*+* Sarah Moore Fitzgerald: „Das Apfelkuchenwunder“ *+*

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Das Apfelkuchenwunder
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Liebe Lesefreunde,

Oscar ist verschwunden! Während sich nach kurzer erfolgloser Suche fast jeder mit dem Tod des Jungen abgefunden zu haben scheint, glauben Meg und der kleine Bruder des Vermissten, Stevie, fest daran, dass Oscar noch lebt. Schließlich wurde keine Leiche gefunden und es fühlt sich für die Beiden so an, als ob Oscar lediglich eine Auszeit genommen hat.

Panik fühlt sich zwar nicht besonders angenehm an, aber letzten Endes enthält sie tausend kleine Hoffnungssplitter.“

Ich hoffte so sehr, dass Meg und Stevie am Schluss Recht behalten würden, hatte ich mir doch von Oscar durch viele Rückblicke ein ganz gutes Bild machen können. Stück für Stück aß ich mich durch den literarischen Kuchen – die Kapitel sind hier treffenderweise mit der Anzahl der Kuchenstücke bezeichnet, aus denen Oscars Apfelkuchen besteht. Und dieses Gebäck ist einfach magisch. Immer wenn der Junge Streit und Disharmonie verspürt, backt er einen (mindestens!) seiner bekannten Apfelkuchen und stiftet damit Frieden und Versöhnung.

Und während der Kuchen zerschmolz, schmolzen auch viele andere Dinge dahin, zum Beispiel die Ängste und Zweifel und überhaupt alles, was uns schlecht gelaunt und verschlossen gemacht hatte.“

Oscar hat mich sehr beeindruckt. Diese Geisteshaltung, die er trug, war so einmalig, so vorbildlich – aber auch gefährlich. Er hat immer versucht, das Gute in den anderen zu sehen, positives Denken war sein Credo, mit Freundlichkeit und seinen Apfelkuchen segelte es durch das Leben. Die Welt war bunt, die Welt war schön, das Leben war gut zu ihm, die Menschen freundlich. Er war immer so erfolgreich mit seiner Wesensart, dass er lange gar nicht bemerkte, dass es doch nicht nur gute Menschen gibt, dass die Magie seines Apfelkuchens doch nicht immer ihre Wirkung zu zeigen vermochte.

Bis ihm eines Tages die Augen geöffnet werden und er erkennt, dass Welt, Leben und Mitmenschen ihm nicht nur wohlgesonnen sind, sondern dass es auch eine grausame Variante von allem gibt. Diese Einsicht stürzt ihn in tiefe Verzweiflung…..Glücklicherweise ist noch nicht alles verloren und er merkt, dass das Seidenfädchen, an dem er hängt, mit fremder Hilfe zu einer stabileren Tragevorrichtung des Lebens gesponnen werden könnte. Aber ob die Kraft reicht?

Frieden kann hässlich sein, Frieden kann falsch sein. Und ein Frieden, der auf Lücken beruht, ist überhaupt kein Frieden.“

Als ich den Rückentext des Buches gelesen habe, glaubte ich, mich auf ein nettes, unterhaltsames Jugendbuch freuen zu können, mit ein bisschen Dramatik und einem rosaroten Ende.
Was ich bekam war gute, tiefe Unterhaltung. Die Erkenntnis, dass auch einem magischen Apfelkuchen manchmal dieses Rosarot der Farbpalette ausgeht. Schnappatmung-Dramatik gepaart mit einer Achterbahnfahrt der Gefühle – von „Friede, Freude, Apfelkuchen“ bis hin zu tiefstem Bestürzen über so manche zwischenmenschliche Emotionen. Zudem verblüffte mich Oscars Großherzigkeit, die er an einigen Stellen an den Tag legte. Auch wenn er manchmal schon Grund hatte, richtig sauer zu sein, oder gar hasserfüllt – er war es nicht.

Oscars Hobby war es, Menschen zu retten.“

Das Apfelkuchenwunder“ begeisterte mich sehr. Oscars hat mich über weite Teile der Geschichte sehr beeindruckt und ich denke, jeder sollte sich ein großes Stück von seiner Gutherzigkeit abschneiden. Aber bitte nicht von seiner Gutgläubigkeit. Es ist ganz fantastisch für die anderen da zu sein, ihnen zu helfen – in welcher Form auch immer. Aber man selbst darf dabei nicht auf der Strecke bleiben. Hinterfragt, ob die anderen es auch so gut mit euch meinen wie ihr mit ihnen und zieht gegebenenfalls eure Konsequenzen daraus. Sonst stirbt irgendwann die Magie und aus herzensfroh wird todernst. Und bitte seid immer für eure Freunde da. Es muss nicht immer ein Friedenskuchen sein, auch Worte können magisch sein. Nämlich immer dann, wenn sie erspüren lassen, dass man seine Freunde im Blick hat – und im Herzen, auch wenn man durch eine große Entfernung voneinander gerennt ist.

