*+* Eystein Hanssen: „Totenmaler“ *+*

. Totenmaler . Liebe Lesefreunde,
bevor ich mit der Buchbesprechung starte, muss ich ein wenig vorwarnen. Dieses Buch ist nichts für schwache Nerven. Ich weiß, dass es ein Thriller ist und Spannung, Gänsehaut und vieles mehr erwünscht sind. Jedoch setzt dieses Buch noch einen drauf. Es konfrontiert den Leser mit krankhaften Perversitäten, die in dieser Form sicherlich konstruiert sind, grundlegend aber leider auch in der Realität existieren. Es geht um Verbrechen an wehrlosen Geschöpfen, denen schon vorab jedes Recht genommen wurde und die nun völlig abhängig von ihren großzügigen „Wohltätern“ sind – auf Gedeih und Verderb.
An einigen Stellen musste ich wirklich tief durchatmen. Es wird nie in meinen Kopf hineingehen, wie man eigene Lebensmotivation daraus schöpfen kann, indem man andere Leben quält oder auslöscht. Die Tatsachen, mit denen man als Leser konfrontiert wird, sind nicht neu und dennoch haben sie mich innerhalb dieses Thrillers noch weitaus mehr getroffen als sonst.

Der Autor hat einen sehr eindringlichen Schreibstil. Wie er die Charaktere kreiert hat, wie er die Handlung beschreibt – die Handlung an sich, aber auch die Verbrechen, ebenso die Einblicke in die Köpfe der Ermittler, ihre Zusammenarbeit, ihren Austausch – es war alles so fesselnd konstruiert und umgesetzt, dass das Buch ganz schnell zu einem Pageturner für mich wurde.

Ich fühlte posthum mit den Opfern, sorgte mich aber auch um die potentiell gefährdeten Mädchen. Eystein Hanssen hat eine überzeugende Art, die Personen und Geschehnisse so nah, lebendig und bildhaft zu beschreiben. Es war mir bei vielen Charakteren ganz schnell so, als ob ich sie schon lange und vor allem gut kenne. Das machte das Lesen häufig schmerzvoll. Die Polizisten mussten oft an ihre Grenzen gehen – dies wurde glaubhaft und alles andere als reißerisch beschrieben, sodass die Arbeit der Ermittler sehr realistisch wirkte.

Die Mädchen litten Todesängste und ich bekam Herzrasen und vergaß an einigen Stellen das Atmen. Immer stärker beseelt von dem Gedanken, dass der Täter und seine Helfershelfer unbedingt gestellt werden sollten, ja mussten. Ich verlor oft das Bewusstsein dafür, dass ich einen Thriller las und keinen Tatsachenbericht – da ist die Schaffung eines authentischen Lesefeelings wirklich gut gelungen. Einen großen Anteil daran hat sicher auch die gute Recherche-Arbeit, die der Autor in verschiedene Richtungen geleistet und für den Leser gut verständlich und anschaulich umgesetzt hat.

Eystein Hanssen hat es geschafft, das Schicksal des betroffenen Personenkreises respektvoll und angemessen zu schildern, sodass aus „Totenmaler“ kein Sensations-Thriller geworden ist. Diese Serienmorde hat er sehr spannend in eine interessante Rahmenhandlung integriert. Die Charaktere sind sehr gelungen, denn jeder von ihnen wurde facettenreich und glaubwürdig – in den meisten Fällen auch menschlich – ausgearbeitet. Man versteht, warum jeder so ist, wie er ist, kann oft die Handlungen und Reaktionen der Figuren nachvollziehen und verstehen. So wurde das Buch von vorne bis hinten zu einer runden Sache, was mir sehr gut gefallen hat.

Zum Schluss ist zwar der Fall gelöst, aber dennoch bleibt das Ende seitens der Polizei ein klein wenig offen, sodass ich mir Hoffnungen auf einen weiteren Fall rund um das Ermittlerteam mache!

Inhalt: Ein junges Mädchen wird tot auf dem Osloer Friedhof aufgefunden. Sie ist nackt, ein merkwürdiger Geruch geht von ihr aus. Eine Kanüle steckt in ihrem Arm. Die Ermittlerin Elli Sunee Rathke wird auf den Fall angesetzt. Doch bald scheint ihr die Sache über den Kopf zu wachsen. Immer mehr Mädchen werden ermordet, und ihre toten Körper sind stets auf eine ganz besondere Weise arrangiert. Elli findet schließlich heraus, dass der Mörder seine Opfer in bestimmten Positionen abgelegt: Er ahmt berühmte Gemälde nach.

Zum Buch: „Totenmaler“ von Eystein Hanssen ist unter der ISBN-Nr. 978-3-7466-3099-1 im Aufbau Verlag erschienen. Der Thriller umfasst 448 Seiten und ist auch als Ebook erhältlich.

Autor: Eystein Hanssen, geb. 1965, verbringt seine Zeit mit Schreiben und Filmarbeiten. Er war bereits zweimal für den norwegischen Bookseller Prize nominiert. Mit „Knochen“ und „Totenmaler“ erscheinen erstmals zwei seiner Bücher auf Deutsch. Er lebt mit seiner Familie in Oslo. Mehr zum Autor unter http://www.eysteinhanssen.com

Übersetzer: Gabriele Haefs übersetzt aus dem Dänischen, Englischen, Niederländischen und Walisischen, u. a. Werke von Jostein Gaarder, Håkan Nesser und Anne Holt. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt 2008 den Sonderpreis für ihr übersetzerisches Gesamtwerk. Sie lebt in Hamburg. Andreas Brunstermann übersetzt Romane und Sachbücher aus dem Norwegischen und Englischen. Er lebt in Berlin. Quelle: Aufbau Verlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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