*+* David Arnold: „Auf und davon“ *+*

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Auf und davon
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Liebe Lesefreunde,

was zu viel ist, ist zu viel!
In Mims Leben ist gerade so ungefähr gar nichts in Ordnung und als sie auch noch mit ihren Eltern, besser gesagt mit ihrem Vater und ihrer Stiefmutter, zu einem Krisengespräch in der Schule zitiert wird, zieht sie die Reißleine – und verschwindet aus dieser Problemwelt, lässt alles hinter sich. Auf und davon heißt ihr Motto. Das große Ziel ist ihre Mutter, die hunderte von Kilometern entfernt von ihr lebt.

Über Monate hatte sich ein Berg von Sehnsucht und Heimweh nach ihr in Mim aufgebaut. Gab es zunächst noch telefonischen und brieflichen Kontakt zur Mutter, war dieser in letzter Zeit völlig abgerissen. Das Mädchen weiß nicht, warum. Ist ihre Mutter krank, oder interessiert sie sich unvorstellbarerweise einfach nicht mehr für ihre Tochter?

Wie gut, dass Mim, die eigentlich Mary Iris Malone heißt, immer ihr Tagebuch zur Hand hat. Dort schreibt sie hinein, was sie bewegt. Dieses Tagebuch ist einer der beiden Erzählstränge des Autors und wird mit den aktuellen Erlebnissen des Mädchens verflochten. Auch diese Ereignisse werden in der ersten Person erzählt, zudem schildert Mim in der Gegenwartsform, was mir immer suggeriert hat, ich sei bei ihrem Roadtrip mit von der Partie. Und dieser Roadtrip hatte es in sich. Mim erlebte die kuriosesten, abstrusesten, unglaublichsten Dinge. Sehr schnell fragte ich mich, ob das alles denn überhaupt wahr sein konnte, oder das Mädel nur einen absoluten Hang zum Übertreiben hat. Alles für sich genommen lag im Bereich des Möglichen. Die Masse an extremen Begebenheiten allerdings ließ mich immer wieder daran zweifeln, ob Mim die Realität wirklich so erfasst hat, wie sie tatsächlich war.

Frage um Frage türmte sich in mir auf, deren Antworten ich immer mehr herbei sehnte – zumal ich mir eine eigene Wahrheit zu Mim und ihrer Reise gebastelt hatte, die mir selbst mehr als plausibel erschien. Aber hatte ich damit recht? Oder war ich den vielen Brettern eines Holzwegs gefolgt, die der Autor augenzwinkenderweise für mich ausgelegt hatte?
Die Lesespannung griff mehr und mehr um sich und analog zum Namen des Verlags, in dem dieses Buch erschienen ist – heyne fliegt – unterlag meine Lektüre zunehmend dem Motto Irve fliegt.

Der Schreibstil des Autors gefiel mir sehr. Die teils surreal anmutenden Schilderungen von Mims Erlebnissen verknüpft mit ihren Rückblicken und aufblitzenden Erinnerungsfetzen aus ihrem noch jungen Leben. Wortwahl und Satzbau wirken sehr individuell und dürften bei der jugendlichen Zielgruppe punkten.

Die Charaktere sind unterschiedlich stark ausgearbeitet. Einigen hat der Autor sehr viel Tiefe gegeben, andere blieben eher blass, manchmal waren sie auch undurchsichtig – das hing ganz von der Rolle ab, die sie im Roman spielten und wie groß ihre Bedeutung im Hinblick auf den Schluss war.

Ich hatte ja schon angedeutet, dass sich während meines Lesens immer mehr Fragen und Ungereimtheiten ergaben. Zum Ende hin wurde durch einige Wendungen im Roman manches aufgelöst, was ein paar Fragezeichen zum Platzen brachte. Leider waren aber die abschließenden Ereignisse nicht so umfassend ausgeführt, dass ich unter alle offenen Punkte einen Schlussstrich des Verstehens ziehen konnte.
Wenn auch ich nicht alles umfassend durchschaute, Mim hatte am Ende ihrer Reise einen viel besseren Durchblick, was mich ziemlich froh gestimmt hat. Denn das Mädel hatte schon eine Odyssee an nicht so schönen Dingen in ihrem bisherigen Leben durchmachen müssen. So wurde der surreal gefärbte Roadtrip zu einem Weg zur Wahrheit, das Reiseziel markierte den Wendepunkt und drehte die Vorzeichen für Mim komplett um. Wie es nun langfristig für sie wurde, das verrät uns der Autor nicht – aber das ist ja das Schöne an offenen Enden…. man kann sich den Fortgang selbst wunderbar weiterspinnen 🙂

Bis auf den erwähnten Kritikpunkt hat der Jugendroman bei mir voll gepunktet und beschäftigt mich auch nach dem Lesen immer noch.

Wer nun gerne eine weitere Meinungen zum Buch einholen möchte, kann dies gerne bei Mona im Tintenhain tun, mit der ich virtuell-gemeinsam las, oder auch bei Primaballerina oder bei Lena liest.

Inhalt:

Manchmal liegt das Ziel woanders, als du denkst

Wer würde nicht gerne einfach mal verschwinden? In den nächsten Bus springen und alles hinter sich lassen? Genau das macht die sechzehnjährige Mim Malone. Es reicht ihr, immer das zu tun, was ihr Vater und seine neue Frau für richtig halten. Sie will wissen, weshalb ihre Mom aus ihrem Leben verschwunden ist. Und ihre Gedanken sollen endlich aufhören, in ihrem Kopf Karussell zu fahren. Also steigt sie einfach in den Greyhound-Bus und haut ab, zu ihrer Mom. Während draußen die Landschaft vorbeifliegt, macht Mim einige unvergessliche Bekanntschaften – die wunderbare Arlene, den unheimlichen Ponchomann und den äußerst attraktiven Beck, an den sie ihr Herz zu verlieren droht … Doch dann verändert ein tragischer Unfall von einem auf den anderen Augenblick alles. Und Mim muss sich den wirklich entscheidenden Fragen in ihrem Leben stellen.

Zum Buch:
„Auf und davon“ von David Arnold ist im August 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-453-26983-5 bei heyne fliegt (Randomhouse Group) erschienen. Der Jugendroman umfasst 384 Seiten und ist auch als eBook erhältlich. Das Original mit dem Titel „Mosquitoland“ wurde von Astrid Finke ins Deutsche übersetzt.

Zum Autor:
Bevor er zum Schreiben kam, war David Arnold schon Musiker, Produzent, Vorschullehrer und Vollzeit-Dad. Auf und davon ist sein von Presse und Lesern begeistert besprochener Debütroman. Der Autor lebt mit seiner Familie in Lexington, Kentucky.

Quelle: Randomhouse

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+* David Arnold: „Auf und davon“ *+*

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