*+* Colette McBeth: „Grabestreu“ *+*

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Grabestreu.
Liebe Lesefreunde,
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Melody hat eine Menge mitgemacht. Jemand hat vor Jahren versucht, sie umzubringen. Es sei ihr Nachbar gewesen, David, ein Mann, dem sie vertraute, der zuvor noch nie zudringlich wurde oder in irgendeiner anderen Art und Weise negativ auf Melody gewirkt hatte. Tief in ihrem Inneren kann sie nicht wirklich glauben, dass er es war. Aber die Beweislage war erdrückend und so wurde der Nachbar verurteilt. Kurz nach seiner Freilassung geschieht ein Mord an einer Frau, die Melody zum Verwechseln ähnlich sieht – und sie hatte ein Accessoire bei sich, als sie gefunden wurde, was darauf hindeutete, dass es sich um denselben Täter handelte wie damals, nur dass er dieses Mal erfolgreich war und sein Opfer die Tat nicht überlebte.
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Eigentlich lag nun auf der Hand, was zu tun war, wenn nicht…..ja wenn nicht die tote Frau, Eve, kurz vor dem Durchbruch gestanden hätte, Davids damalige Unschuld zu beweisen. Wäre es da nicht völlig unlogisch gewesen, seiner Retterin den Lebenshahn zuzudrehen?
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Gedanken um Gedanken sprangen in meinem thrillerliebenden Hirn herum. Hat David damals Melody nach dem Leben getrachtet, oder hat er nicht? Dass er Eve getötet hatte, konnte ich mir eigentlich nicht denken, aber wer weiß? Grabestreu wartet mit einigen Protagonisten auf, die alle nicht glasklar auf mich wirkten. Alle, die meiner Meinung nach in Frage hätten kommen können, umwoben dunkle Geheimnisse oder undurchsichtige Verbindungen. Dennoch hatte ich – noch bevor ich ins Bild gesetzt wurde, wie weit die junge Frau mit ihren Ermittlungen auf eigene Faust tatsächlich war – ziemlich schnell einen Verdächtigen ins Visier genommen. Warum, kann ich gar nicht so recht sagen. Die Autorin warf mir – zumindest nicht schon an dieser frühen Stelle verkappte Info-Bröckchen zur Täterschaft hin – es war eher ein Bauchgefühl, das mich hin und wieder bei solcher Spannungsliteratur heimsucht. Nun war ich natürlich sehr gespannt, ob ich mit meiner Vermutung richtig lag oder nicht, wie die beiden Fällen miteinander verwoben waren und vor allem, wie man dem Täter auf die Spur kommen würde.
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Für undurchsichtige Spannung und personelle Verwicklungen war auf jeden Fall gesorgt!
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Sehr interessant fand ich darüber hinaus den Erzählstil. Die Autorin schildert das Geschehen aus drei Perspektiven. Da ist zunächst das Polizeiteam rund um Detective Inspector Victoria Rutter. Sie pocht nicht auf dem schnellen Abschluss des Falls wie ihr Chef, der mehr oder weniger ungeprüft erneut David auch diese Tat in die Schuhe schieben will.
Auch Melodys Perspektive wird sehr ausführlich bedacht. Der Leser erfährt sehr eindringlich, was das fast tödliche Erlebnis von vor 6 Jahre aus der einst beliebten und lebensfrohen jungen Frau gemacht hatte und wie sie mit dem Mord an Eve sowie deren Hinterlassenschaften umgeht.
Auch Eve spielt eine wichtige Rolle. Sie hatte auf eigene Faust Nachforschungen zu Melodys damaligen Fall angestellt und alle Erkenntnisse akribisch notiert und – was vorausschauend von ihr war – auf sehr ungewöhnliche Weise gesichert. Somit nimmt Eve posthum einen wichtigen Platz in diesem Thriller ein. Sehr unikat gestaltet fand ich, dass nicht nur über Eves Erlebnisse gesprochen wird, sondern dass die Autorin ihr auch nach ihrem Tode noch eine Stimme gibt.
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Der Thriller liest sich sehr flüssig – auch wenn hin und wieder die Wortwahl nicht so ganz meinen Geschmack traf – und ist durch die drei verschiedenen Augenmerke bei der Erzählung sehr abwechslungsreich gestaltet. Irrungen, Wirrungen, und einige unerwartete Wendungen steigerten bei mir stets die Lesespannung.
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Einen etwas faden Beigeschmack hinterließen bei mir allerdings die teils fragwürdigen Ermittlungsmethoden der Polizei. Wichtigen Details im Fall Melody wurde damals nicht nachgegangen, aber äußerst unwahrscheinliche Beweismittel so gut verkauft, dass die damalige Verurteilung dadurch möglicherweise den falschen Mann getroffen hatte. Ich hoffe doch sehr, dass das etwas bedenkliche Bild der Polizei nur speziell diesem Titel geschuldet ist und die Ermittler-Trupps im wahren Leben realitätsnäher agieren. Ich verbuche diesen Punkt einfach mal unter schriftstellerischer Freiheit!
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Ansonsten hat mir dieser Thriller gut gefallen und ich empfehle ihn gerne allen Freunden des Spannungsfachs.
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Zum Buch:
„Grabestreu“ von Colette McBeth ist im Januar 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-442-38349-8im Blanvalet Verlag erschienen. Der Thriller umfasst 480 Seiten und ist ebenfalls als Ebook erhältlich.

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Inhalt:
Vor fünf Jahren wurde Melody Pieterson von einem Unbekannten überfallen und entkam nur knapp dem Tod. Seitdem hat sie alle Erinnerungen an ihr altes Leben begraben und sich eine neue Identität aufgebaut. Ihr Angreifer ist hinter Gittern, in vier Wochen wird sie heiraten. Ihr Leben scheint fast normal. Doch dann entdeckt die Polizei die Leiche einer Frau, am gleichen Ort, an dem der Täter damals Melody zurückließ. Als wie vor fünf Jahren eine Kette mit einem kleinen goldenen Vogelkäfig am Tatort gefunden wird, muss Melody erkennen: Ihr Peiniger war die ganze Zeit auf freiem Fuß. Und der Albtraum ist noch nicht vorbei …
Quelle: Randomhouse

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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4 Antworten zu *+* Colette McBeth: „Grabestreu“ *+*

  1. zimttraeumereien schreibt:

    Klingt sehr spannend!
    Leider hat man es immer häufiger, dass die Ermittlungen überspitzt oder unglaubwürdig geschildert werden. Das hinterlässt immer einen bitteren Beigeschmack bei einer sonst eigentlich tollen Geschichte

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