*+* Veit Etzold: „Der Totenzeichner“ *+*

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Der Totenzeichner
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Liebe Lesefreunde,

die Angst geht um….denn es werden Leichen gefunden – übel zugerichtet -, in deren Haut Zeichen geritzt wurden. Die Polizei tappt im Dunkeln, bis sich ein Kollege ganz schwach an ähnliche „Verzierungen“ erinnert. Jedoch waren die derart übel zugerichteten Leichen in Amerika gefunden worden, und das vor 10 Jahren!
Bestand ein Zusammenhang zwischen diesen alten und den neuen Fällen? Ja oder nein? Nicht nur das Ermittlerteam war gespannt, auch ich wollte wissen, was es mit all dem auf sich hatte.

Dieser Thriller gefiel mir schnell, denn es schien sich ein interessanter Fall abzuzeichnen – mit einer ungewöhnlichen Mordart und einer noch ungewöhnlicheren Nachbehandlung der Opfer. Als dann der Verdacht aufkam, dass der Täter möglicherweise schon ein Jahrzehnt zuvor in den USA aktiv gewesen war, war mein Gedankenkarussell nicht zu stoppen.

Warum richtet man Leichen so zu? Wie kam es – sollte es sich um ein und denselben Täter handeln – zu der langen Pause? Und warum sprang der Serienmörder über den Ozean und wechselte ganz garvierend seinen Handlungsraum?

Ale diese Fragen werden nach und nach aufgeklärt, auf gut verständliche und fast schon gemütliche Art und Weise – was im großen Gegensatz zur Grausamkeit des Inhalts steht.

Das Erzähltempo ist eher niedrig, was in Kombination mit dem ausschmückenden, teils ausschweifenden Schreibstil einen „Bildungsthriller“ aus dem Totenzeichner macht. Der Autor baut kleine und große Ausflüge in die Bereiche Medizin, Militär und Politik ein, macht aber auch vor eher unappetitlichen Tabuthemen nicht Halt.

Apros unappetitlich: Während des Lesens konnte ich weder essen noch trinken, so detailliert und eindringlich waren die Schilderungen mancher Passagen. Man braucht nervlich und verdauungstechnisch ein dickes Fell, um diesen Thriller gut zu überstehen 😉
Dafür wird man mit einer wirklich verrückten, einmaligen Geschichte belohnt. Da der Handlungsverlauf in sehr gut recherchierte Fakten aus diversen Bereichen eingebettet war, erschien mir der Fall immer weniger abwegig. Auch die Hintergründe zur Motivation, mit den Opfern vor und nach ihrem Tod so zu verfahren, wie es erfolgt ist, waren plausibel und gut nachvollziehbar dargelegt.

Bis auf wenige Stellen war der Thriller auch logisch gut konstruiert. Beim Polizeichef wunderte ich mich hin und wieder über dessen lange Leitung, was ihn mir vielleicht nicht sehr sympathisch machte, ihn aber durchaus menschlich wirken ließ. Ansonsten mochte ich die Charaktere des Teams gerne. Sie wiesen fast alle leichte Nebenwirkungen ihres Jobs auf und legten oft eine gehörige Portion Zynismus und schwarzen Humor an den Tag, wodurch das schaurige Lesen doch immer wieder wieder etwas aufgelockert wurde.

Der Plot war gut durchdacht, auch die Ausführung konnte mich überzeugen. Sehr begeistert habe ich die Ausflüge in diverse Nebendispiplinen verfolgt. Lediglich zum Schluss hin hat der Autor einen wirklich sehr weiten Bogen geschlagen – da hätte es mir besser gefallen, wenn er etwas schneller zum Punkt gekommen wäre. Möglicherweise sollte dieses finale „sich in die Länge ziehen“ spannungssteigernd wirken, was bei mir allerdings nicht funktioniert hat.

Alles in allem kann ich aber sagen, dass mir „mein erster Etzold“ gut gefallen hat und ich sicher noch weitere Thriller des Autors lesen werde.

Inhalt
Ein Leichenfund gibt der Berliner Polizei Rätsel auf. Dem Mordopfer wurden mysteriöse Zeichen in die Haut geritzt, die Clara Vidalis, Expertin für Pathopsychologie am LKA Berlin, bekannt vorkommen. Handelt es sich um kultische Symbole? Als die Obduktion der Leiche weitere grausame Details ans Licht bringt, wird klar, dass es einen ähnlichen Modus Operandi schon einmal gab: Vor zehn Jahren versetzte ein Serienkiller den Westen der USA in Angst und Schrecken. Einen Sommer lang trieb er dort sein Unwesen, bevor er sich mit der blutigen Botschaft verabschiedete:
»It’s not over, ’til it’s over«.

Buch
„Der Totenzeichner“ von Veit Etzold ist im Juli 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-404-17229-0 im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Der Thriller umfasst 432 Seiten und ist auch als eBook, Hörbuch und Audio-Download erhältlich.

Autor
Veit Etzold, geboren 1973 in Bremen, studierte Anglistik, Kunstgeschichte, Medienwissenschaften und General Management in Oldenburg, London und Barcelona. 2005 promovierte er zum Kinofilm „Matrix“. Während und nach seinem Studium arbeitete er für Medienkonzerne, Banken, in der Unternehmensberatung und in der Management-Ausbildung. Veit M. Etzold lebt in Berlin.

Quelle: Bastei Lübbe Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+* Veit Etzold: „Der Totenzeichner“ *+*

  1. Kastanies-Leseecke schreibt:

    Das Buch ist nichts für mich – aber die Katze würde ich sofort nehmen 😉

  2. Pingback: *+* Wochenshow #37 *+* | Irve liest...

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