*+* Mario Giordano: „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ *+*

Liebe Lesefreunde,
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die Tante Poldi ist eine richtige Marke. Sie ist so herrlich unkonventionell – in jeder Hinsicht – und ich habe sie schon mit den ersten Seiten in mein Herz geschlossen.
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Isolde Oberreiter, wie die Poldi eigentlich heißt, packt irgendwann ihr schweres, trauriges Herz samt ihrer Habe und dem Bankkonto ein und siedelt von Bayern nach Sizilien um. Die Insel s
cheint ihr der rechte Platz zu sein für ihren Lebensabend. Und die Dame im besten Alter tut viel dafür, um diesen möglichst kurz ausfallen zu lassen. Schwermut im Wechsel mit etwas Hochprozentigem – die Poldi ist da nicht wählerisch – sollen sie recht schnell zu ihrem Peppe katapultieren.
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Natürlich kann man sich denken, dass weder das Leben noch der Herr Tod samt seines Klemmbretts da mitspielen und der Wahl-Italienerin einen Plan B abverlangen. So nahm die Geschichte ihren Lauf – sehr zu meiner Freude.
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Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ zu lesen war eine wahre Fr
eude. Egal wo und wie, die Poldi zog immer alles und jeden an wie ein Magnet. Wenn ihre monströse Aufmachung nicht ihren Zweck erfüllte, half die frühere Maskenbildnerin durch einen ganz speziellen Auftritt nach. Ihr bestbeherrschtes Schauspiel ist „Fluchen auf italo-bayrisch“. Solche Szenen bergen oft die Gefahr, lächerlich oder leseabstoßend zu wirken, aber Mario Giordano beherrscht diese Gratwanderung so perfekt, dass ich mich meist beim Lesen beömmelt habe und mir die Lachtränen kamen. Aber nicht nur bei diesen Szenen, in denen die Poldi ihren Unmut äußerte.
Der Schreibstil des Autors birgt durchgehend eine unterschwellige Heiterkeit, die an vielen Stellen zu witziger Situaltionskomik führt – sowohl in der Handlung als auch in deren Erzählung.
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Die Poldi hat oft einen ihrer Neffen zu Gast. Aus dessen Perspektive werden die Erlebnisse der Tante berichtet. Der Neffe, ein offenbar untalentierter Schreiberling, muss sich wegen seines Wesens oft so manches von der Tante anhören, die es natürlich nur gut meint mit dem Jungen. Er, der sich gerne im Hintergrund hält und zögerlich-zaudernd durchs Lebens schleicht, steht im völligen Gegensatz zu seiner extrovertierten Tante, die so ziemlich alles ist, aber keinesfalls angepasst.
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Das bekommen alle – teilweise gar am eigenen Leib – zu spüren. Wenn die Poldi etwas will, dann will sie es….und bekommt es auch irgendwie.
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Als Valentino, der ihr ein wenig bei Tätigkeiten am Haus zur Hand ging, ein paar Tage lang nicht auftauchte, brachte sie den Stein ins Rollen, ihn als vermisst zu melden und zu suchen. Dass die Poldi, die ziemlich schnell ein Verbrechen vermutete, dabei siegessicher die Rolle der Miss Marple an sich riss, wird nun sicher niemanden wundern.
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Sie gab alles, hing sich voll rein, entsagte sogar – man höre und staune – phasenweise dem Alkohol, um einen klaren Kopf zu behalten…und was war der Dank? Der Commissario kickte sie aus dem Fall….sie solle sich raushalten. Als ob die Poldi darauf hören würde. Im Gegenteil, nun begann für sie de
r Spaß erst richtig – und für den Leser auch!
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An anderer Stelle wurde allerdings aus Spaß Frust, denn mit der Amore, da wollte es nicht o hinhauen. Aber man kann ja schließlich nicht alles haben, oder? Abwarten und Tee trinken! Denn es wird eine Fortsetzung geben, und wer weiß, wer weiß?
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Der Fall rund um Valentino war neben der starken Figur der Isolde Oberreiter nur schmückendes Beiwerk. Über weite Strecken konnte mich der Kriminal-Aspekt des Romans aber dennoch begeistern. Nur zum Schluss hin wurde es mir etwas zu konstruiert und die letzten Zusammenhänge waren im Gegenteil zum bis dato eher gemächlich aufgerollten und aufgelösten Fall etwas zu sehr Knall auf Fall an de
n Leser gebracht. Da hätte sich gerne bis zum Schluss hin das gemütliche italienische Erzähltempo halten können.
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Sehr gut hat mir aber das Sizilien-Feeling gefallen. Die Landschaft, die Mentalität der Leute, das dortige Leben, konnte ich mir alles sehr gut vorstellen und ich konnte sehr gut nachempfinden, warum es der Poldi dort, zwischen Meer und Ätna, so gut gefällt, dass sie mittlerweile sogar freiwillig auf einen Plan B umgestiegen ist, der nicht mehr ein möglichst rasches Ableben zum Ziel hat.
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Das Cover spiegelt die neu gewonnene Lebenslust und den unikaten Charakter von Tante Poldi sehr gut wieder – vor allem die Komplementärfarben unterstreichen ihre Extrovertiertheit und die vielen Facetten ihres Typs. Zudem ist es ein echter Hingucker und wird hoffentlich viele Menschen auf diesen hu
morigen Krimi aufmerksam machen.
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Unter´m Strich kann ich diesen Auftaktband zur Tante Poldi Reihe nur empfehlen. Vor allem, wenn man unkonventionelle Ermittler/Innen mag, die einem eher ein Lachen entlocken als zu einer dicken Gänsehaut führen. Mario Giordano hat mich gut unterhalten und mir einige unbeschwerte Lesestunden beschert. Nun freue ich mich auf die Fortsetzung 🙂
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Infos zum Buch:
Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ von Mario Giordano ist im März 2015 unter der ISBN-Nr. 978-3-431-03914-6 im Bastei Lübber Verlag erschienen. Der Kriminalroman umfasst 367 Seite
n und ist auch sowohl als Ebook als auch als Hörbuch erhältlich. Der Verlag empfiehlt ein Lesealter ab 16 Jahren.
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Inhalt:
Meerblick. Sonne. Ruhe. Mehr will Poldi nicht, als sie kurz nach ihrem sechzigsten Geburtstag von München nach Sizilien zieht. Dabei hat sie aber nicht mit der Familie ihres verstorbenen Exmannes gerechnet. Denn die, Sizilianer durch und durch, wollen Poldi natürlich das Dolce Vita nahebringen. Das war’s dann mit der Ruhe. Als wäre es damit nicht genug: Eines Tages verschwindet Valentino, der Poldi in Haus und Garten ausgeholfen hat, spurlos. Ist er etwa in die Fänge der Mafia geraten? Poldi macht sich auf die Suche – und kreuzt dabei schon bald den Weg des attraktiven Commissario Montana …
Quelle: Bastei Lübbe Verlag
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Ich bedanke mich ganz herzlich bei Blogg dein Buch und Bastei Lübbe für das Rezensionsexemplar!

