*+* Guinevere Glasfurd: „Worte in meiner Hand“ *+*

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worte in meiner hand
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Liebe Lesefreunde,

dieser Roman über René Descartes und Helena Jans van der Strom beruht auf wahren Eckpfeilern. Leider gab es nicht genug Recherche-Material, um daraus eine durch und durch authentische Geschichte zu schreiben. Die relevanten Charaktere, die Schauplätze und auch grundlegende Details ließen sich aber aus den Belegquellen gut rekonstruieren. Somit stand der Roman der Autorin auf einem soliden Fundament. Aus diesem hat Guinevere Glasfurd mit ihrer ansprechenden, teils poetischen Erzählkunst ein ganz wunderbares, berührendes, teils dramatisches Geschichtenhaus gebaut.

Vielleicht ist das Leben wie ein Gemälde…andere stehen davor und beurteilen es.“

Helena und ihr Bruder Thomas verließen ihre Mutter alles andere als freiwillig. Der Vater war auf der See geblieben und die Mutter tat sich sehr schwer, alleine für ihre beiden Kinder zu sorgen. Der Sohn verdingte sich als Seemann, die Tochter kam in Amsterdam als Magd bei einem Buchhändler unter. Sie sorgte für dessen Haus und Hof, war ebenfalls für die Zimmer zuständig, die ihr Arbeitgeber für Durchreisende bereit hielt.

Guinevere Glasfurd begeisterte mich mit ihrem zarten, leichten Erzählton, der eigentlich den damaligen schweren Zeiten und den schwierigen Zuständen des einfachen Volkes entgegensteht. Auch Helenas Lebensbedingungen waren alles andere als leicht. Dennoch hielt ihr oft so trostloses Leben viele schöne Augenblicke für die junge Frau bereit. Diese frohen Szenen häuften sich, nachdem René Descartes nebst seinem Knecht Limousin die Gästezimmer des Buchhändlers bezogen hatte. Begegneten sich die Magd und der kluge Mann zunächst nur selten und zufällig, entdeckten sie nach und nach die vielen Gemeinsamkeiten, die sie trotz des Standesunterschieds verband.

Helena – eine einfache, junge Frau, ganz unten im Hierarchie-Gebilde anzutreffen – die, wäre sie reicher geboren worden, wohl eine weitaus glänzendere Zukunft vor sich gehabt hätte als das Schicksal für sie bestimmt hatte. Descartes entdeckte sehr schnell die Klugheit der jungen Frau, wodurch sein Interesse an Helena stetig wuchs. Ich war mir bis zum Schluss nicht sicher, ob er sein Herz wegen des scharfen Verstands, der schnellen Auffassungsgabe und der anderen Sichtweisen der Magd an sie verlor, oder ob er ihr ehrlich emotional zugetan war und nicht nur sein Trieb ihn in ihre Arme trieb.

Die Figur des René Descartes blieb mir immer wieder verschlossen. Die vielen Facetten seines Denkens, Fühlens und Handelns machten seinen Charakter für mich nicht wirklich greifbar, er blieb glatt wie ein Fisch und entglitt immer wieder meinem Verständnis. Trotz seiner schillernden, facettenreichen Figur war er mir allerdings recht sympathisch. Aber auch Helena, ihren Dienstherrn sowie ihre Freundin aus einem anderen Haus mochte ich sehr.

Sehr schlimm habe ich die damals so ungleichen Chancen für die verschiedenen Schichten empfunden, manchmal beschämten mich allerdings aber auch die Demut und Zufriedenheit, aber auch die Charakterstärke des einfachen Volkes.

Ich weiß, was mit Wachs passiert, nachdem es geschmolzen ist. Es kühlt ab und wird grau und hart.“

Wunderbar beschrieben hat die Autorin das Amsterdam des 17. Jahrhunderts, sowie die anderen Schauplätze, an denen der Roman spielt. Überhaupt ist es Guinevere Glasfurd allgemein sehr gut gelungen, die damalige Zeit mit ihren Eigenschaften und Besonderheiten abzubilden.

Der Schreibstil hatte, so ruhig und leicht er auch ist, eine sehr starke Wirkung auf mich. Ich konnte mich sehr gut in Helena hineinversetzen, hoffte und litt mit ihr, ebenso mit ihm. Denn auch Descartes hatte keinen leichten Stand. Er, der Forscher in allen nur denkbaren Disziplinen, musste sich vorsehen, in kein gesellschaftliches, politisches oder kirchliches Fettnäpfchen zu treten, denn sonst wäre seine Chance auf Ruhm dahin.

Diesen warmherzigen, auf Wahrheiten beruhenden Roman möchte ich gerne allen empfehlen, die emotionale, authentische Erzählungen mögen.

Inhalt:
Amsterdam, 1630er Jahre. Helena Jans van der Strom arbeitet als Magd bei einem Buchhändler. Ein großes Glück für sie, denn sie kann lesen und schreiben und geht mit offenen Augen durch die Welt. Der neue Hausgast ihres Herrn fasziniert sie: Er arbeitet ununterbrochen, und Helena ist angewiesen, ihn „Monsieur“ zu nennen. Der Fremde zieht viele Besucher an, und sie erfährt seinen echten Namen: René Descartes. Sie ist zu neugierig, um Distanz zu wahren. Und auch Descartes ist schon bald von ihrem Charme und Wissensdurst eingenommen. Sie verlieben sich, was unmöglich ist: Sie ist Calvinistin, er Katholik. Sie ist nur eine einfache Magd, er Europas aufstrebender Philosoph. Die beiden sind zwei kühne, mitreißende Geister, die sich von dem Standesdünkel des Goldenen Zeitalters in Holland nicht aufhalten lassen.

Zum Buch:
Meine Ausgabe zu „Worte in meiner Hand“ von Guinevere Glasfurd“ ist im August 2015 unter der ISBN-Nr. 13 9783471351239 im List Verlag erschienen. Der Roman umfasst 432 Seiten und ist ebenfalls als eBook und als Hörbuch erhältlich.
Der Origianltitel lautet „The Words in my Hand“. Das Buch wurde von Marion Balkenhol aus dem Englischen übersetzt.

Zur Autorin:
Guinevere Glasfurd ist im bergigen Norden Englands aufgewachsen, doch jetzt lebt sie in einer der flachsten Gegenden der Welt, am Rand der Fens nahe Cambridge, gemeinsam mit Ehemann, Tochter und zwei Katzen. Die Arbeit an „Worte in meiner Hand“ ist vom Arts Council England gefördert worden. Guinevere Glasfurds Texte sind immer wieder ausgezeichnet worden, zuletzt mit dem TLC’s Pen Factor Award. Mehr auf der Website guinevereglasfurd.com.

Quelle: Ullsteinbuchverlage

Weitere Besprechungen zum Roman gibt es hier:

http://ullasleseecke.blogspot.de/2015/08/rezension-worte-in-meiner-hand.html

http://dasbuchmonster.blogspot.de/2015/08/rezension-worte-in-meiner-hand-von.html


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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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