*+* C.S. Richardson: „Das Ende des Alphabets“ *+*

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das ende des alphabets 1
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Liebe Lesefreunde,

schon ziemlich zu Beginn des Buches musste ich schlucken. Ambrose erfuhr, dass er an einer unheilbaren Krankheit litt und nur noch ungefähr einen Monat zu leben hatte. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken und in Selbstmitleid zu zerfließen, beschloss er, gemeinsam mit seiner Ehefrau Zipper eine Reise durch das Alphabet zu machen, was mir sehr imponierte. An jedem Tag wollte er mit ihr einen Buchstaben erleben, einen Buchstaben, den die beiden mit einem ganz besonderen Erinnerung verbanden.

So machten sie sich auf, ihre ganz persönliche Reise durch das ABC zu planen. Zunächst verlief alles nach Wunsch und das Paar konnte seine Abschiedstournee beginnen. Doch das Reisen wurde immer beschwerlicher, denn die Kräfte und Fähigkeiten des Mannes schwanden. So wurde aus dem aktiven Reisen später nur noch ein intensives Durchleben der Erinnerungen. Überhaupt…Erinnerungen….dieser Roman macht so sehr deutlich, wie wichtig schöne Erinnerungen sind, wie viel leichter sie es einem in schweren Situationen machen können. Strohhalme, den Tag zu überstehen – heiterer und glücklicher als es ohne sie wäre – auch wenn man weiß, dass das Ende unabänderbar ist.

Beeindruckt hat mich bei „Das Ende des Alphabets“, dass das Buch sehr große Empfindungen bei mir erzeugt hat, obwohl der Stil sehr nüchtern und emotionsarm ist.
Der Autor verliert sich nicht in Verzweiflungstiraden der Charaktere sondern lässt sie zu Höchstform auflaufen. Die letzten Tage perfekt nutzen, noch das Beste aus ihnen herausholen, gemeinsam dem Schicksal trotzen. Beim Erinnern an das Gelesene und Niederschreiben meiner Worte kann ich es nicht verhindern, dass mir – so wie bei der Lektüre des Buches – die Tränen kommen. So sehr hat mich der spartanische Schreibstil getroffen und berührt. Ich machte und mache mir automatisch meine eigenen Gedanken: Was wäre, wenn…. Ich an Ambroses Stelle wäre? Was wäre, wenn….mein Mann an Ambroses Stelle wäre? Wie würden wir reagieren? Würden wir auch so besonnen mit unseren Kräften haushalten? So vernünftig das Unvermeidliche ausblenden und jede Minute nutzen, um das Schöne ind en Vordergrund zu stellen?

Ambrose und seine Frau Zipper haben mich zutieft mit ihrem Umgang mit der Diagnose und dem Wissen um die unglaublich knapp bemessene restliche Zeit zu zweit beeindruckt.

Der Autor hat als grandiose Unterstreichung dieser Reise von A bis Z die Namen seiner Charaktere gewählt und so wie die Route zum Schluss verläuft, gibt er dem Leser noch eine ganz subtile Botschaft mit, denn ein Ende kann auch ein Neuanfang sein.

Wer sich auf den Schreibstil des Autors einlässt, wird einen wunderbaren Roman genießen können, der trotz aller Traurigkeit die Freude am Leben nie aus den Augen verliert und ein Fünkchen Hoffnung spendet.

Inhalt:
Ein Paar macht eine letzte alphabetische Reise an die Orte ihrer Liebe. Doch kann die Sehnsucht und der Schmerz einem Alphabet gehorchen?
Als Ambrose Zephyr erfährt, dass er nur noch so viele Tage zu leben hat wie das Alphabet Buchstaben, packt er seinen alten Lederkoffer und macht sich mit seiner Frau auf den Weg: Sie beginnen bei A wie Amsterdam, dann Berlin, Chartre … Eine zärtliche, ergreifende Geschichte über die eine große Liebe – intelligent, romantisch, weise.

Zum Buch:
Meine Ausgabe von „Das Ende des Alphabets“ ( Charles Scott Richardson) ist im Mai 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-455-60010-0 bei Hoffmann und Campe erschienen. Der Roman umfasst 144 Seiten und ist auch als Ebook erhältlich.

Autor:
Charles Scott Richardson, geboren 1955, lebt in Toronto. Er ist Buchgestalter und bekannt als Autor des Erfolgsromans Eines Morgens in Paris. Sein Debüt Das Ende des Alphabets erschien in dreizehn Ländern und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Übersetzerin:
Der Roman wurde von Carina von Enzenberg vom Amerikanischen ins Deutsche übersetzt.

Quelle: Hoffmann und Campe

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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3 Antworten zu *+* C.S. Richardson: „Das Ende des Alphabets“ *+*

  1. Ela schreibt:

    Puh das klingt auch schon vom Inhalt sehr emotional …
    Deine Rezi überzeugt mich, nun ist es auf der Wunschliste!
    LG Ela

  2. Pingback: *+* Wochenshow #28 *+* | Irve liest...

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