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Über irveliest

Wie ihr euch sicher schon denken könnt lese ich sehr gerne, am liebsten Krimis und Thriller, aber auch niveauvolle Romane, Kinder- und Jugendbücher. Meine Lieblingsbuchhandlungen sind unsere kleine Buchhandlung am Ort und zum ordentlichen Stöbern Thalia in der Nachbarstadt. Online stöbere ich am liebsten bei lovelybooks und auch bei Amazon nach Büchern...
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12 Antworten zu *+* Mario Giordano: „Tante Poldi und die sizilianischen Löwen“ *+*

  1. Puh, das nenn ich mal eine sehr ausführliche Rezension 🙂
    Das klingt wirklich amüsant aber Du hast es diemal aber ebenfalls nicht geschafft, mir ein Buch auf die Wunschliste zu befördern *kicher*

  2. Xeniana schreibt:

    Witzig Giordani ist mir gestern über den Weg gelaufen. Wir waren am Haus von Sarah Kirsch-literarisches Sightseeing:) und da trafen wir auf ein Ehepaar die Giordano sehr schätzten und ich glaube auf seinen Spuren auch mal in Italien unterwegs waren. Nach deiner neugierig machenden Rezension kommt er nun definitiv auf den zu lesen Stapel. LG Xeniana

    • irveliest schreibt:

      Huhu Xeniana, ich finde es echt krass-komisch….ist sicher Geschmackssache. Möglich, dass sich an der Poldi die Geister scheitern werden 🙂
      Bin gespannt, wie es dir gefällt!

  3. Kastanies-Leseecke schreibt:

    Ich habe das Buch auch gerade beendet und hatte auch sehr viel Spaß mit der guten Poldi! 😉
    Allerdings fand die Perspektive aus der Sicht des Neffen nicht so toll, von daher bin ich mir noch nicht sicher, ob der Nachfolger dann auch in meinem Regal landen wird.

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  6. verenajulia schreibt:

    Hallo Heike,
    ich bin gerade auf Seite 242 und versuche mich abzulenken um nicht weiter lesen zu müssen, da ist mir auch eingefallen, dass du es auch gelesen hat. Schwupps mal hier gestöbert und gleich deine Rezension gefunden. 🙂 ein schöne Rezension von dir. Leider springt bei mir der Funke noch nicht so über und die Geschichte zieht sich eher wie Kaugummi. Viel zu viel drum herum und etliche Passagen überspringe ich einfach ohne was zu verpassen. Meiner Meinung nach könnte das Buch auch einige Seiten kürzer sein. Wobei ich die Idee an sich und die Geschichte selbst schon interessant finde, nur ist der Stil einfach zu ausführlich und abschweifend. Du hast das nicht zufällig auch als Hörbuch gehört? Das erste Mal, dass ich mir vorstellen kann, dass eine gekürzte Version besser wäre. 😀
    Liebe Grüße, Verena.

    • irveliest schreibt:

      Naja, der Fall spielt hier nicht die erste Geige. Für mich ist das Buch eine große Bühne für die verrückte Poldi…und ich finde ihre Rolle einfach so richtig unique 😉
      Aber an dem Buch scheinen sich ein bisschen die Geister zu scheiden.
      Als Hörbuch habe ich es nicht. Gibt es das überhaupt als Audio, weiß das gar nicht…

      • verenajulia schreibt:

        Ja, das stimmt schon. Der Fall ist nicht soooo wichtig. Und Poldi ist ja auch wirklich interessant, aber teilweise ist es mir wirklich zu viel, vor allem die langen Abschnitte ohne wörtliche Rede, da fallen mir regelmäßig die Augen zu und man kann sie ja auch problemlos überlesen ohne was zu verpassen. Ich mag aber zum Beispiel auch die Tanten sehr. Ein lustiger Haufen. Ich werde mir wohl das Hörbuch nochmal besorgen und da reinhören und gegebenfalls umsteigen, dann kommen vielleicht auch die italienischen Begriffe und das Bayrische besser rüber….

      • irveliest schreibt:

        Ja das stimmt, aus dem Dialekt lässt sich beim Audio bestimmt viel machen.

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