Jeder Mensch merkt, wenn ein anderer Hilfe braucht, aber die wenigsten nehmen sich die Zeit, auf ihre Instinkte zu hören.“

Nicht nur die Geschichte und meine persönlich daraus gezogene Aussage gefallen mir sehr. Diesen Roman zu lesen hat mir auch durch den Schreibstil der Autorin große Freude bereitet. Sarah Moore Fitzgerald schreibt flüssig und setzt die Tiefe des Inhalts sprachlich sehr treffend um. Viele wundervolle Aussagen durchzogen dieses Lächelzaubertränenbuch. In diesem Buch steckt ebenso viel Herzblut der Autorin wie Wahrheit…

Apropos Herzblut…Auf AstroLibrium findet ihr auch eine sehr lesenswerte Besprechung zum Buch 🙂

Inhalt:
Ein wunderbares Buch über das Anderssein, über wahre und falsche Freundschaft und darüber, dass die Rettung manchmal von unerwarteter Seite kommt.

Oscar ist Megs bester Freund. Er hat ein besonderes Gespür für seine Mitmenschen und ist mit seinem Apfelkuchen stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Doch als er selbst Hilfe braucht, ist Meg am anderen Ende der Welt. Und auch sonst ist niemand für ihn da. Oscar verschwindet spurlos – und alle befürchten das Schlimmste. Alle, bis auf Meg. Sie ist fest entschlossen, herauszufinden, was wirklich passiert ist …

Zum Buch:
Das Apfelkuchenwunder“ von Sarah Moore Fitzgerald ist im August 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-7373-5196-6 im KJB Fischer Verlag erschienen. Der Jugendroman umfasst 249 Seiten und ist auch als eBook und Hörbuch erhältlich. Die englische Originalversion „The Aple Tart of Hope“ wurde von Adelheid Zöfel ins Deutsche übersetzt.

Zur Autorin:
Sarah Moore Fitzgerald, geboren 1965 in New York, USA, ist Professorin für Psychologie. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in Limerick, Irland, und glaubt ganz fest an die magische Wirkung von Apfelkuchen. Und daran, dass man die Hoffnung niemals aufgeben darf.

Quelle: Fischerverlage


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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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12 Antworten zu *+* Sarah Moore Fitzgerald: „Das Apfelkuchenwunder“ *+*

  1. zimttraeumereien schreibt:

    Eine wundervolle Besprechung zu einem ganz besonderen Buch, wie mir scheint 🙂 nun bin ich ja doch richtig neugierig darauf geworden!

  2. AstroLibrium schreibt:

    Liebe Heike…ja… einfach ja… so vieles was du schreibst spricht mir aus der Seele. Ebenso die Verharmlosung im Klappentext, die man ansprechen muss. Tiefe Unterhaltung – auch das.

    Dein Kuchen ist in der Form geblieben und kann das Lesen retten. Mich hat der Roman persönlich betroffen gemacht, weil ich mich Oscar sehr nah fühlte. Besonders, als ihm die Augen geöffnet wurden, was die Ursache seiner Probleme ist.

    Ich wünsche mir, dass meine Rezension ebenso formvollendet wird, aber ich bezweifle dass mir dies gelint. Mein Apfelkuchen hat gekocht, Blasen geworfen und mir an vielen Stellen das Herz verbrannt. Er hat mich unterhalten, aber auch wütend gemacht. Die Story ist brillant erzählt.

    Danke für deine Rezension.. sie trifft den Apfelkern… ich denke intensiv nach und bin froh gute Freunde zum Augenöffnen zu haben.

    • irveliest schreibt:

      Oh ja, das verbrannte Herz hatte ich auch – und habe gleichzeitig Wut auf un Mitleid mit der entsprechenden Person gefühlt. Und wenn ich mich nicht sehr am Riemen gerissen hätte, wären meine Worte noch weit emotionaler ausgefallen. Ich habe mich dann doch für diese Version entschieden.
      Bin schon sehr gespannt, was du schreiben wirst bzw. was ich bei dir lesen werde.

  3. lottasbuecher schreibt:

    Hallöchen. 🙂
    Ich finde es toll, dass dich das Buch so begeistern konnte. Ich fand es auch ganz schön, aber es konnte mich nicht so sehr begeistern wie dich. Ich habe deine Rezension bei mir verlinkt und hoffe, dass das okay ist für dich! 😀

    Liebst, Lotta

  4. Pingback: Das Apfelkuchenwunder oder Die Logik des Verschwindens | AstroLibrium

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