*+* Jürgen Rath: „Die Namenlosen von Amrum“ *+*

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Die Namenlosen von Amrum
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Liebe Lesefreunde,

in der letzten Woche hatte ich euch „Nordhörn“ vorgestellt, einen recht unblutigen, aber dennoch ziemlich spannenden Krimi. In „Die Namenlosen von Amrum“ bleibt der Autor seinem Stil treu.
Auch dieser Nordesee-Krimi lebt mehr von subtiler Spannung und den gruseligen Bildern und Stimmungen, die im Kopfkino heraufbeschworen werden, als von blutigen Szenen.

Steffen Stephan wird nach Amrum geschickt, um dort seinem Auftrag als Friedhofsforscher nachzugehen. Der offizielle Friedhof weckt dabei weniger sein Interesse, denn ganz schnell hat es ihm der Friedhof der unbekannten Menschen angetan, auf dem die Wasserleichen der Insel beerdigt werden, die die See immer mal wieder anschwemmt.

Steffen versucht akribisch, jedem Grab einen Namen zuzuordnen, was natürlich nicht leicht gelingt. Unterstützung bekommt er von einer Praktikantin, die ihm sein Institutsleiter auf´s Auge gedrückt hat – was ihn zunächst nicht sehr begeistert. Zu sehr unterscheidet sie sich von ihm und er hat seine liebe Not, sich auf ihre Charakterzüge einzulassen. Nicht minder machen ihm die Inselbewohner zu schaffen, denn sie blockieren die Nachforschungen des Archivars, wo sie nur können. Und nicht nur das…..Plötzlich muss Steffen um sein Leben fürchten….

Der Arme, ich befürchtete wirklich, dass er so langsam eine Insel-Phobie bekommt, denn auch auf Nordhörn war er knapp mit dem Leben davon gekommen. So bangte ich schon ein wenig um ihn und auch seine Praktikantin, denn man weiß ja nie, auf welche Ideen ein Autor so kommt 😉

Die Spannung, sie sich über den gesamten Krimi langsam, aber stetig aufbaute, fand kurz vor Schluss ihren Höhepunkt. Aber nicht nur die Handlung an sich fesselte mich, auch die unterschwellige Stimmung, die sich in mir breit machte. Steffen hielt sich auftragsbedingt immer wieder auf dem Friedhof der Namenlosen auf und jedes Mal lief mir eine kleine Gänsehaut den Rücken hinunter, wenn ich mir vorstellte, ich würde des Nachts dort meine heimlichen Nachforschungen anstellen müssen…..
Zudem gruselte es mich bei der Vorstellung, wie die unbekannten Wasserleichen angeschwemmt und geborgen wurden…..

Der Krimi ist ebenso wie sein Vorgänger „Nordhörn“ eher gewaltarm, aber dennoch wirklich spannend, was sich meiner Meinung nach vom aktuellen Trend zu immer mehr Blut und Spektakel im Krimi-/Thriller-Bereich sehr wohltuend abhebt.
Der zweite Fall rund um Steffen Stephan wird anhand zweier Handlungsstränge erzählt.
Den Hauptteil nehmen Steffens Ermittlungen auf Amrum ein. Wir schreiben das Jahr 1964, aber auf der Insel scheint die Zeit stehen geblieben zu sein… Die Menschen sind verstockt und Festländern gegenüber nicht sehr aufgeschlossen, vor allem, wenn sie zu tief in insulanischen Geheimnissen graben.

Der zweite Strang führt die Leser zurück in das Jahr 1954, die Geschehnisse spielen sich auf einem Schiff ab. Mehr möchte ich jetzt nicht dazu sagen, nur so viel: Die beiden Stränge verbinden sich zum Schluss hin logisch und sehr aufschlussreich….
Das Geheimnis, dem Steffen auf die Schliche zu kommen hofft, wäre auch ohne diese Einschübe des Schiffes möglich gewesen. Mir haben sie aber sehr gut gefallen, da sie die eigentliche Erzählunfg immer wieder aufgelockert haben, zudem wurde das Geheimnis so besser verständlich. Da der Autor sich als gelernter Seemann und promovierter Historiker im Bereich der Schifffahrt sehr gut auskennt, konnte er zusätzlich durch sein klug angewendetes Wissen dem Kriminalroman
das Sahnehäubchen obenauf setzen.

Sehr gut gelungen ist dem Autor die Schaffung des Insel-Feelings. Amrum ist sehr schön beschrieben und verschafft dem Krimi einen guten Schuss Lokalkolorit.

Auch die Mischung der Charaktere passte gut in den Kriminalroman. Sie waren durchweg glaubwürdig, wenn auch nicht immer sehr tief konstruiert. Die abweisende Art der abweisenden, alteingesessenen Insulaner ist gut gelungen.

Die Namenlosen von Amrum ist ein oberflächlich ruhiger Krimi, dessen wahre Stärke sich in tieferen Fahrwassern abspielt. Wer es eher unblutig mag, aber dennoch einen klugen Spannungsbogen zu schätzen weiß, könnte an den Insel-Krimis von Jürgen Rath Gefallen finden.

Inhalt:
Steffen Stephan, Archivar aus Hamburg, hat sich 1964 gerade auf Amrum eingerichtet, da drückt ihm sein Institutsleiter eine Praktikantin aufs Auge. Gemeinsam erforschen sie den Friedhof der Namenlosen von Amrum. Merkwürdig allerdings, dass die Inselbewohner so wenig mitteilsam sind, was diesen Friedhof anbelangt. Bald wird Steffen und Lilianne der Boden unter den Füßen zu heiß, aber die Verfolger sind ihnen auf den Fersen.

Zum Buch:
Die Namenlosen von Amrum von Jürgen Rath ist im Februar 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-95400-455-3 im Sutton Verlag erschienen. Der Nordsee-Krimi umfasst 384 Seiten und ist auch als Ebook erhältlich.

Zum Autor:
Jürgen Rath, gelernter Seemann mit Kapitänspatent, promovierter Historiker und Personalmanager, hat sich im vergangenen Jahrzehnt einen Namen als Schifffahrtshistoriker und Sachbuchautor gemacht. In seinem ersten Kriminalroman „Nordhörn“ beweist der Hamburger neben profunder Sachkenntnis sein großes erzählerisches Talent.
Quelle: Suttonverlag

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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