*+* Paula McLain: „Lady Africa“ *+*

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Lady Africa 2
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Liebe Lesefreunde,

bevor ich diesen Roman in die Hand nahm, hatte ich noch nie etwas über Beryl Markham gehört. Und das, obwohl sie die erste Frau war, die den Atlantik überquerte! Da ich sehr gerne biografische Erzählungen lese und ebenso mit einer ganz subtilen Faszination für Afrika erfüllt bin, musste ich „LadyAfrica“ einfach lesen!

Ich liebte das Buch von der ersten Seite an und das, obwohl sich mein europäisches Herz immer wieder voller Verzweiflung wand über das, was sich unser Erdteil einst in Afrika erdreistet hat. Es dürfte niemandem neu sein, dass viele der Länder des schwarzen Kontinents von der britischen Krone, aber auch von anderen Ländern eingenommen und unterworfen wurden. Mit diesem Wissen wuchs man auf, so war es halt passiert – und zumindest ich machte mir nie tiefere Gedanken darüber, was in der Vergangenheit alles nicht hätte passieren dürfen. In diesem Roman fließt sehr gut und auch sehr angemessen ein, welch tiefgreifende Auswirkungen für die Afrikaner das oberflächliche Leben weniger gelangweilter, weißer Eindringlinge hatte und auch heute noch hat. In manchen Passagen war ich sehr wütend auf diese anmaßenden, reichen Menschen mit ihren Luxus-Problemen.

Beryl – obwohl auch aus Europa stammend – passte nicht wirklich in diese Kreise, fühlte sich oft unter diesen Menschen nicht richtig wohl und sich nur wenigen von ihnen verbunden. Wann immer möglich, umging sie die Etikette. Ich mochte Beryl sehr. Und das, obwohl sie und ich unterschiedlicher nicht sein könnten. Beryl war mir oft sehr fremd – und doch so nah und so nahm ich oft mit sehr schwerem Herzen Anteil an ihrem Leben und ihrem Schicksal. Sie war eine Kämpferin, ein Stehaufmännchen und einfach nur bewundernswert, wenn sie Tiefschlag um Tiefschlag überwand. Aber aufzugeben wäre für diese Frau nie in Frage gekommen. Sie ging stets an ihre Grenzen und manchmal – so schien mir – auch darüber hinaus.

„Wenn man leidet, hilft es manchmal, sich auf etwas zu stürzen, was einen trägt.“

Beryls Verluste und Schicksalsschläge ziehen sich wie ein roter Faden durch das Buch. Vielleicht machte sie das noch wagemutiger als sie ohnehin schon war. Den Schmerz betäuben mit immer größeren Herausforderungen – in jedem Bereich!

Dabei sah es doch zunächst ganz gut aus. Als sie ein kleines Kind war, siedelte Beryls Familie nach Afrika über. Ihre Mutter konnte sich jedoch mit dem dortigen Leben nicht anfreunden und ging zurück in die Heimat. Der Vater schien gemeinsam mit der Tochter Fuß zu fassen und konnte sich eine Existenz aufbauen. Aber wie heißt es so schön? Nichts ist für die Ewigkeit und Beryl stand mehr als einmal vor dem Nichts und einem Neubeginn.

Sehr gerührt war ich zu Beginn des Romans, als Beryl in jungen Jahren als weißes unter all den farbigen Kindern aufwuchs, glücklich und gleichberechtigt. Bei Kindern ist oft alles so einfach. Wenn man seelenverwandt ist, spielen Äußerlichkeiten keine Rolle. Aber niemand bleibt immer Kind und mit dem Schritt in das Jugendalter musste Beryl aus dem Kreis ihrer Freunde, ihres sicheren Seelenheils, austreten. Wie habe ich mit ihr gelitten und nicht nur in dieser Phase ihres Lebens, denn für sie war nichts schimmer als wenn sie Vernunft über Gefühl stellen musste.

