*+* Brigitte Janson: „Holunderherzen“ *+*

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Holunderherzen
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Liebe Lesefreunde,

wenn dir am Ende eines Romans Tränen in den Augen stehen und du gleichzeitig lachst, war es ein gutes Buch. Ein sehr gutes sogar!

Schon mit „Winterapfelgarten“ (Rezension) hatte mich die Autorin in eine große Lesehochstimmung versetzt – und es geschafft, diese Leistung mit ihrem aktuellen Roman zu wiederholen.

Aber worum geht es eigentlich?
Anne hat den Kaffee auf. Sie ist um die Vierzig, aber dennoch noch nicht in guten Händen – oder nicht mehr, je nachdem, wie man die jüngsten Ereignisse betrachten möchte. Sie lebt im selben Haus wie ihre Eltern, die ihr zunehmend zusetzen….aber wir meinen es doch nur gut, Schätzchen…
Lediglich im Beruf ist sie angekommen. Sie betreibt ein erfolgreiches Catering-Unternehmen.

Aber Geld und Erfolg sind nicht alles. Anne spürt, dass sie endlich einmal in sich gehen muss, sich selbst sortieren, um festzustellen, in welche Richtung sie ihr Leben in Zukunft steuern möchte. Da kommt ihr der spontane, unangekündigte Besuch von Tante Tilly, dem schwarzen Schaf der Familie, gerade recht. Sie war schon ihr Leben lang eine Rebellin und auch ihr Alter, die gute Dame hat bereits die 70 Jahre erreicht, kann nichts dagegen ausrichten.Tante Tilly lebt an der Nordsee, auf einem heruntergekommenen Stück Land und Anne spürt, dass es genau diese Einsamkeit und Einfachheit ist, die sie jetzt braucht, um neue Kraft zu schöpfen. Kurzerhand regelt die Frau in den besten Jahren ihre Angelegenheiten und bricht auf zu einer kleinen Auszeit aus dem bisherigen Trott. Für ein paar Wochen oder Monate, so war der Plan….

Als Anne ihr Ziel erreicht hatte, war mir gleich klar, dass sie diesen Plan entfristen würde….Zu schön waren die Schilderungen der Natur, der See, der Landschaft, des Geruchs der salzigen Luft, der schrulligen Nordsee´ler. Alles passte perfekt. Auch, wenn es hier und da hakte, Tante Tillys Wahlheimat schien wie gemacht für einen Neuanfang bei Anne. Hier konnte sie vom alten Leben Abstand finden und möglicherweise soger Abschied nehmen, sich von ihren überfürsorglichen Eltern erholen, ihre Wunden der zerplatzten Liebesträume lecken…..

Nach und nach begreift Anne, dass „der Ritter in seiner glänzenden Rüstung, der auf seinem prächtigen Schimmel dahertrabt, um das arme Burgfräulein zu retten“ nicht unbedingt auf dem Präsentiertablett erscheinen muss. Auch unspektakulär in etwas schlankerer Form und Jeans anstelle der Rüstung und einem Auto anstatt des Pferdes gibt es jemanden, der ihr Herz vor der ewigen Einsamkeit zu retten vermag. Bis Anne dies begreift, vergehen herrliche Seiten an leichtem Romangenuss. Und es geht auch nicht nur um sie und ihr Liebesglück, auch die Tochter des verwitweten Arztes und die tragische Figur der Tante Tilly sind neben Anne die Hauptfiguren dieses wunderbaren Romans.

Kyra hat mit ihren 17 Jahren schon mehr Leid erfahren als so mancher Erwachsener. Ihr Charakter wird so authentisch und nachvollziehbar gezeichnet, dass mir das Mädchen schon bald sympathisch war und ich mich sehr freute, dass sie einen recht guten Draht zu Anne fand. Aber auch Tilly habe ich sehr gemocht. Ihre kompromisslose Art, ihre Direktheit, aber auch die damit verbundene Ehrlichkeit.

Alle drei Damen verbanden die Folgen, die der Herzschmerz mit sich bringt. Egal, ob es die große Liebe bereits gegeben hatte, man noch auf der Suche war, oder am liebsten rein gar nichts damit zu tun haben wollte.

Nicht nur Anne, Kyra und Tilly mochte ich sehr, auch die männlichen Figuren, die zum Tragen kamen. Obwohl sie charakterlich sehr unterschiedlich waren, wussten sie mich durch ihre jeweils kluge und besonnene Art zu überzeugen.

Die Liebe durchzieht diesen Roman wie ein roter Faden, aber nicht nur die Sehnsucht nach einem Partner, nein auch die Liebe zu anderen Menschen allgemein. Und wie schmerzhaft diese Liebe sein kann und welche auf den ersten Blick seltsamen Blüten sie treiben kann, zeigt sich zum Ende hin.

Neben der zauberhaften Geschichte besticht dieses Buch durch den leichten, flüssigen und trotz der enthaltenen Traurigkeiten fröhlichen Schreibstil, der mich viel zu schnell durch die Seiten lesefliegen ließ.

Nach Winterapfelgarten jetzt der neue große Roman von Brigitte Janson: unterhaltsam und dramatisch, lebensnah und warmherzig.“
So lautet die Beschreibung des Rückentexts, der ich uneingeschränkt zustimme.

Inhalt
Nach einer gescheiterten Beziehung hat Anne die Nase voll von der Liebe und hofft auf die heilende Wirkung ihrer Tante. Die eigenwillige Tilly ist das schwarze Schaf der Familie und Annes großes Vorbild. Doch Tilly scheint selbst nicht ganz auf der Höhe zu sein: Ihr Öko-Hof in der Lübecker Bucht ist halb verlassen, einzig ihr Mops Hugo leistet ihr Gesellschaft. Hinter der spröden Fassade ihrer Tante entdeckt Anne eine verletzliche Frau, die oft zerstreut wirkt. Anne beschließt zu bleiben und den wild wachsenden Holunder auf Tillys Hof zur neuen Einnahmequelle zu machen. Dabei wird sie tatkräftig unterstützt vom Fischer Thies, und auch der Landarzt Carsten lässt sich überraschend oft blicken. Vielleicht ist in Sachen Liebe ja doch noch nicht alles zu spät?

Buch
„Holunderherzen“ von Brigitte Janson ist im August 2015 unter der ISBN-Nr. 13 9783548612874 bei den Ullsteinbuchverlagen erschiene. Der Roman umfasst 336 Seiten und ist auch als eBook erhältlich.

Autorin
Birgitte Janson heißt eigentlich Brigitte Kanitz und wurde 1957 in Lübeck geboren. Viele Jahre war Hamburg ihre Wahlheimat, wo sie als Journalistin arbeitete. Heute lebt sie zusammen mit ihren beiden Töchtern in den italienischen Marken. Die Website der Autorin: http://www.brigittejanson.de

Quelle: Ullsteinbuchverlage

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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