum Inhalt nicht werden. Wie Julia den Mord aufzuklären versucht, ob sie jemanden überführen kann und was sonst noch alles passiert, das verrate ich euch nicht. Lest einfach selbst den Thriller, wenn ich euch jetzt neugierig gemacht habe 🙂

Den Mord an der Schwester aufzuklären und möglicherweise zu rächen, ist ein sehr interessantes Thema. Leider war mir Julia fast durchweg unsympathisch, was sicher nicht an ihr lag. Denn Geschmäcker sind verschieden, und wen der eine nicht mag, findet ein anderer sympathisch. Wir sind uns halt einfach vom Typ her mehr als unähnlich und so verfolgte ich an einigen Stellen ihr Tun äußerst distanziert. Ich fragte mich immer wieder, ob Julia so naiv war, sich derart zu verhalten? Oder war sie einfach nur brilliant und genial, weil sie möglicherweise den Königsweg gefunden hatte, Licht in das Dunkel um Kates Tod zu bringen?

An so vielen Stellen glaubte ich, den Durchblick zu haben – nur um jedes Mal zu bemerken, dass ich mal wieder bereitwillig einem der Holzwege des Autors gefolgt war.

Das Ende kam etwas überstürzt und ich hatte Mühe, das ganze, äußerst geschickt ausgeklügelte System zu durchschauen. Ganz zum Schluss – als alle Vorhänge gefallen waren – ergab alles einen Sinn. Ich erlebte eine riesige Überraschung in dieser stark konstruierten Erzählwelt.

Auch wenn ich mich nicht mit Julia identifizieren konnte und dadurch nicht so sehr wie sonst mit ihr zitterte, bangte und hoffte, wollte ich unbedingt wissen, wer Kate ermordet hatte und wie alle Puzzleteile zusammenhingen. Die Seiten flogen nur so. Der Autor hat einen sehr flüssigen, teilweise Erzählstil, der mich immer wieder mitgerissen hat.

Inhalt:
Du bist viel leichter zu manipulieren, als du denkst: der neue Thriller vom Autor des Welterfolgs ›Ich. Darf. Nicht. Schlafen.‹

Sie liebt ihren Mann. Und ist besessen von einem Fremden.
Sie ist eine gute Mutter. Und würde ihre Familie aufgeben.
Sie weiß, was sie tut. Und gerät außer Kontrolle.
Sie lebt zwei Leben. Und kann beide verlieren.

Julia führt ein scheinbar gesichertes Leben mit Mann und Sohn in London. Da wird ihre Schwester brutal ermordet. Julia begibt sich auf eine gefährliche Suche – und gerät unaufhaltsam in den Sog des Verbrechens und der Vergangenheit.

Zum Buch:
„Tu es. Tu es nicht.“ von Steve Watson ist unter der ISBN-Nr. 978-3-651-00009-4 in den Fischerverlagen erschienen und wurde aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann übersetzt. Der Thriller umfasst 477 Seiten und ist ebenfalls als eBook und

Autor:
Von Null auf Welterfolg: S. J. Watson wurde gleich mit seinem ersten Thriller weltweit bekannt. Der Londoner Autor wurde in den Midlands geboren, hat viele Jahre für den britischen Gesundheitsdienst gearbeitet und an der Faber Academy kreatives Schreiben studiert.
Sein Debüt ›Ich. Darf. Nicht. Schlafen.‹ erschien in über 40 Ländern und wurde mit Nicole Kidman und Colin Firth fürs Kino verfilmt. Auch Watsons zweiter Thriller ›Tu es. Tu es nicht.‹ ist ein internationaler Bestseller.

Quelle: Fischerverlage

Advertisements

Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
Dieser Beitrag wurde unter Thriller veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu *+* Steve Watson: „Tu es. Tu es nicht.“ *+*

  1. Pingback: *+* Wochenshow #41 *+* | Irve liest...

  2. tinaherrlich schreibt:

    Ich habe das Hörbuch (auf Englisch) zur Hälfte gehört und gestern abgebrochen, weil mir die Geschichte irgendwie zu krass war… Du hast recht, Julia steigert sich in ihre Ermittlungen so rein, dass sie sich selber aufgibt. Und ich finde sie auch ziemlich naiv – diesem Lucas so zu vertrauen… (Ob er „böse“ ist, weiß ich noch nicht.) Na ja, vielleicht werde ich mir die zweite Hälfte später noch anhören.
    Zur Zeit lausche ich dem Hörbuch „Ein untadeliger Mann“. Davon bin ich bis jetzt sehr begeistert und denke, dass es dir auch gefallen könnte. 🙂
    Lieben Gruß von Tina

    • irveliest schreibt:

      Jaja…Julia und Lucas….das war auch bei mir der Punkt: Naiv oder clever, sich da so dranzuhängen…. Nunja…Ich.darf.nicht.schlafen. habe ich auch noch im Regal…mal sehen, wann das an die Reihe kommt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s