Die Kunst bestand darin, die Dinge zu nehmen, wie sie kamen, und zwar voll und ganz, ohne Widerstand oder Angst oder den Versuch, sie zu fest zu packen oder zu verbiegen.“

Glücklicherweise währt wahre Freundschaft ewig und eine Seelenverwandtschaft lässt sich nicht verleugnen. Neben Beryl mochte ich ihren afrikanischen Freund aus Kindertagen am meisten in diesem Buch. Diesen beiden Charakteren galten meine Sympathien, mein Herz, mein Bangen. Für die überheblichen Europäer, die trotz ihres Geldes und ihrer teils wichtigen Positionen und Funktionen recht blass blieben, empfand ich neben meiner eingangs erwähnten Wut oft nur Mitleid und Verständnislosigkeit.
So schlimm ihre persönlichen Probleme auch sein mussten, es war oft Jammern auf hohem Niveau.
Während Beryls Leben so oft im Dunkeln verlief, erstrahlte ihr Stern immer wieder heller als die anderen, vor allem, als sie zum Ende des Buches die größte Herausforderung von allen meisterte und sich den Traum vom Fliegen erfüllte.

Die Teile der Erde wussten so viel mehr als wir und lebten wahrhaftiger danach. Die Dornbäume kannten weder Kummer noch Angst. Die Sternbilder kämpften nicht oder hielten sich zurück, ebenso wenig wie die milchig schimmernde Mondsichel. Alles war vorübergehend und endlos zugleich.“

Lady Africa“ ist ein ganz großartiger Roman. Paula McLain brachte mir die Flugpionierin Beryl Markham sehr empathisch nahe und bot ihr literarisches Schauspiel vor einer großartigen und authentischen afrikanischen Kulisse dar!
Neben sehr guten Recherchen besticht der Roman durch eine wunderbare Sprache und ich habe mir erlaubt, einige meiner Lieblingzitate in diese Rezension einzuflechten.

Ein aufregendes Leseabenteuer in Afrika hat ebenfalls Arndt von AstroLibrium erlebt und in einer ausführlichen Besprechung dokumentiert.

Inhalt
Aufgewachsen als Tochter eines Lords im afrikanischen Busch, interessiert sich die junge Beryl nicht für Seidenkleider und Etikette. Dafür ist sie stark und mutig wie ein Kipsigis-Junge und hat von ihrem Vater alles über Rassepferde gelernt. Doch im britischen Protektorat – dem späteren Kenia – der vorigen Jahrhundertwende ist kein Platz für solch ein ungezähmtes Mädchen. Bis sie in Karen Blixen eine Seelenverwandte findet – und in deren Geliebtem, dem Flieger und Großwildjäger Denys Finch Hutton, das Abenteuer ihres Lebens.

Die Autorin des internationalen Bestsellers „Madame Hemingway“ erzählt in diesem großen Afrika-Epos die wahre Geschichte der Flugpionierin Beryl Markham, die als erste Frau den Atlantik überquerte.

Buch
„Lady Africa“ von Paula McLain ist unter der ISBN-Nr. 978-3-351-03619-5 im Aufbau Verlag erschienen. Der biografische Roman umfasst 464 Seiten und ist auch als eBook erhältlich.

Autorin
Paula McLain studierte an der University of Michigan Kreatives Schreiben und lebte in den Künstlerkolonien Yaddo und MacDowell. Nach zwei Gedichtsammlungen und einem ersten Roman gelang ihr mit dem in 35 Sprachen übersetzten Roman „Madame Hemingway“ ein internationaler Bestseller. Paula McLain lebt mit ihrer Familie in Cleveland.

Übersetzerin
Yasemin Dinçer, geb. 1983, studierte Literaturübersetzen und hat u. a. Daphne Kalotays »Die Tänzerin im Schnee« übersetzt.
Quelle: Aufbau Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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6 Antworten zu *+* Paula McLain: „Lady Africa“ *+*

  1. AstroLibrium schreibt:

    Ich wusste, warum ich das so spät las…du hast mich wieder ins Buch geholt und ich unterschreibe deine Rezi blind.

    Ich führe meine Lesereise nach Afrika weiter und werde dabei genau deinen Gedanken aufnehmen, was Europa diesem Kontinent angetan hat.

    Aber das ist eine andere Geschichte… ein starkes Buch über eine starke Frau…

  2. Pingback: Lady Africa von Paula McLain | AstroLibrium

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